Gebärmutter-Bakterien: Mit der Zahnbürste Frühgeburten verhindern

Bakterien bedingen Gefahr von Frühgeburten
Wissenschaftler fanden Mikroben in der Plazenta von Schwangeren, die im engen Zusammenhang zu den Bakterien im menschlichen Mundraum stehen. Die Mediziner gehen davon aus, dass die gefundenen Plazenta-Bakterien ein wichtiger Faktor für die Gefahr einer F © Fotolia

In der vermeintlich sterilen Plazenta schwangerer Frauen fanden Forscher nun Bakterien. Das wurde kürzlich in einer Studie veröffentlicht. Die entdeckten Bakterien ähneln sehr den Mikroben, die der Mensch in seinem Mund hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie ein wichtiger Faktor für das Risiko von Fehlgeburten.

Schwangere Frauen tragen in ihrer Plazenta eine hochspezialisierte Bakterienkultur. Eine aktuelle Studie des Baylor College of Medicine in Houston widerlegt damit die Annahme, dass der sogenannte Mutterkuchen in der Gebärmutter eine sterile Umgebung für den heranwachsenden Fötus sei. Die Bakterien zeigten eine verblüffende Ähnlichkeit zu jenen Mikroben, die im menschlichen Mund angesiedelt sind. Konzentration und Zusammensetzung dieser Bakterien haben – nach Aussagen der Forscher – einen Einfluss auf die Entwicklung einer Fehlgeburt.

Die Wissenschaftler um Professor Kjersti Aagaard fanden heraus, dass die Föten durch diesen speziellen Bakterienstamm in der Plazenta die „erste Fütterung für die natürliche mikrobielle Flora“ erhalten – eine Grundausstattung für das Immunsystem eines Neugeborenen für die erste Zeit nach der Geburt. Überraschend war in diesem Zusammenhang auch die Erkenntnis, dass sich die Zusammensetzung der Bakterien in der Plazenta im Laufe der fruchtbaren Zeit einer Frau immer wieder ‚aktualisiert’, damit das heranwachsende Kind immuntechnisch den jeweiligen äußeren Bedingungen perfekt angepasst ist.

 

Bakterien verantwortlich für Frühgeburten

Doch die Art der Zusammensetzung der Bakterien in der Plazenta bewirkt auch ein Risiko für die Schwangerschaft. Die Studie zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Frühgeburten bei einer zu hohen Konzentration oder ungünstigen Zusammensetzung der Bakterien massiv ansteigt. Zwar zeigt sich – so Studienleiterin Aagaard – nach dieser ersten Untersuchung noch keine endgültige „Ursache-Wirkung-Beziehung“, dennoch wisse man, dass die Form der Bakterienkultur und die Entwicklung des Schwangerschaftsverlaufs zusammenhängen.

Bisher ging die Forschung davon aus, dass Föten das erste Mal über die Vagina der Frau mit der überlebenswichtigen bakteriellen Grundausstattung in Kontakt kommen. Die aktuelle Studie führte dagegen zu dem Ergebnis, dass die in der Plazenta gefundenen Bakterien jenen im Mundraum so ähnlich sind, da sie dort ihren Ursprung haben. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Plazenta-Bakterien im Mund entstehen und über die Blutbahn in die Gebärmutter transportiert werden.

 

Zahnreinigung soll Frühgeburt verhindern

Aber die gefundenen Bakterien haben im Mund nicht nur ihren Ursprung. Dort entscheidet sich nach Ansicht der Forscher auch die genaue Zusammensetzung und vor allem die Konzentration der Bakterien – die wiederum Faktoren  für die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt sind.

Sogenannte Bakterien-Taschen im Mundraum steigern vor diesem Hintergrund die Gefahr für einen Abort deutlich. Zahnfleischerkrankungen beispielsweise seien bekanntermaßen ein Hinweis für die zu hohe Konzentration der Bakterienkulturen im Mundraum und – nach den Erkenntnissen der aktuellen Studie – auch ein Merkmal einer ungünstigen Bakterienzusammensetzung und –menge innerhalb der Plazenta.

Dr. Jacques Moritz ­– Direktor der Abteilung für Gynäkologe am Mount Sinai St. Luke's Hospital in New York – bezeichnet aufgrund des Zusammenhangs von oralen Bakterienkulturen und jenen Mikroben innerhalb der Plazenta von Schwangeren eine gute Mundhygiene als eine wichtige Bedingung für eine gesunde und erfolgreiche Schwangerschaft. Um das Risiko für Frühgeburten entsprechend zu reduzieren, empfiehlt der Experte nicht nur regelmäßiges Zähneputzen, sondern auch den regelmäßigen Besuch bei der Zahnreinigung während einer Schwangerschaft.

Hamburg, 23. Mai 2014

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.