Gefahr Masern – Warum Impfungen so wichtig sind

Dr. med. Nadine Heß

Masern-Erkrankungen werden wieder häufiger – diese erschreckenden Meldungen kamen in den letzten Monaten und Jahren immer öfter. Aber wie gefährlich sind Masern eigentlich? Kann die Kinderkrankheit auch Erwachsene treffen? Und warum sollte unbedingt geimpft werden?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess: Masern-Impfung ist wichtig
Expertin Dr. Hess: "Insgesamt überwiegt aus meiner Sicht der Nutzen einer Masernimpfung bei weitem das Risiko!" © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Masern sind eine hochansteckende Viruserkrankung – übertragen durch eine Tröpfcheninfektion. Die Ansteckungsrate bei ungeimpften Personen, die sich in einem Raum mit einem Maserninfizierten aufhalten, beträgt nach nur kurzer Zeit nahezu Einhundert Prozent – mit zum Teil schweren Folgen wie etwa Hirn- oder Lungenentzündungen.

Nach der Infektion dauert es üblicherweise acht bis zehn Tage, dann tritt das sogenannte „Stadium katarrhale“ ein, in dem der Patient an Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten leidet und die klassischen kalkspritzerartigen Schleimhautveränderungen an den Wangeninnenseiten (Koplik`sche Flecken) zu sehen sind. Etwa 14 Tage nach der Ansteckung zeigt sich dann der klassische Masern-Ausschlag („Exanthemstadium“). Der Ausschlag mit rötlich-braunen, teils ineinanderfließenden, teils einzelnen Flecken beginnt meist hinter den Ohren und breitet sich von da aus auf den restlichen Körper aus. Zusätzlich bestehen in der Regel wieder Reizhusten, Schnupfen, Magen-Darmbeschwerden, zudem ein starkes Krankheitsgefühl und oft eine ausgeprägte Bindehautentzündung. Deshalb liegen betroffene Kinder und auch Erwachsene häufig am liebsten in einem abgedunkelten Zimmer. Natürlich gibt es auch Verläufe, bei denen die Patienten außer dem Ausschlag nur wenig Beschwerden haben.

Ist die Maserninfektion erstmal erfolgt, können nur noch die Symptome behandelt werden: das Fieber senken, Hustenstiller bei starkem Reizhusten verordnen, bei bakteriellen Superinfektionen ein Antibiotikum und so weiter… In seltenen Fällen treten jedoch akut zusätzliche Komplikationen auf: komplizierte Mittelohrentzündungen, schwere Lungenentzündungen (teils mit Beatmungspflichtigkeit) und Hirnentzündungen (Enzephalitiden). Insgesamt sind die Masern weltweit noch immer für 44% aller 1,7 Millionen Todesfälle/Jahr mit Erkrankungen verantwortlich, die durch eine Impfung hätten verhindert werden können.*

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Geimpft werden können Kinder ab dem 12. Lebensmonat ein erstes Mal und dann vier Monate später ein zweites Mal – der Impfzyklus sollte idealerweise im Alter von zwei Jahren abgeschlossen sein© shutterstock

Die gefährlichste Komplikation ist die Entwicklung einer sogenannten SSPE (subakut sklerosierende Pan-Enzephalitis), eine sich über vier bis zehn Jahre nach einer Masernerkrankung langsam entwickelnde Hirnentzündung, die nicht behandelbar ist und immer zum Tode führt. Laut einer hochaktuellen Studie**  sind vor allem Kinder, die in den ersten fünf Lebensjahren an Masern erkrankt sind, gefährdet. Von 3300 erkrankten Kindern trifft die SSPE im Durchschnitt 1-2. Diese Komplikation lässt sich ausschließlich die Impfung sicher verhindern, da die SSPE nur durch sogenannte Wildmasern, nicht aber durch die Masernstämme, die zur Impfung verwendet werden, ausgelöst wird.

Impfgegner argumentieren häufig, dass die Masernimpfung schlecht verträglich ist. Das ist nicht ganz falsch - viele Kinder haben 7-10 Tage nach der Kombi-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) für eine kurze Zeit hohes Fieber, die Rate an Fieberkrämpfen ist im Rahmen dessen etwas erhöht, und es gibt auch immer mal Fälle von Impfmasern (stark abgeschwächte Form von Masern ohne Ansteckungsgefahr und ohne SSPE-Risiko). Es hält sich auch immer noch das Gerücht, dass die Impfung mit Masern Autismus auslösen kann. Das wurde jedoch mittlerweile in vielen Studien widerlegt. Insgesamt überwiegt aus meiner Sicht der Nutzen einer Masernimpfung bei weitem das Risiko!

Geimpft werden können Kinder ab dem 12. Lebensmonat ein erstes Mal und dann vier Monate später ein zweites Mal – der Impfzyklus sollte idealerweise im Alter von zwei Jahren abgeschlossen sein. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie selbst ausreichenden Schutz gegen Masern haben, schauen Sie in Ihren Impfpass. Sind dort zwei Impfungen gegen Masern dokumentiert, können Sie von einem lebenslangen Schutz ausgehen. Falls keine oder nur eine Impfung gemacht wurde oder Sie Ihren Impfpass verloren haben, wird allen nach 1970 Geborenen eine einmalige Auffrisch-Impfung empfohlen. Ich habe das selbst kürzlich gemacht – und hatte keinerlei Beschwerden, nicht mal einen schmerzenden Arm. Und außer Fieber für einen Tag habe ich bei den von mir betreuten Kindern auch noch keine negativen Effekte der Masern-Mumps-Röteln-Impfung beobachtet, jedoch im Laufe meiner Ausbildung schon zwei Kinder an einer SSPE versterben sehen. Und wenn man das einmal mitbekommen hat, will man das nie wieder erleben müssen, vor allem, weil es mit zwei kleinen Piecksern verhinderbar ist.

* Kabra S.K., Lodha L. (2013): Antibiotics for preventing complications in children with measles. Cochrane Database Syst. Rev. 2013, Aug. 14;8

** Epidemiology of Subacute Sclerosing Panencephalitis (SSPE) in Germany from 2003-2009: A Risk Estimation. PloS ONE July, 09, 2013, DOI 1ß.1371/journal.pone0068909

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