Gefährliche Krankheiten – was Sie gegen Diphtherie, Pneumokokken und Co. tun können

Viele gefährliche Krankheiten, wie zum Beispiel Diphtherie oder Pneumokokken, werden durch sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen
Viele gefährliche Krankheiten, wie zum Beispiel Diphtherie oder Pneumokokken, werden durch sogenannte Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei reichen kleinste Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft abgegeben werden, für eine Ansteckung © shutterstock

Längst besiegt geglaubte Seuchen sind wieder auf dem Vormarsch, neue breiten sich aus. Nur ein Drittel aller erwachsenen Deutschen ist ausreichend geschützt. Experten warnen: wer sich nicht impfen lässt, riskiert sein Leben.

Thomas Bergholz hat die letzte Erkältung gerade erst hinter sich, nun fühlt er sich erneut elend – Schüttelfrost, Fieber, Husten. Nur wenige Stunden später ruft seine Frau den Notarzt, ihr Mann klagt über Bruststiche und ringt nach Luft. Im Krankenhaus stellen die Ärzte eine Lungenentzündung fest. Auslöser: das Bakterium "Streptococcus pneumoniae". Spätestens jetzt ist klar: Thomas Bergholz kämpft um sein Leben.

 

Viele gesunde Menschen tragen den Erreger im Hals-Nasen-Rachen-Raum, ohne zu erkranken

Jährlich fallen etwa 8000 Menschen in Deutschland einer Infektion durch Pneumokokken zum Opfer. Das Bakterium ist aggressiv, und es verliert keine Zeit – die Hälfte der Todesfälle ereignet sich innerhalb von 48 Stunden. Die Ansteckung erfolgt über kleinste Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen. Viele gesunde Menschen tragen den Erreger im Hals-Nasen-Rachen-Raum, ohne zu erkranken. Trifft das Bakterium jedoch auf ein geschwächtes Immunsystem, kann es tödliche Entzündungen der Lunge, des Herzmuskels, der Hirnhaut oder Blutvergiftungen auslösen. "Neben der Grippe sind Pneumokokken-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland, die sich durch eine Impfung vermeiden ließe", sagt Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach, Kinder-und Jugendärztin in München und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut. "Aber viele Menschen haben noch nie etwas von Pneumokokken gehört und wissen nicht, dass man sich impfen lassen kann."

 

Heute haben zwei Drittel aller Kinder keinen vollständigen Masernschutz

Doch selbst vor altbekannten Krankheiten wie Masern, Mumps oder Polio (Kinderlähmung) sind viele Deutsche nicht ausreichend geschützt. Heute haben nicht einmal zwei Drittel aller Kinder einen vollständigen Masernschutz. So steigt das Risiko, als Erwachsener eine Kinderkrankheit zu bekommen, und das oft mit besonders schwerem oder sogar tödlichem Verlauf. Experten schätzen: Vor allem die Generation der 20-bis 40-Jährigen ist so gefährdet wie seit über 50 Jahren nicht mehr. Grund: die zunehmende Impfmüdigkeit und Reiselust – Urlauber infizieren sich im Ausland mit lebensbedrohlichen Krankheiten und stecken zu Hause Angehörige oder Kollegen an. Beispiel Hepatitis: Allein in Deutschland sind 600 000 Menschen infiziert. Jedes Jahr sterben 4000 an den Folgen: Leberzirrhose und Leberkrebs. Hochansteckende Seuchen wie Polio und Diphterie gelten bei uns zwar als so gut wie ausgestorben, sie sind aber in Reisegebieten Indiens und Afrikas wieder auf dem Vormarsch – Diphterie auch in Osteuropa. Selbst Tetanus (Wundstarrkrampf) wird auf die leichte Schulter genommen. Dabei verläuft eine Ansteckung mit Chlostridium tetani, einem Bakterium, das sich vor allem im Erdboden findet, fast immer tödlich. Schon kleinste Verletzungen, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, können das Leben kosten. Zwar werden die meisten Menschen schon im Kindesalter geimpft, aber der Schutz hält nicht ein Leben lang. Er muss regelmäßig – alle 10 Jahre – aufgefrischt werden. "Wenn wir uns nicht schützen, können längst besiegt geglaubte Infektionskrankheiten wieder aufflammen", warnt Dr. Sigrid Ley-Köllstadt vom Deutschen Grünen Kreuz e.V. in Marburg. Und Schutz ist möglich. Wer den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Berliner Robert Koch Institut folgt, ist auf der sicheren Seite.

 

16 Krankheiten, die Sie nicht bekommen müssen

 

Wie kann ich mich anstecken? Symptome und Risiken Wer sollte sich impfen lassen?

 

Diphterie

Wie kann ich mich anstecken? Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel Husten oder Niesen). Ansteckungsgefahr besteht in vielen tropischen und osteuropäischen Ländern. 60 Prozent aller erwachsenen Deutschen zwischen 30 und 40 Jahren haben keinen Schutz.

Symptome und Risiken: Hals-und Schluckbeschwerden, der Rachen schwillt an, man bekommt kaum noch Luft. Bei schwerem Verlauf drohen Schäden im Gehirn oder am Herzen. Ohne rechtzeitige Behandlung oft tödlich.

Wer sollte sich impfen lassen? Jeder. Die Impfung für Diphterie muss alle 10 Jahre aufgefrischt werden.

 

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Wie kann ich mich anstecken? Durch Zeckenstich. Über 90 Prozent der Betroffenen infizieren sich mit dem Virus bei Freizeitaktivitäten. FSME tritt in Deutschland vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz auf.

Symptome und Risiken: Fieber, Gliederreißen, Kopfschmerzen bis hin zu lebensgefährlichen Hirnhaut-und Rückenmarksentzündungen mit bleibenden Lähmungen und Konzentrationstörungen. Tödlicher Verlauf in 10 Prozent der Fälle.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle, die in FSME-Regionen leben oder reisen und sich viel in der Natur aufhalten. Kosten für den Impfstoff: Etwa 120 Euro.

 

Gebärmutterhalskrebs

Wie kann ich mich anstecken? Durch ungeschützten Geschlechtsverkehr werden die die krebsauslösenden Humanen Papillomaviren (HPV) übertragen.

Symptome und Risiken: Im Anfangsstadium keine Beschwerden, deshalb ist die Vorsorge (PAP-Test) so wichtig. In Deutschland erkranken ca. 7000 Frauen jährlich, etwa 2000 sterben. Rund 100.000 sind von Vorstufen betroffen, die operiert werden müssen.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren. Bislang ist unklar, ob auch ältere Frauen von der Impfung profitieren.

 

Grippe (Influenza)

Wie kann ich mich anstecken? Die Influenza-Viren werden durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel Niesen, Husten) von Mensch zu Mensch verbreitet.

Symptome und Risiken: Schlagartig hohes Fieber, Glieder-und Kopfschmerzen, Reizhusten. Komplikationen: unter anderem Lungen-oder Herzmuskelentzündungen. In Deutschland sterben an der Grippe jährlich über 10000 Menschen.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Menschen über 60, medizinisches Personal und Menschen mit einem Grundleiden wie Diabetes oder Herzkreislauf-Erkrankungen. Die Impfung sollte jedes Jahr im Herbst erfolgen.

 

Haemophilus

Wie kann ich mich anstecken? Influenza Typ B (Hib) Übertragen wird das Bakterium durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, feuchte Atemluft). Haemophilus Influenza Typ B ist eine der gefährlichsten Infektionen der ersten fünf Lebensjahre.

Symptome und Risiken: Halsschmerzen, Fieber, Entzündungen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs. Komplikationen: Hirnhautentzündung, Kehldeckelentzündung, Erstickungsanfälle. Unbehandelt sterben 60 bis 90% der Erkrankten.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Kinder bis zum 5. Lebensjahr.

 

Hepatitis A (Reisegelbfieber)

Wie kann ich mich anstecken? Die Leberentzündung wird durch Getränke oder Nahrung, die mit dem Hepatitis-A-Virus verseucht sind (zum Beispiel Muscheln, Leitungswasser, Eiswürfel, ungeschältes Obst) ausgelöst.

Symptome und Risiken: Kreislaufprobleme, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Abgeschlagenheit, gelbliche Verfärbung der Haut und Augen. Die Erkrankung kann mehrere Monate andauern.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle, die in Risikogebiete reisen (zum Beispiel Süd-und Osteuropa, Tropen). Die Kosten für die Impfung müssen selbst getragen werden (etwa 50 bis 60 Euro pro Dosis).

 

Hepatitis B

Wie kann ich mich anstecken? Das Virus befindet sich in Körperflüssigkeiten, die Übertragung erfolgt durch sexuelle Kontakte oder Blutkontakt. In Deutschland leiden ungefähr 600 000 Menschen chronisch an Hepatitis B.

Symptome und Risiken: Der Verlauf ist schwerer als der von Hepatitis A, und die Krankheit kann chronisch werden. Als Folgen können Leberzirrhose oder Leberkrebs auftreten.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Kinder ab dem 3. Lebensmonat; medizinisches Personal; chronisch Kranke; Homosexuelle; Drogenabhängige.

 

Keuchhusten (Pertussis)

Wie kann ich mich anstecken? Die Bakterien werden über die Luft (zum Beispiel durch Husten, Niesen) verbreitet. Besonders gefährdet: Säuglinge. Durch den Impfrückgang nimmt die Häufigkeit in Deutschland wieder zu.

Symptome und Risiken: Leichtes Fieber, Schnupfen, nach etwa zwei Wochen Beginn des krampfartigen Hustens mit Erstickungsanfällen und der Gefahr des Atemstillstands. Tödlicher Verlauf möglich.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Kinder und Jugendlichen; Menschen mit engem Kontakt zu Säuglingen.

 

Kinderlähmung (Polio)

Wie kann ich mich anstecken? Polio kann über die Luft (zum Beispiel Niesen) oder die Nahrung übertragen werden. Auch in typischen Reiseländern Afrikas oder Asiens ist das Virus wieder auf dem Vormarsch.

Symptome und Risiken: Anfangs Grippesymptome, dann Befall des Nervensystems (Hirnhautentzündung). Polio kann zu bleibenden Lähmungen und sogar zum Tod führen. Und: Es heißt zwar Kinderlähmung, aber das Risiko steigt mit dem Alter.

Wer sollte sich impfen lassen? Jeder. Nicht geimpfte Reisende können die Viren nach Deutschland importieren, und eine neue Polio-Welle auslösen. Die Hälfte der 20-bis 40-jährigen Deutschen hat keinen Schutz.

 

Masern

Wie kann ich mich anstecken? Das hochansteckende Virus wird über die Luft verbreitet (Niesen, Husten oder Sprechen). Masern nehmen aufgrund von Impflücken rapide zu.

Symptome und Risiken: Fieber, Husten, nach etwa drei Tagen Ausschlag hinter den Ohren, dann Hals, Gesicht, Schultern. Meist leichter Verlauf, in einigen Fällen schwere Komplikationen bis hin zum Tod.

Wer sollte sich impfen lassen? Jeder. Gegen Masern, Mumps und Röteln wird kombiniert geimpft (MMR-Impfung).

 

Mumps

Wie kann ich mich anstecken? Durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) oder direkten Körperkontakt.

Symptome und Risiken: Fieber, Appetitlosigkeit, Anschwellen der Ohrspeicheldrüsen. Risiken: Schwerhörigkeit, Taubheit. Bei jedem vierten Jugendlichen/ Mann kommt es zu entzündeten Hoden. Mögliche Folge: Unfruchtbarkeit.

Wer sollte sich impfen lassen? Jeder. Gegen Masern, Mumps und Röteln wird kombiniert geimpft (MMR-Impfung).

 

Röteln

Wie kann ich mich anstecken? Durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel Husten, Sprechen, Niesen).

Symptome und Risiken: Husten, Schnupfen, leichtes Fieber, zwei bis drei Tage kleinfleckiger Ausschlag über den ganzen Körper. Hohes Risiko für Schwangere: Röteln können den Embryo schwer schädigen.

Wer sollte sich impfen lassen? Jeder. Gegen Masern, Mumps und Röteln wird kombiniert geimpft (MMR-Impfung).

 

Meningokokken

Wie kann ich mich anstecken? Durch engen Kontakt, zum Beispiel durch Küssen, aber auch Husten, Niesen. Die Bakterien rufen eine gefährliche Hirnhautentzündung hervor. Die Erkrankung kann innerhalb weniger Stunden zum Tod führen.

Symptome und Risiken: Hohes Fieber, unerträgliche Kopfschmerzen, Hautflecke, Nackensteifigkeit. In Deutschland erkranken jährlich etwa 800 Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, etwa 10 Prozent sterben.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Kinder und Jugendlichen.

 

Pneumokokken

Wie kann ich mich anstecken? Pneumokokken sind Bakterien, die durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel Husten) verbreitet werden und verschiedene Erkrankungen auslösen, zum Beispiel Lungen-und Hirnhautentzündungen.

Symptome und Risiken: Zunächst Grippesymptome, Bruststiche, Atemnot. Eine Pneumokokken-Erkrankung kann innerhalb von 48 Stunden zum Tod führen. Besonders gefährdet: Kinder und Ältere.

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Kinder und Erwachsenen über 60 Jahre.

 

Windpocken

Wie kann ich mich anstecken? Die Übertragung des Varizella-Virus erfolgt über die Luft (zum Beispiel durch Husten, Niesen, Sprechen).

Symptome und Risiken: Fieber, Bläschen, Juckreiz. Im Kindesalter verlaufen Windpocken meist ohne Komplikationen, für Erwachsene sind sie lebensgefährlich (Lungenentzündung, Hirnhautentzündung).

Wer sollte sich impfen lassen? Alle Kleinkinder; ungeimpfte Jugendliche von 9 bis 17; Frauen mit Kinderwunsch; medizinisches Personal.

 

Wundstarrkrampf (Tetanus)

Wie kann ich mich anstecken? Die Erreger finden sich im Boden und gelangen durch winzige Wunden ins Blut (zum Beispiel durch Verletzungen bei der Gartenarbeit).

Symptome und Risiken: Kopfschmerzen, Mattigkeit, dann Krämpfe und Lähmungserscheinungen am ganzen Körper. Jeder dritte erstickt.

Wer sollte sich impfen lassen? Jeder. Die Impfung muss alle 10 Jahre aufgefrischt werden

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