Geflügelpest zurück in Deutschland: Wie gefährlich ist sie?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Aktuell kämpfen Geflügelhalter in Deutschland wieder gegen die Geflügelpest: In mehreren Bundesländern wurden verendete Wildvögel entdeckt. Als erste Gegenmaßnahme riefen mehrere Landkreise die Stallpflicht für Geflügel aus. Was muss man über die auch als Vogelgrippe bekannte Krankheit wissen?  

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Inhalt
  1. Die Vogelgrippe beim Menschen: Wie gefährlich ist sie?
  2. Geflügelpest und Vogelgrippe das Gleiche?
  3. Was ist über die Vogelgrippe-Ausbreitung bei Mensch und Tier bekannt?
  4. Stallpflicht: So reagieren Geflügelhalter auf die Vogelgrippe
  5. Wie kommt es zur Vogelgrippe-Übertragung auf den Menschen?
  6. Welche Anzeichen für eine Vogelgrippe-Infektion gibt es?
  7. Wie behandeln Ärzte Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus?
 

Die Vogelgrippe beim Menschen: Wie gefährlich ist sie?

Die Vogelgrippe gehört zu den Grippe- oder Influenza-Viren. Vogelgrippe-Erreger infizieren vor allem Geflügel und lösen eine Geflügelpest aus. Eine Übertragung der Vogelgrippe auf Menschen in größerem Umfang ist vom Virus A/H7N9 besonders seit 2016 bekannt. Viele Patienten, die sich mit dem Erreger infiziert hatten, sind daran gestorben. Forscher suchen bis heute nach Arzneimitteln und Impfstoffen. 

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Dabei gibt es "das eine" Vogelgrippe-Virus nicht. Vielmehr handelt es sich bei Vogelgrippe-Erregern um eine Reihe unterschiedlicher Grippeviren, zum Beispiel H5N1, H5N8 oder H7N9. Sie gehören zu den sogenannten Influenza-A-Subtypen. Mit H und N werden unterschiedliche Varianten zweier Eiweiße auf der Hülle des Virus, nämlich Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), beschrieben. Diese Viren befallen meist Wild- und Hausvögel. Sie können aber auch Menschen infizieren.

 

Geflügelpest und Vogelgrippe das Gleiche?

Die Ausdrücke Geflügelpest und Vogelgrippe werden meist synonym verwandt, was grundsätzlich nicht falsch ist. Einfach ausgedrückt, ist die Geflügelpest der schwere Verlauf einer Vogelgrippe.

Die Virentypen der Vogelgrippe werden unter anderem in niedrigpathogen und hochpathogen unterteilt. Hochpathogen bedeutet, dass die Viren zu einer sehr schweren Influenzaerkrankung bei den infizierten Tieren führen. Die hochpathogenen Subtypen H5 und H7 – die zum Beispiel in den bereits erwähnten Grippeviren H5N1, H5N8 oder H7N9 vorkommen – sind besonders für Nutzgeflügel wie Hühner und Puten gefährlich, weil sie in den meisten Fällen zum Tod der Tiere führen. In diesem Fall spricht man von einer Geflügelpest. 

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Was ist über die Vogelgrippe-Ausbreitung bei Mensch und Tier bekannt?

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler mehrere neue Varianten des Vogelgrippe-Virus entdeckt:

Vogelgrippe 2005/2006: Das Influenza A/H5N1 breitete sich vor allem in Asien aus. Hunderte Millionen Vögel starben. Das Virus hat nur wenige Menschen infiziert. Es handelt sich in erster Linie um eine Geflügelpest.

Vogelgrippe ab 2014: Das Influenzavirus A/H5N8 zeigte eine massive Ausbreitung im asiatischen Raum. Es sind keine Infektionen von Menschen bekannt geworden. Auch hier wird von einer Geflügelpest gesprochen.

Vogelgrippe ab 2016/2017: Das Influenzavirus A/H7N9 ist leichter als andere Viren auf den Menschen übertragbar. Bis Ende 2019 gab es rund 1.200 Erkrankungen und mehr als 500 Todesfälle bei unbekannt hoher Dunkelziffer.

 

Stallpflicht: So reagieren Geflügelhalter auf die Vogelgrippe

Die Geflügelpest-Verordnung des deutschen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sieht vor, dass im Falle einer drohenden Geflügelpest reagiert werden muss. So dürfen Tiere in Risikogebieten nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert und getränkt werden. Futter, Einstreu und sämtliche Gegenstände, die zur Geflügelhaltung eingesetzt werden, müssen für Wildvögel unzugänglich gelagert werden. In mehreren Kreisen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gilt seit Anfang November allerdings eine krassere Maßnahme zur Eindämmung der Geflügelpest: die Stallpflicht. Hühner, Puten und Gänse dürfen nicht mehr ins Freie, um den Kontakt mit Wildvögeln zu unterbinden.

 

Wie kommt es zur Vogelgrippe-Übertragung auf den Menschen?

Das Influenzavirus A/H7N9 wird bei sehr engem Kontakt von infizierten Vögeln auf Menschen übertragen. Das haben Forscher in verschiedenen, ländlich geprägten Gegenden Asiens nachgewiesen. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind möglich, bilden aber – anders als bei der saisonalen Grippe – eher die Ausnahme. Studien zufolge hatten nicht alle Erkrankten auch Kontakt zu Geflügel.

 

Welche Anzeichen für eine Vogelgrippe-Infektion gibt es?

Bei Menschen führt die Infektion nach wenigen Tagen zu grippeähnlichen Beschwerden. Typisch ist schnell eintretendes, hohes Fieber. Anzeichen wie Husten und Kurzatmigkeit deuten auf die Beteiligung der Lunge hin. Fast alle Betroffenen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist die häufigste Todesursache bei Patienten nach einer Vogelgrippe-Übertragung.

Besonders gefährdet sind Senioren, Menschen mit Vorerkrankungen und schwangere Frauen. Bei einer möglichen Pandemie führen die Vogelgrippe-Symptome zu zahlreichen Krankenhaus-Aufenthalten.

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Wie behandeln Ärzte Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus?

Momentan gibt es keine Impfstoffe gegen das Influenzavirus A/H7N9 und keine Medikamente zum Einsatz nach Infektionen. Ärzte verabreichen Antibiotika gegen bakterielle Infektionen als Folge der Lungenentzündung. Sie unterstützen die Atmung durch die Gabe von Sauerstoff. Bei schwerem Verlauf einer Vogelgrippe beim Menschen werden die Patienten künstlich beatmet.

Quellen:
Vogelgrippe breitet sich offenbar ins Landesinnere aus, in: ndr.de
Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zur zoonotischen Influenza, in: rki.de
RKI zu humanen Erkrankungen mit aviärer Influenza (Vogelgrippe), in: Robert Koch-Institut
Was ist Vogelgrippe?, in: Lungenärzte im Netz
Information on Avian Influenza, in: Centers for Disease Control and Prevention

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