Furin: Kann ein kleines Protein Ebola besiegen?

Ein Mann arbeitet im Labor
Forscher der Adekunle Ajasin University in Nigeria untersuchten in einer Studie, wie ein Protein dabei helfen könnte, Ebola zu bekämpfen © Shutterstock

Seid dem Ausbruch der größten Ebola-Epidemie in Westafrika suchen Forscher weltweit fieberhaft nach einem Heil- oder Impfmittel, um der Krankheit Einhalt zu gebieten – bisher ohne Erfolg. Doch plötzlich steht ein Protein im Fokus der Wissenschaft, mit dem schon in der Vergangenheit tödliche Krankheiten einfach deaktiviert werden konnten.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie der Adekunle Ajasin University in Nigeria legen Forscher dar, wie das körpereigene Protein Furin bei der Eindämmung des Ebola-Virus helfen könnte.

 

Ohne Furin würde im Körper nichts laufen

Furin kommt im Grunde in jeder menschlichen Zelle vor. Dort aktiviert es die Eiweißstoffe andere Proteine, sodass diese ihre ihnen zugedachten Aufgaben überhaupt ausführen können. Wie ein kleiner Fremdstarter ist dieses Protein also dafür verantwortlich, einen Großteil der überlebenswichtigen Körperfunktionen – beispielsweise den Hormonhaushalt, das Wachstum oder die Blutproduktion – zu regulieren.

Gleichzeitig nutzen aber auch schädliche Eindringlinge wie Bakterien oder Viren die biochemischen Starter-Qualitäten von Furin, um als Krankheitserreger in den Wirtszellen aktiv werden zu können. Anders gesagt: Erst dieses kaum beachtete Protein macht es einigen der tödlichsten Krankheiten der Welt – wie Ebola, AIDS, Milzbrand und Diphtherie – überhaupt erst möglich im menschlichen Körper Schaden anzurichten. 

Echte Präzisionsarbeit

Furin überführt andere Proteine, die in der Regel als inaktive Vorstufen in den Zellen vorliegen, in ihre biologisch aktive Form (Körperfunktionen). Hierzu spaltet es Protein-Vorstufen oder kürzt sie, indem es die Aminosäurenkette von Proteinen an einer ganz bestimmten Stelle durchtrennt (Proteolyse). Ohne diese Präzisionsarbeit von Furin würden Proteine und ferner Zellen ihre Aufgaben im Körper nicht übernehmen können.  

 

Den Starter hemmen

Bereits im Jahre 2003 hatten Forscher des Max-Planck-Instituts die dreidimensionale Struktur von Furin entschlüsselt – ein entscheidender Schritt zur Kontrolle des Starter-Proteins. Mithilfe eines speziell angepassten Hemmstoffes – so stellten die Forscher damals fest – ist es möglich, Furin von der Aktivierung bestimmter Proteine abzuhalten – beispielsweise solchen Eiweißverbindungen, die der Ebola-Erreger benötigt, um einen Menschen zu befallen.

In der Vergangenheit wurden bereits Hemmstoffe entwickelt, die den Aktvierungsprozess von Furin gezielt unterdrücken können – beispielsweise gegen den Biokampfstoff Anthraxsporen. Die nigerianischen Forscher hoffen, auf Grundlage dieser Erkenntnisse in Zukunft einen Furin-Hemmer entwickeln zu können, der einen Ebola-Ausbruch im menschlichen Körper verhindern kann.

Hamburg, 13. November 2014

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