Gabapentin – die 10 häufigsten Fragen

Kapitel
  1. 1. Gabapentin – Wirkstoff-Guide
  2. 2. Die 10 häufigsten Fragen
  3. 3. Nebenwirkungen
  4. 4. Dosierung
  5. 5. Medikamente

Was ist Gabapentin für ein Wirkstoff? Wie wird er richtig eingesetzt? Und ist dieser Wirkstoff eigentlich gefährlich?

Unser Experte Prof. Dr. Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie von der Schmerzklinik Kiel, beantwortet die zehn häufigsten Fragen zum Wirkstoff Gabapentin.

 

Wofür nimmt man Gabapentin?

Bei Gabapentin handelt es sich um einen Arzneiwirkstoff, der zu den sogenannten Antikonvulsiva (Antiepileptika) zählt und hauptsächlich bei Epilepsie (Krampfleiden) und Nervenschmerzen (sogenannte neuropathische Schmerzen oder Neuralgien) angewendet wird. Seit 1995 wird der Wirkstoff hauptsächlich als Antiepileptikum angewendet. Zum einen zur Epilepsiebehandlung, zum anderen aber auch zur Vorbeugung von Anfällen. Kurz nach der ersten Verwendung als Antiepileptikum entdeckte man jedoch, dass Gabapentin auch bei Nervenschmerzen (z.B. im Zusammenhang mit einer Diabetes-Erkrankung) eine sehr gute Wirkung zeigte. Zur Besserung dieses Krankheitsbildes wird Gabapentin ebenfalls hauptsächlich eingesetzt.

Frau leidet unter Schlaflosigkeit
Wird der Wirkstoff Gabapentin nicht schleichend, sondern abrupt abgesetzt, können schwere Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit oder starke Übelkeit auftreten© Fotolia
 

Wie lange nimmt man Gabapentin?

Das hängt davon ab, für welches Krankheitsbild Gabapentin verschrieben wird.

Wird es zur Behandlung einer Epilepsie, also eines Krampfleidens verordnet, so wird der Patient Gabapentin oft dauerhaft einnehmen müssen, da eine Epilepsie meist nur behandelbar, nicht jedoch heilbar ist.

Wird Gabapentin zur Therapie von Nervenschmerzen verordnet, wird die Behandlungsdauer meist von dem behandelnden Arzt festgelegt. Diese kann von mehreren Wochen bis dauerhaft reichen.

 

Ab welchem Alter darf Gabapentin genommen werden?

Mit dem Wirkstoff Gabapentin dürfen Kinder nur im Rahmen einer Epilepsie-Therapie behandelt werden. Zur Behandlung von Nervenschmerzen bei Kindern ist dieser Wirkstoff nicht geeignet.

Grundsätzlich gilt, dass Kindern, wenn sie jünger als drei Jahre sind, dieser Wirkstoff gar nicht verordnet werden darf – auch nicht im Rahmen einer Epilepsie-Behandlung. Ab dem dritten Lebensjahr bis zu etwa zum zwölften Lebensjahr dürfen sie Arzneimittel mit diesem Wirkstoff nur als Zusatzmittel bei der gleichzeitigen Behandlung mit anderen Antiepileptika einnehmen.

 

Wie lange dauert es bis Gabapentin wirkt?

Der Wirkstoff wird zu Beginn der Behandlung schleichend dosiert, das heißt das man sich Schrittweise an die richtige Dosierung des Wirkstoffs herantastet, sie also nach und nach erhöht wird, bis das die zuvor festgelegte Tagesdosis erreicht ist. Dieses Herantasten, das auch als sogenannte Titration bezeichnet wird, kann durchaus mehrere Wochen dauern. Das liegt vor allem daran, dass der behandelnde Arzt die für den Patienten bestmögliche Dosierung finden muss, bei der eine ausreichende Wirksamkeit, aber eben auch möglichst geringe Nebenwirkungen gegeben sind.

Prof. Dr. Hartmut Göbel
Experte Prof. Dr. Göbel: "Das Absetzen von Gabapentin nie abrupt, sondern immer nur schleichend erfolgen."© privat

Der Arzneiwirkstoff Gabapentin wird oral aufgenommen und bleibt mit einer Halbwertszeit von etwa fünf bis sieben Stunden im Blut. Danach wird er über den Urin ausgeschieden. Grundsätzlich kann es durchaus zwischen zwei und drei Wochen dauern, bis das Gabapentin seine Wirkung im Körper voll entfaltet und erste Besserungen bemerkbar sind.

 

Ist Gabapentin gefährlich?

Gabapentin wird in der Regel gut vertragen. Der Wirkstoff Gabapentin ist ein geeignetes Mittel zur Behandlung von Krampfleiden und Nervenschmerzen – jedoch immer vorausgesetzt, es wird richtig eindosiert. Gerade in der Anfangszeit, in der die richtige Tagedosis herausgefunden werden muss, ist der enge Kontakt zum behandelnden Arzt unerlässlich. Er muss entscheiden, wie viel mg pro Tag gegeben werden dürfen, was bei eventuellen Nebenwirkungen zu tun ist etc. Bei dem Wirkstoff Gabapentin handelt es sich nicht um eine Schmerztablette, wie z.B. Ibuprofen, bei der es keine sofortigen schlimmen Nebenwirkungen gibt, wenn man mal eine Tablette mehr eingenommen hat, als in der Packungsbeilage empfohlen.

Bei Gabapentin können bei einer Überdosierung jedoch Schwindel, Benommenheit, Doppeltsehen oder eine verwaschene Sprache auftreten. In solchen Fällen sollte sofort ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden. An sich ist Gabapentin kein gefährlicher Wirkstoff, wenn sorgfältig mit ihm umgegangen wird.

 

Wird man von Gabapentin abhängig?

Bei Gabapentin kann es, wenn Missbrauch mit diesem Wirkstoff betrieben wird, oder der Wirkstoff über mehrere Jahre eingenommen werden muss, zu einem sogenannten Gewöhnungseffekt kommen. Das bedeutet, dass der Patient irgendwann das Gefühl hat, dass die Dosis, die der Arzt ihm verschrieben hat, nicht mehr reicht, um z.B. Schmerzen zu lindern und er möglicherweise auf eigene Faust die Dosis steigert. Jeder Patient, der das Gefühl hat, das sein Medikament nicht mehr wirkt, sollte auf jeden Fall mit seinem Arzt sprechen und nicht eigenhändig die Dosis steigern, denn das kann sehr gefährlich werden.

 

Wie setze ich Gabapentin ab?

Bei der Behandlung einer Epilepsie erfolgt meist eine Dauerbehandlung, eine sogenannte Langzeittherapie. Das bedeutet, dass der Wirkstoff Gabapentin meist gar nicht abgesetzt wird.

Wird der Wirkstoff Gabapentin jedoch zur Behandlung von Nervenschmerzen eingesetzt, dann kann dieser Arzneiwirkstoff nach einer gewissen Behandlungsdauer, die immer der Arzt festlegt, wieder abgesetzt werden. Jedoch sollte dies nie abrupt, sondern immer nur schleichend erfolgen, indem Schritt für Schritt über mindestens eine Woche lang die Dosierung verringert wird. Wird der Arzneiwirkstoff von jetzt auf gleich abgesetzt, können schwere Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Übelkeit, Ängstlichkeit, Schmerzen oder starkes Schwitzen auftreten.

 

Was ist besser, Lyrica oder Gabapentin?

Zuerst muss man wissen, dass Gabapentin und Pregabalin, das ist der Wirkstoff, der in dem Arzneimittel Lyrica enthalten ist, auf ganz ähnliche Weise wirken.

Frau trinkt Rotwein
Während der Einnahme des Wirkstoffs Gabapentin sollte auf Alkohol verzichtet werden© Fotolia

Beide Wirkstoffe verfügen über eine gute Wirksamkeit und verursachen relativ wenige Nebenwirkungen. Jedoch hat Pregabalin Gabapentin gegenüber dem Vorteil, dass es aufgrund seiner abweichenden Resorptionseigenschaft weniger anfällig für Wechselwirkungen durch die Darmtätigkeit beeinflussende Medikamente (wie z.B. Opioide) ist. Auch wirkt es weniger müde machend. Zudem wurde in Studien nachgewiesen, dass Pregabalin bei Patienten, die aufgrund von Nervenschmerzen behandelt wurden, einen angstreduzierenden Effekt hatte und sich zudem ihr Schlaf verbesserte. Ein weiterer Unterschied liegt in der Einnahme der Wirkstoffe. Während bei Gabapentin drei mal täglich bis zu 3600 mg eingenommen werden müssen, sind es bei Pregabalin nur zwei mal täglich bis zu etwa 600 mg. Das macht für den Patienten schon einen Unterschied in der Einfachheit der Einnahme.

 

Nimmt man von Gabapentin zu?

Gewichtszunahme kann bei manchen Patienten eine der aufgelisteten Nebenwirkungen des Wirkstoffs sein. Nicht jeder Patient, der Gabapentin einnimmt, nimmt automatisch an Gewicht zu. Aber es kann auch in die andere Richtung gehen. Das soll heißen: Appetitlosigkeit und ein daraus resultierender Gewichtsverlust können ebenfalls auftreten und gelten damit ebenso zu den unerwünschten Nebenwirkungen wie auch Gewichtszunahme.

 

Kann ich während der Einnahme von Gabapentin Alkohol trinken?

Während der Einnahme des Arzneiwirkstoffs Gabapentin sollte auf keinen Fall Alkohol getrunken werden, da dieser sowohl die Wirkung als auch die Nebenwirkungen von Gabapentin verstärken kann. Dasselbe gilt auch für die gleichzeitige Einnahme von Gabapentin mit Schmerzmitteln, die Opioide enthalten.

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