Frühkindliche Reflexe: Welche Bedeutung haben sie?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Babys reagieren auf äußere Sinnesreize sehr ähnlich. Man bezeichnet die Vielzahl dieser Reaktionen als frühkindliche Reflexe. Sie dienen aus evolutionsbiologischer Sicht der Nahrungsaufnahme und dem Überleben. Sie gehen in den ersten Lebensmonaten nach und nach verloren. Die wichtigsten frühkindlichen Reflexe im Überblick.

Hand eines Babys fasst um den Daumen eines Erwachsenen
Frühkindliche Reflexe bei Babys gehen in den ersten Lebensmonaten wieder verloren Foto:  istock_Pekic
Inhalt
  1. Was versteht man unter dem Greifreflex?
  2. Was ist der Moro-Reflex?
  3. Was passiert beim Schreitreflex?
  4. Was geschieht beim Suchreflex?
  5. Was ist der Saug-Schluck-Reflex?
  6. Was steckt hinter dem Atemschutzreflex?
  7. Was ist der Babinski-Reflex?

Frühkindliche Reflexe werden nicht erlernt. Sie treten ab einem gewissen Lebensmonat auf und verschwinden mit zunehmender Entwicklung des Babys auch wieder. Ursprünglich halfen die Reflexe zum Überleben: Sie erlauben dem Baby, sich an der Mutter festzuhalten oder nach der Brust suchen. Sie haben ihre ursprüngliche Funktion verloren, sind aber immer noch vorhanden. Ärzte können frühkindliche Reflexe anhand von Übungen beurteilen. Daraus leiten sie ab, ob sich ein Baby altersgerecht entwickelt. Das sind die wichtigsten frühkindlichen Reflexe.

 

Was versteht man unter dem Greifreflex?

Berührt man die Handinnenfläche eines Babys, greift es kräftig nach dem Finger. Auch bei den Fußsohlen kann ein Reflex ausgelöst werden. Der Greifreflex beim Baby diente ursprünglich dazu, sich an der Mutter festzuhalten. Wie fast jeder frühkindliche Reflex verschwindet auch der Handgreifreflex, meist bis zum Ende des sechsten und der Fußgreifreflex bis zum Ende des zwölften Lebensmonats.

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Was ist der Moro-Reflex?

Auch der Moro-Reflex zählt zu den Schreckreflexen. Erschrickt ein Baby, etwa, weil es die Eltern ablegen, kommt es zu zwei Reaktionen. Zuerst öffnet das Baby seinen Mund. Es spreizt seine Finger und bewegt die Arme nach außen. In der zweiten Phase wird der Mund geschlossen und die Finger werden zur Faust geballt. Die Arme werden dann vor den Körper gezogen und der Kopf in den Nacken gelegt. Der Moro-Reflex ermöglicht dem Baby den ersten Atemzug nach der Geburt, weil es die Luftröhre öffnet. Dieser frühkindliche Reflex verschwindet zwischen dem dritten und vierten Lebensmonat.

 

Was passiert beim Schreitreflex?

Hebt man ein Baby hoch und hält es unter den Armen, beginnt es, mit den Füßen zu trippeln, sobald es den Boden spürt. Wahrscheinlich soll dieser frühkindliche Reflex Babys davor schützen, herunterzufallen. Er verschwindet mit etwa drei Monaten.

 

Was geschieht beim Suchreflex?

Beim leichten Berühren eines Mundwinkels oder einer Wange dreht das Baby seinen Kopf in diese Richtung. Manchmal wird sogar der Mund geöffnet. Denn dort wird die Brust der Mutter vermutet. Dieser frühkindliche Reflex dient zur Nahrungsaufnahme. Er verschwindet meist im Laufe des dritten Lebensmonats.

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Was ist der Saug-Schluck-Reflex?

Ebenfalls zur Nahrungsaufnahme dienen der Saug- und Schluckreflex. Berührt man bei einem Baby vorsichtig den Gaumen oder die Lippen, beginnt es zu saugen. Gelangt Muttermilch in den Mund, setzt der Schluckreflex ein. Er bleibt erhalten, während der Saugreflex nach etwa sechs Monaten verschwindet. Danach saugen Babys normal.

 

Was steckt hinter dem Atemschutzreflex?

Gelangt Wasser außen auf den Mund oder die Nase von Babys, wird die Atmung reflexartig blockiert: ein Reflex, den man sich beim Babyschwimmen zunutze macht. Auch starker Wind kann den Effekt auslösen. Im Lauf der ersten sechs Lebensmonate verschwindet dieser frühkindliche Reflex.

 

Was ist der Babinski-Reflex?

Berührt man Babys an der äußeren Fußsohle, spreizen sie die Zehen auseinander. Dabei bewegt sich die große Zehe nach oben. Dieser Reflex verschwindet nach zwölf Monaten. Ansonsten wäre es schwer, laufen zu lernen. Bleibt dieser frünkindliche Reflex bestehen oder taucht er in späteren Lebensjahren wieder auf, kann das ein Hinweis auf Erkrankungen des Nervensystems sein.

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Quellen:

Förg, Theresa (2019): BASICS Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.

Illing, Stephan; Claßen, Martin (2017): Klinikleitfaden Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.

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