Führen E-Zigaretten zur Popcorn-Lunge?

Ein Gesicht in Nahaufnahme, das eine E-Zigarette raucht
In E-Zigaretten enthaltene Aromastoffe können die Lunge schädigen und zu einer Popcorn-Lunge führen, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

Harvard-Wissenschaftler untersuchten aromatisierte E-Zigaretten auf giftige Chemikalien. Für eine interessierten sie sich besonders – denn sie kann eine sogenannte Popcorn-Lunge verursachen.

Nikotin ist nicht der einzige Stoff, der E-Zigaretten gefährlich macht, sagen Wissenschaftler der Harvard T.H. Chan School of Public Health um Joseph Allen. In ihrer aktuellen Studie konnten sie zeigen, dass in ihnen häufig Aromastoffe stecken, die krank machen können.

 

Was ist eine Popcorn-Lunge?

Die Forscher interessierten sich besonders für einen speziellen Stoff, das sogenannte Diacetyl. Von dieser Chemikalie ist bekannt, dass sie eine schwere Lungenerkrankung (Bronchiolitis obliterans) verursachen kann. Diese wird auch „Popcorn-Lunge“ genannt – denn sie wurde im Jahr 2000 erstmals bei Arbeitern entdeckt, die täglich das künstliche Butteraroma von Mikrowellen-Popcorn einatmen mussten.

 

Wie kann eine Popcorn-Lunge behandelt werden?

Später stellte sich heraus, dass das Popcorn Diacetyl enthielt – die Chemikalie verursacht Entzündungen in den sogenannten Bronchiolen, kleinen Ästen in den unteren Atemwegen mit einem Durchmesser von weniger als einem Millimeter. Die Bronchiolen werden dadurch verstopft und die Atemluft kann nicht mehr ungehindert durchströmen. Als Reaktion darauf bildet der Körper Narbengewebe – dieses verengt die Atemwege noch weiter. So kommt es zu teils starken Atembeschwerden und Grippesymptomen, in extremen Fällen bis zum Atemstillstand. Zur Behandlung der Popcorn-Lunge wird für mindestens sechs Monate Cortison verabreicht.

 

Großteil der Liquids enthält giftige Aromastoffe

Joseph Allen und sein Team testeten 51 Geschmacksrichtungen von Liquids (Flüssigkeit, mit der die E-Zigarette befüllt wird) im Labor. Mit einem speziellen Gerät imitierten sie den Inhaliervorgang und untersuchten den Luftstrom auf Schadstoffe. Neben Diacetyl suchten sie nach zwei weiteren bedenklichen Aromastoffen – Acetoin und Pentandion-(2,3). Das Ergebnis: In 47 der 51 Liquid-Sorten konnten sie mindestens einen der drei gefährlichen Stoffe nachweisen – Diacetyl steckte in 39 Prozent der Geschmacksrichtungen.

Co-Autor Professor David Christiani: „Da die meisten gesundheitlichen Bedenken über E-Zigaretten sich auf Nikotin beziehen, gibt es vieles, das wir noch nicht über E-Zigaretten wissen. Zusätzlich zu der Tatsache, dass sie variierende Mengen der süchtig machenden Substanz Nikotin enthalten, beinhalten sie andere krebserregende Chemikalien wie Formaldehyd und, wie unsere Studie zeigt, aromatische Chemikalien, die Lungenschäden verursachen können.“

Hamburg, 9. Dezember 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.