Gefährlicher Hygiene-Irrtum – die Wahrheit über Desinfektionsmittel

Desinfektion nicht übertreiben
Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät davon ab, Desinfektionsmittel im Haushalt zu nutzen © Fotolia

Desinfektionsmittel sollten nicht im privaten Haushalt eingesetzt werden. Dazu rät das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer kürzlich veröffentlichten Erklärung. Viele im Handel erhältliche Hygienemittel würden unsachgemäß eingesetzt oder seien nicht ausreichend antibakteriell. Die Folgen einer „Überdesinfizierung“ könnten somit viel schädlicher sein, als sie Nutzen versprechen.

In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) grundsätzlich davon ab, Desinfektionsmittel im privaten Haushalt zu verwenden. Als Grund nennt die Behörde die häufig falsche Anwendung – zum Beispiel eine nicht ausreichende Einwirkdauer, die wirkungsaufhebende Kombination mit anderen Reinigungssubstanzen oder eine Überdosierung, die zu Atemwegsreizungen führt – von Hygienepräparaten.

Zudem sei die antibakterielle Wirkung von vielen im Handel erhältlichen Desinfektionsmitteln nur ungenügend bewiesen oder sogar widerlegt.

 

Multiresistente Keime sind die Folge

Die Folge der falschen Verwendung oder die Verwendung von Hygienemitteln, die nicht halten, was sie versprechen, werden dabei unterschätzt. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung mitteilt, entsteht durch die unsachgemäßen Desinfektionsmaßnahmen eine Zunahme der Bakterienbelastung im Haushalt.

Da die Maßnahmen potentiell gesundheitsgefährdende Keime nicht vollständig abtöten, vermehren sich die verbliebenen weiter. Die so entstehenden resistenten Keime gefährden die Gesundheit nach Aussagen der Experten deutlich stärker, als die bakterielle Ursprungsbelastung. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich multiresistente Keime bei der Verwendung einfacher Putzmittel bilden, ist nach Aussagen des Bundesinstituts für Risikobewertung weitaus geringer.

Hinzu komme – so die Experten –, dass Desinfektionsmittel eine starke Belastung für die Umwelt darstellen. In den Substanzen verwendete Chemikalien gelangen über das Abwasser in die Kläranlagen, wo sie nicht vollständig abgebaut und gefiltert werden können, sodass sie auf diesem Wege das Grundwasser, Seen und Flüsse erreichen. 

 

Desinfektion nur manchmal sinnvoll

Die Anwendung von Desinfektionsmitteln im privaten Haushalt ist nur in „speziellen Fällen sinnvoll – so zum Beispiel, wenn Haushaltsangehörige an ansteckenden Krankheiten leiden. Bei Magen-Darm-Grippe oder einem infektiösen Durchfall empfiehlt es sich, kritische Bereiche – wie Toilettenbrillen oder Türklinken – zu desinfizieren.

Weitere Hygiene-Tipps, um die Verbreitung von Keimen zu vermeiden, finden Sie hier.

Hamburg, 2. Juli 2014

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