Fruchtwasser: Was Farbe und Menge bedeuten

Ines Fedder Medizinredakteurin

Während der Schwangerschaft gibt es viele Möglichkeiten, den Gesundheitszustand der werdenden Mutter, aber auch den des ungeborenen Kindes zu dokumentieren und zu überwachen. Eine Möglichkeit: die Untersuchung des Fruchtwassers. Aber: Woraus genau besteht Fruchtwasser eigentlich und welche Funktion übernimmt es bei der Entwicklung des Fötus?

Schwangere Frau hält Ultraschallbild in der Hand
Mit einer Ultraschalluntersuchung kann sich die Menge des Fruchtwassers bestimmen lassen Foto:  istock/Nataliaderiabina

Als Fruchtwasser, auch Ammionflüssigkeit genannt, bezeichnet man die Flüssigkeit, welche den Fötus in der Fruchtblase umgibt. Das noch ungeborene Kind kann sich durch das Fruchtwasser innerhalb der Fruchtblase – lediglich an der Nabelschnur gebunden – frei bewegen.
Die Fruchtwasserproduktion beginnt durch die winzigen Häute der Fruchtblase direkt nach Einnistung der befruchteten Eizelle. Zunächst wird die Flüssigkeit lediglich durch die Mutter gebildet, ab der 12. Schwangerschaftswoche ist auch das Kind an der Produktion beteiligt – durch die Abgabe von Urin und Flüssigkeit aus der Lunge.

 

Welche Funktion übernimmt das Fruchtwasser?

Das Fruchtwasser schützt das noch ungeborene Kind vor äußeren Einflüssen und dient auch als Austauschmedium. Ab circa der 14. Schwangerschaftswoche beginnt das Ungeborene, das Fruchtwasser zu trinken und über die Blase wieder auszuscheiden. Dadurch wird nicht nur die Nierenfunktion angeregt. Auch entsteht so ein Fruchtwasser-Kreislauf, sodass gegen Ende der Schwangerschaft das Fruchtwasser alle drei Stunden erneuert wird.

 

Woraus besteht Fruchtwasser?

Fruchtwasser besteht zu über 95 Prozent aus Wasser. Außerdem enthält es kleine Hautschüppchen (Epidermisschüppchen), Urin, Talgdrüsenreste und Wollhaare (kleine Härchen des Kindes).

 

pH-Wert des Fruchtwassers

Der pH-Wert gibt den Säuregehalt des Fruchtwassers wieder. Dieser liegt in der Regel bei einem Wert zwischen 6,5 und 7.

 

Welche Farbe hat Fruchtwasserflüssigkeit?

Das Fruchtwasser ist zunächst gelblich, später dann entwickelt es sich zu einer weißlich klaren Flüssigkeit.

 

Grünes Fruchtwasser: Was bedeutet das?

Ist das Fruchtwasser bräunlich getrübt oder nimmt gar eine grüne Färbung an, ist Vorsicht geboten. Ist der Geburtstermin weit überschritten, verfärbt sich das Fruchtwasser häufig grün. Dies passiert, weil nun bereits die erste Stuhlausscheidung des ungeborenen Kindes erfolgte. Der behandelnde Mediziner empfiehlt nun möglicherweise, die Geburt des Kindes einzuleiten. Bei grünem Fruchtwasser besteht das Risiko, dass diese mit Stuhl versetzte Flüssigkeit in die Lungen des Kindes gelangen könnte und schwere Komplikationen auslöst. 

 

Wie viel Fruchtwasser ist normal?

Zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche werden der Sitz der Plazenta und die Fruchtwassermenge beurteilt.

Das normale Fruchtwasser-Volumen gegen Ende der Schwangerschaft (36. SSW) beträgt zwischen 400 bis zu 2.000 Milliliter. Die gängigsten Richtlinien mit fortlaufender Schwangerschaft sind:

  • 10. SSW: 30 Milliliter
  • 20. SSW: 350-500 Milliliter
 

Wie wird die Fruchtwassermenge bestimmt?

Es gibt verschiedene Methoden, die Fruchtwassermenge zu bestimmen. In der Regel erfolgt die Bestimmung über eine Ultraschall-Untersuchung. Es gibt verschiedene Richtwerte, die über die Fruchtwassermenge Auskunft geben und zur Diagnostik ermittelt werden.

Der Fruchtwasserindex

Bei einer Ultraschalluntersuchung wird der Bauch in vier Abschnitte eingeteilt und dort jeweils das Fruchtwasserdepot bestimmt. Aus der Summe ergibt sich der sogenannte Fruchtwasserindex (FI). Im letzten Drittel der Schwangerschaft sollte dieser zwischen fünf und 20 Zentimetern liegen.

Fruchtwasser über Tiefenmessung bestimmen

Eine weitere Möglichkeit zur Fruchtwasserdiagnostik bietet die Tiefenmessung. Hier wird die senkrechte Entfernung, also die Tiefe, von der einen Eihäute zur anderen gemessen. Als Normalwert gilt eine Länge von circa 8 Zentimetern.

 

Was passiert bei zu wenig Fruchtwasser?

Tritt bei der Schwangeren eine Verminderung des Fruchtwasservolums auf (unter 400 Milliliter), spricht man von der sogenannten Oligohydramnion. Dafür kann es mehrere Gründe geben. So kann es zum Beispiel sein, dass die werdende Mutter einfach zu wenig trinkt. Es können aber auch schwerwiegendere Gründe vorherrschen, wie zum Beispiel eine eingeschränkte Nierentätigkeit des Fötus oder eine Erkrankung der Harnwege, oder aber auch ein vorzeitiger, unbemerkter Blasensprung. 

Schwangere Frau sitzt auf Toilette
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Zu viel Fruchtwasser: Anzeichen auf Diabetes

Von einer Vermehrung des Fruchtwasservolums, auch Hydramnion genannt, spricht man, wenn der Grenzwert von über 2.000 Milliliter überschritten ist. Zu viel Fruchtwasser kann zum Beispiel auf mütterliche Diabetes Mellitus hinweisen, aber auch auf eine Blutgruppenunverträglichkeit.

 

Wann ist eine Fruchtwasseruntersuchung notwendig?

Spätgebärende über 35 Jahren haben die Möglichkeit, eine Fruchtwasseruntersuchung durchführen zu lassen. Die Analyse wird auch Fruchtwasserpunktion genannt. Durch den Eingriff kann man bereits im Mutterleib Fehlbildungen oder genetische Erkrankungen frühzeitig feststellen. Dabei wird eine dünne Kanüle durch die Bauchdecke und Fruchtblase des Kindes gestochen und eine kleine Menge Fruchtwasser entnommen. Die Fruchtwasseruntersuchung ist nicht komplikationsfrei. Es können leichte Blutungen entstehen, auch frühzeitige Wehen können dadurch ausgelöst werden.

Quellen:

  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch (2002), Walter de Gruyter Verlag, Berlin
  • Quelle: Andreae et al. (2008), Medizinwissen von A-Z, Trias, Stuttgart
  • Baby-und-familie.de, Fruchtwasser: Menge, Farbe und Funktion

 

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