Gefährlicher Irrtum – Eltern dosieren Medikamente falsch

Kindern Medikamente geben
In einer aktuellen Studie zeigen Forscher, dass viele Eltern die Medikamente ihrer Kinder falsch dosieren. Dabei kann es lebensgefährliche Folgen haben, wenn Arzneien nicht in der richtigen Wirkstoffmenge verabreicht werden © Fotolia

Kinder bekommen bei fast jeder zweiten Medikamentengabe von ihren Eltern die falsche Dosis verabreicht. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte US-amerikanische Studie. Lesen Sie bei Praxisvita, auf was Eltern unbedingt achten müssen, wenn Kinder Arzneien benötigen.

Viele Eltern dosieren die Medikamente ihrer Kinder falsch. Laut einer Studie der New York University School of Medicine – am 14. Juli 2014 veröffentlicht in der Fachzeitschrift American Academy of Pediatrics – verabreichen rund 41 Prozent der Eltern, die ihren Kindern Arzneien geben, eine falsche Dosierung. Zudem stellte sich heraus, dass mindestens 95 Prozent der Falschdosierungen auf Irrtümer über die jeweiligen Mengeneinheiten – wie z.B. Milliliter –, der zu verabreichenden Medizin zurückgingen.

Nach Aussagen der Forscher entsteht durch eine zu hohe oder zu niedrige Verabreichung von Arzneimittel-Dosierungen für Kinder ein erhebliches gesundheitliches Risiko, da entweder gefährliche Überdosierungen oder das Ausbleiben wichtiger Wirkeffekte drohen.

Eltern, deren Kinder Medikamente benötigen, sollten einige besondere Regeln befolgen. Praxisvita hat für Sie sieben wichtige Tipps zusammengestellt.

 

1. Die richtige Dosierung

Wenn Sie einem Kind ein Medikament verabreichen, müssen Sie unbedingt darauf achten, dass Sie ihm die – vom Arzt, Apotheker oder entsprechend der Angaben auf dem Beipackzettel – vorgeschriebene Dosierung verabreichen. Verlangen Sie von Ihrem Arzt oder Apotheker am besten metrisch bezifferte Angaben – wie z.B. Milliliter oder Gramm –, da diese genauer abzumessen sind und jeder das gleiche darunter versteht. Vorsicht gilt bei Mengeneinheiten, die keine Standardmaße sind – wie z.B. Löffel oder Tassen –, da sie leichter zu Irrtümern führen. Generell achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine Erwachsenendosierung erhält, denn Kinder haben nicht nur einen kleineren Körper, sondern auch einen anders eingestellten Stoffwechsel.

 

2. Kein Aspirin

Kinder – bis zu einem Alter von 18 Jahren – dürfen kein Aspirin verabreicht bekommen, da dies bei den Kleinen z.B. das Reye-Syndrom auslösen kann. Diese Krankheit führt in 25 Prozent der Fälle zum Tod des Kindes. Jedes dritte Kind behält bleibende Gehirnschäden und Entwicklungsstörungen zurück.

 

3. Keine eigenmächtige Verabreichung

Verabreichen Sie Ihren Kindern niemals ohne ärztliche Verordnung Medikamente – egal ober verschreibungspflichtig oder nicht. Ebenso dürfen Sie nicht die Dosierung von ärztlich verordneten Medikamenten verändern. Selbst vermeintlich harmlose Medikamente können bei Kindern schnell Überdosierungen oder Wechselwirkungen hervorrufen.

 

4. Medikamente nicht in Reichweite von Kindern aufbewahren

Bewahren Sie Medikamente an Orten auf, die Ihre Kinder nicht erreichen können. Am besten eignen sich dazu abschließbare Schränke. Besonders in ihrem Nachahmungstrieb neigen kleine Kinder dazu alles zu schlucken, was sie bei Erwachsenen sehen. Sollte Ihr Kind dennoch einmal eigenmächtig ein Medikament verschluckt haben, holen Sie sich umgehend ärztlichen Rat ein. Zeigt Ihr Kind Anzeichen einer Vergiftung, wählen Sie den Notruf. Zeigen Sie dem Rettungsdienst oder Arzt die Medikamentenpackung und geben Sie möglichst genau an, wann und wie viel Ihr Kind geschluckt hat.

 

5. Vorsicht mit nicht zugelassenen Medikamenten

Was Eltern oft nicht wissen: Erst seit 2007 müssen Hersteller von Medikamenten – ob für Schnupfen oder Krebs – ihre Arzneien hinsichtlich der Verträglichkeit bei Kindern testen. Dadurch sind viele, vor allem etablierte Medikamente auf dem Markt nicht für Kinder zugelassen. Aus Mangel an Alternativen verschreiben Ärzte diese Medikamente – z.B. Schmerzmittel oder Wirkstoffe gegen Infektionen – auch Kindern. Selbst wenn Ärzte sich dieser Tatsache bewusst sind und dafür ausgebildet wurden, besteht immer ein Restrisiko. Achten Sie deswegen bei dem sogenannten „Off-Label-Use“ von Medikamenten darauf, ob Ihr Kind Neben- oder Wechselwirkungen zeigt. Im Zweifelsfall zögern Sie nicht Ihren Kinderarzt erneut aufzusuchen oder wenden Sie sich an den Notruf.

 

6. Aufrechtes Sitzen

Säuglinge und Kleinkinder sollten – vor allem bei flüssigen Präparaten – bei der Verabreichung von Medikamenten immer aufrecht sitzen, damit sie sich nicht verschlucken.

 

7. So verabreichen Sie Kindern Medikamente

Kinder zeigen sich oft wenig begeistert davon Medikamente einzunehmen. Damit die Arzneien im Krankheitsfall nicht verweigert oder ausgespuckt werden – was die richtige Dosierung stören kann – gibt es viele Wirkstoffe in ‚Kinderform’. Das heißt sie werden in Form von Zäpfchen oder gut schmeckenden Säften und Tropfen verabreicht. Bei allen anderen Medikamenten können Sie im Notfall die Einzeldosen mit einem Fruchtsaft oder Tee vermischen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass das Kind in diesem Fall nichts über lässt, da sonst ebenfalls nicht die vorgeschriebene Wirkstoffmenge verabreicht wurde.

Informieren Sie sich am besten bei Ihrem Kinderarzt, ob sich das verschriebene Medikament zum Mischen eignet. Ebenso sollten gewisse Medikamente – wie z.B. Antibiotika – nicht mit Muttermilch, Säuglingsnahrung oder Babybrei vermengt werden, da Wechselwirkungen oder Wirkstoffaufhebungen auftreten können.

Hamburg, 15. Juli 2014

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