Gefährlichster Pilz der Welt – Epidemie in den USA?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Laboruntersuchung
C. auris kann erst durch einen aufwendigen Gen-Test identifiziert werden. © Fotolia

Todesfälle in Folge einer Infektion mit dem Hefepilz Candida auris beunruhigen zurzeit die Gesundheitsbehörden in den USA.

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Candida auris heißt übersetzt „Ohren-Pilz“. Neben dem Ohr kann der Pilz jedoch auch dei Haut und den Blutkreislauf befallen. Bei Infizierten finden sich Pilz-Sporen in den Ohren, den Harn- und Atemwegen oder im Urin.

Der Hefepilz ist im Vergleich zu anderen, auf Menschen übertragbare Pilze, noch eher unbekannt. Erst im Jahr 2009 wurde C. auris erstmals bei einer 70-jährigen Patientin aus Japan festgestellt. Seitdem hat sich der Pilz schnell verbreitet und sorgt zurzeit in den USA für Beunruhigung. Dort waren bisher 13 Fälle registriert worden. Da sich alle in Krankenhäusern angesteckt haben, befürchten Gesundheitsexperten nun eine Pandemie. Das Gefährliche an C. auris: Die Folge einer Ansteckung kann eine sogenannte Fungämie (Pilzsepsis, bei der ständig oder schubweise Pilze in die Blutlaufbahn geschwemmt werden) sein. Dann kann die Infektion auch tödlich verlaufen. Herkömmliche Arzneimittel gegen Pilzinfektionen sind im Einsatz gegen C. auris bisher bei fast allen Stämmen wirkungslos geblieben.

 

Vier Todesfälle nach C. auris-Infektionen

Wie die oberste Gesundheitsbehörde zum Schutz der öffentlichen Gesundheit in den USA, die  CDC (Center for Disease Control and Prevention) in einer Pressemitteilung vermeldete, sind bisher vier infizierte Amerikaner an den Folgen der Infektion verstorben. Allerdings sei die genaue Todesursache bisher unklar. „Wir müssen jetzt handeln, um die Verbreitung dieses multiresistenten Pilzes besser zu verstehen, zu kontrollieren und aufzuhalten“, erklärte Tom Frieden, Direktor des CDC. „Wir haben es mit einer neu entstehenden Bedrohung zu tun und müssen gefährdete Patienten und alle anderen davor schützen“.

Die Übertragung geschieht meist in Krankenhäusern und betrifft vor allem Menschen mit bereits geschwächtem Immunsystem. Dazu gehören ältere Menschen, frisch Operierte aber auch Diabetiker, Empfänger einer Organ- oder Knochenmarktransplantation und Patienten, die sich einer Antibiotika- oder Chemotherapie unterziehen müssen.

 

Besondere Verbreitungsgefahr in Krankenhäusern

Das CDC rät in seiner Stellungnahme Krankenhausmitarbeitern, im Umgang mit C. auris-Patienten die Hygiene-Vorschriften besonders genau einzuhalten, um so eine weitere Verbreitung der Pilzinfektion aufzuhalten. Tatsächlich waren zwei der aktuell registrierten Infizierten im selben Krankenhaus behandelt worden. Bei ihnen wurden nahezu identische Stämme des Pilzes gefunden. Laut CDC-Bericht hätten 71 Prozent der bei den US-Patienten entnommenen Stichproben eine Resistenz gegenüber gängigen Arzneimitteln gezeigt, was die Behandlung erschwere.

 

Teure und umständliche Bestimmung

Ein weiteres Problem von C. auris: Er lässt sich nur schwer von anderen Candida-Arten unterscheiden. Eine genauere Bestimmung ist erst mit Hilfe eines Laser-Tests möglich (MALDI-Methode). Und auch damit ist eine 100-prozentige Bestimmung nicht gegeben, schlichtweg weil in den gängigen Analyse-Datenbanken noch zu wenig C. auris-Proben vorhanden sind. Teure Gen-Tests können dann letzte Gewissheit liefern.

Da C. auris häufig mit einem anderen Hefepilz, C. haemulonii, verwechselt wird, könnte es sein, dass sich tatsächlich bereits viel mehr Patienten mit dem „Superbug“ infiziert haben. 

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