Gebrochener Arm? Bloß nicht operieren!

Rasmus Cloes
Junger Mann bekommt eine Schlinge angelegt
Eine Schlinge bei einem Knochenbruch mag altertümlich aussehen – wirkt aber so gut wie moderne Methoden © Fotolia

Wissenschaftler haben untersucht, was die beste Behandlung eines gebrochenen Oberarms ist. Das Ergebnis widerspricht dem aktuellen Trend.

 

Kein Vorteil durch eine OP

Ein gebrochener Arm heilt nicht besser, wenn er operiert wird. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler in einer Studie, die sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlichten. Sie empfehlen darum, die traditionelle Behandlung mit einer einfachen Schlinge. Der Vorteil: Das Risiko einer schweren OP wird vermieden.

Studienleiter Amar Rangan vom James Cook University Hospital in Middlesbrough, England, untersuchte zusammen mit seinen Kollegen 250 Patienten mit einer sogenannten proximalen Humerusfraktur. Nach dem Zufallsprinzip unterteilten sie diese in zwei Gruppen: Die einen wurden operiert und bekamen meist eine metallene Schiene eingesetzt – eine Praxis, die in den letzten Jahren vermehrt eingesetzt wird. Die anderen bekamen die sogenannte konservative Behandlung, die in diesem Fall aus einer Schlinge besteht, die den betroffenen Arm fixiert. Alle Betroffenen wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet.

 

Ergebnisse widersprechen Trend

Das erstaunliche Ergebnis: Die neue Behandlungsmethode ist in keiner Weise besser als die alte, weitaus kostengünstigere und risikoärmere. Egal, ob die generelle Lebensqualität, die Beweglichkeit des Arms oder dessen Kraft gemessen wird. Folgerichtig schlussfolgern die Wissenschaftler: „Die Ergebnisse widersprechen dem Trend, steigender OP-Zahlen.“

Mit etwa 100 Fällen pro 100 000 Einwohnern im Jahr ist die Fraktur des Oberarmkopfes eine der häufigsten in Deutschland. Sie macht etwa 6 Prozent aller Knochenbrüche aus. Oft betrifft sie Menschen über 65 und weist in vielen Fällen auf eine beginnende Osteoporose hin. Aufgrund der alternden Gesellschaft schätzen Experten, dass die Häufigkeit dieser Fraktur in Zukunft noch zunimmt.

Hamburg, 02. Juni 2015

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