Gebärmutterkrebs – Kritische Krankenkassen bei Ärzten nicht erwünscht

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Zwei Krankenkassen gaben nun eine Infobroschüre heraus, in der über die HPV-Impfung aufgeklärt wurde. Ärzteverbände möchten die Broschüren am liebsten verbieten lassen © Fotolia

Verschiedene deutsche Ärzteverbände möchten eine Infobroschüre verbieten lassen, die von Versicherungen und dem Nationalen Netzwerk Frauen herausgegeben worden war. In der Broschüre wird über Risiken der HPV-Impfung und der unsichereren Datenlage bezüglich der tatsächlichen Bekämpfung von Gebärmutterkrebs aufgeklärt. Die Versicherungen sehen sich nun in ihrer Aufklärungspflicht beschränkt.

Wie nun bekannt wurde, haben sich der Berufsverband der Frauenärzte und der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte beim Bundesversicherungsamt über Infobroschüren, die über Risiken und die unsichere Forschungslage bei der HPV-Impfung gegen Gebärmutterkrebs aufklärt, beschwert. Die Broschüren waren von den Versicherungen Barmer GEK und Techniker Krankenkassen in Zusammenarbeit mit den Nationalen Netzwerk Frauen und Gesundheit ausgearbeitet worden und sollen nach Willen der Ärzteverbände verboten werden.

 

Krebs ist für die Kassen billiger

Die Ärzteverbände gehen gegen die Broschüren vor, da sie einen Verstoß der Versicherungen gegen den gesetzlichen Auftrag sehen, „die Gesundheit ihrer Versicherten zu erhalten.“ Den Versicherern gehe es nach Ansicht der Ärzte lediglich darum, sich einen „geldwerten Vorteil“ zu sichern. Der Gedanke dahinter: Den Versicherungen kommt es billiger, die vereinzelt auftretenden Krebserkrankungen zu behandeln, als alle ihre weiblichen Versicherungsnehmer flächendeckend zu impfen. Die Ärzte unterstellen den Versicherungen ferner, ihre Kunden von einer Impfung abraten zu wollen.

Die betroffenen Krankenkassen wehrten sich gegen solche Vorwürfe und kritisierten ihrerseits die Ärzteverbände für eine zynische Stimmungsmache, die allein darauf basiere, dass man mit den Informationen der Kassen nicht einverstanden sei. Dabei ging es nicht darum, den Krankenkassen vorzuwerfen, dass sie falsch informieren, sondern darum, dass sie überhaupt informieren.

Die HPV-Impfung wird von der ständigen Impfkommission am  Robert-Koch-Institut in Berlin empfohlen – das schreiben allerdings auch die Krankenkassen in ihrer Broschüre.

 

Wirksamkeit der Impfung ist umstritten

Die Wirksamkeit der HPV Impfung ist tatsächlich auch in Fachkreisen sehr streitbar. Die Impfung schützt zwar relativ gut vor einem Virus (Typ HPV-16 und -18), der bei in etwa zwei Drittel aller Gebärmutterkrebserkrankungen festgestellt wurde. Die Impfung kann aber nicht gegen Krebs schützen – das wissen auch die Ärzteverbände – und wie weit diese Impfung und tatsächlicher Krebsschutz wirklich im Verhältnis stehen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Der Deutsche Krebsinformationsdienst schreibt zu dem Thema, dass die Impfstoffe „noch nicht lange genug eingesetzt“ werden, um den Einfluss auf die tatsächliche Krebsrate einschätzen zu können. Doch unabhängig davon, wie sich die Forschungsergebnisse über die Wirksamkeit der HPV-Impfung in Zukunft entwickeln werden – vor dem Hintergrund von Nebenwirkungen –, bestehen die Krankenkassen darauf, Patienten über die Risiken und unsichere Forschungslagen informieren zu dürfen. 

"Natürlich stimmt es, dass in Bezug auf die Impfung noch viele Fragen offen sind", sagt Wolfram Hartmann – Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Die Diskussion gehöre aber in Fachkreise und nicht in Infobroschüren. „Patientinnen werden dadurch nur verunsichert", sagte Hartmann. Von den Krankenkassen seien deswegen Widerworte nicht angemessen, da es eine klare Impfempfehlung von Seiten der Fachleute gäbe. Gleichzeitig distanzierte sich Hartmann aber deutlich von der mittlerweile nicht mehr auf der Webseite des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. zugänglichen Pressemitteilung, wonach die Krankenkassen Patientenerkrankungen in Kauf nehmen würden, um Geld zu sparen.

Hamburg, 29. April 2014

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