Fukushima – erster Krebsfall bestätigt

Arbeiter am Atomkraftwerk Fukushima
Die japanische Regierung entschädigt einen Arbeiter, der infolge von Arbeiten im Atomkraftwerk Fukushima nach dem Störfall an Leukämie erkrankt ist © Corbis

Zum ersten Mal nach dem Störfall des Atomkraftwerks im japanischen Fukushima 2011 wurde die Krebserkrankung eines Patienten als Folge der Katastrophe anerkannt. Der Mann erhält eine finanzielle Entschädigung von der Regierung.

Der Patient ist ein Arbeiter der Atomanlage in Fukushima, der von Oktober 2012 bis Dezember 2013 an der Installation von Abdeckungen für die beschädigten Reaktoren mitwirkte. Als das Unglück passierte, befand er sich nicht vor Ort.

Jetzt ist er an Leukämie erkrankt. Laut Experten des japanischen Arbeits- und Gesundheitsministeriums ist seine Erkrankung mit großer Wahrscheinlichkeit auf seinen Arbeitseinsatz in Fukushima zurückzuführen. Der Mann ist der erste Patient, dessen Krebsleiden offiziell als Folge des Atomunglücks anerkannt wird. Er erhält eine finanzielle Entschädigung von der Regierung.

 

Was ist Leukämie?

Die Blutbildung findet im Knochenmark statt, das die Hohlräume der Knochen füllt. Dort reifen rote und weiße Blutkörperchen aus sogenannten Blutstammzellen heran. Bei einer Leukämie führt eine „Fehlschaltung“ dazu, dass einige Blutstammzellen mutieren und anstatt funktionstüchtiger weißer Blutkörperchen (Leukozyten) unreife, funktionsuntüchtige Blutkörperchen produzieren, die sich dann unkontrolliert vermehren. Im Krankheitsverlauf stören die mutierten Blutkörperchen zunehmend die Bildung der gesunden weißen und roten Blutkörperchen, sodass es zu einer Blutarmut kommt.

 

Warum fördert radioaktive Strahlung die Entstehung von Leukämie?

Radioaktive Strahlung, die sich im Körper anreichert, erhöht das Risiko einer solchen „Fehlschaltung“ der Blutstammzellen. Die Strahlung gibt Energie an das Gewebe ab, die zur Schädigung der Zellen führt. Diese wiederum begünstigt die Mutation der Zellen zu Krebszellen.

Die Strahlenbelastung eines Organismus wird in „Sievert“ angegeben. In Deutschland sind wir jährlich im Schnitt 2,1 Millisievert (mSv) Strahlung ausgesetzt. Dazu kommt es beispielsweise bei Röntgenuntersuchungen. Wird die Lunge geröntgt, entsteht etwa eine Strahlenbelastung von 0,1 mSv. Zum Vergleich: Bei dem Patienten in Fukushima wurde eine Belastung von 19,8 Millisievert gemessen.

Seit August 2011 waren rund 45.000 Arbeiter an den Aufräumarbeiten an dem Atomkraftwerk in Fukushima beteiligt. Das Ministerium prüft zurzeit drei weitere Fälle von Patienten, die im Zuge dieser Arbeiten an Krebs erkrankten.

Hamburg, 21. Oktober 2015

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