Freie Menstruation: Vorteile, Anleitung und Tipps

Redaktion PraxisVITA

Heutzutage verabschieden sich immer mehr Frauen von Tampons, Binden und Co. und praktizieren stattdessen die sogenannte freie Menstruation. Wir haben eine Expertin auf diesem Gebiet befragt: Buchautorin und Verlegerin Dr. phil. Caroline Oblasser. Sie sagt, worauf es bei der freien Menstruation ankommt und gibt praktische Tipps zum Erlernen der Methode. 

Inhalt
  1. Was ist die freie Menstruation?
  2. Wie funktioniert das freie Menstruieren?
  3. Das sind die Vorteile der freien Menstruation
  4. Die Nachteile der freien Menstruation
  5. Für wen ist die freie Menstruation geeignet?
  6. Anleitung – freie Menstruation lernen 
 

Was ist die freie Menstruation?

Die freie Menstruation, aus dem Englischen auch „free bleeding“ genannt, ist ein Trend, der in den letzten Jahren immer mehr Anklang in Deutschland findet. Aber was bedeutet das überhaupt – das freie Menstruieren? Autorin Caroline Oblasser erklärt: „Das natürliche Ablassen der Menstruationsflüssigkeit ohne Zuhilfenahme spezieller Hygieneprodukte wie Binden, Tampons oder Menstruationstassen“. Die freie Menstruation besinnt sich quasi zurück auf die Zeit, in der es noch keine Hygieneprodukte gab.  

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Doch beim Free Bleeding geht es nicht darum, „es einfach laufen zu lassen“, sondern darum, seinen Körper neu kennenzulernen, ihn zu verstehen und auf ihn zu hören. Geübte Frauen spüren genau, wann sich der nächste Blutschwall anbahnt. „Man geht also während seiner Tage zur Toilette, als würde man wie immer zur Toilette gehen. Nur mit dem Unterschied, dass auf der Toilette das Menstruationsblut gezielt abgelassen wird und die Frau anschließend dicht bleibt bis zum nächsten Toilettenbesuch”, erklärt die Expertin.

 

Wie funktioniert das freie Menstruieren?

Eigentlich ist es ganz simpel: „Sobald man merkt, dass der innere Füllstand erreicht ist – das fühlt sich an, als würde gleich etwas Nasses in die Hose laufen – lässt man das Blut durch leichtes Mitschieben auf der Toilette ab”, erläutert Caroline Oblasser. Zu Beginn sei es sinnvoll, häufiger auf die Toilette zu gehen. „Einfach, um zu beobachten, an welchem Tag, zu welcher Zeit und nach welchem Vorgang wie viel Flüssigkeit zu erwarten ist. Zum Beispiel nach dem Aufstehen am Morgen, nach stehender und sitzender Tätigkeit oder nach dem Sport.” 

So kann man schon nach wenigen Zyklen eine Art Ausscheidungskalender für sich selbst erstellen und lebt dann ohne negative Überraschungen. Zu Beginn der Regel werde man zum Beispiel direkt nach dem morgendlichen Aufstehen sehr rasch eine Toilette brauchen. Ihr Tipp: „Am besten, man hat eine Box mit Taschentüchern am Bett stehen, damit man unkontrolliertes Auslaufen verhindern kann. Für den Fall, dass die Toilette gerade besetzt ist.”

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Das sind die Vorteile der freien Menstruation

Zunächst einmal braucht man keine Hilfsmittel mehr kaufen. Man ist regelrecht unabhängig von Produkten, spart Geld und schont die Umwelt”, sagt Caroline Oblasser. Besonders lohne sich das freie Menstruieren aber für das eigene Wohlbefinden: Man erhalte ein besseres Gefühl für den eigenen Körper. Oder besser gesagt: „Ein super Gefühl in der Unterhose. Keine muffigen Binden oder austrocknende Tampons mehr. Auch unkontrolliertes Auslaufen gehört dann der Vergangenheit an.”

Noch ein Vorteil: „Der Ausscheidungsrhythmus wird weder durch Vorlagen noch durch innere Menstruationsprodukte blockiert. Die Gebärmutter schwingt während der Menstruationswehen, um sich zu reinigen – und gibt in regelmäßigen Abständen überschüssiges Material ab”, sagt sie. Am besten sei es, sich auf diesen Rhythmus einzulassen, anstatt diese Bewegung einzugrenzen.

Außerdem eignet sich das kontrollierte Ausscheiden überschüssiger Flüssigkeit hervorragend als langfristige Geburtsvorbereitung. Warum? „Der Muttermund wird als Wächter des Gebärmutterhalses gewissermaßen hörig und kommuniziert durch das Aufmachen und Verschließen mit seiner Besitzerin”, so Oblasser.

Am wichtigsten ist für sie jedoch, durch die freie Menstruation absolut keine Regelschmerzen mehr zu haben. Darunter litt die Buchautorin viele Jahre. „Meine Krämpfe während der Regel waren auch mit starken Schmerzmitteln, Tees, Wärme, Schonung oder Homöopathie nicht kleinzukriegen. Ich ermutige daher alle Frauen mit Periodenschmerzen, die freie Menstruation auszuprobieren. Sie werden erstaunt sein, wie schnell und einfach der Unterleib während seiner Reinigungsphase zufriedengestellt werden kann – und wie dankbar er diese dann schmerzfrei durchführt”, sagt sie.

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Die Vorteile von Free Bleeding im Überblick kurz zusammengefasst

  • Geldersparnis
  • Umweltschutz
  • Besseres Körpergefühl
  • Weniger Regelschmerzen
  • Geburtsvorbereitung
 

Die Nachteile der freien Menstruation

Welche Nachteile gibt es, wenn man das freie Menstruieren ausübt? „Ganz klar: Das Risiko von verschmutzter Wäsche im Falle der Nicht-Erreichbarkeit einer Toilette”, so Oblasser. Dieses Restrisiko habe man aber auch bei herkömmlichen Vorlagen, die voll oder verrutscht sind – oder bei ausgelaufenen Tampons oder Menstruationstassen. Gegenüber den Hygieneprodukten hat die freie Menstruation jedoch einen großen Nachteil: Wenn man unterwegs ist, nicht von zuhause aus arbeitet und von Termin zu Termin hetzt, ist es schwer, die Konzentration auf den Körper zu richten.

 

Für wen ist die freie Menstruation geeignet?

Im Prinzip für alle Frauen, die menstruieren – von der ersten Regel bis zur letzten. Altersklassen spielen keine Rolle. Und für alle Frauen im Wochenbett, die ihre Nachwehen als rhythmische Reinigung und nicht als schmerzhafte Krämpfe erleben wollen. Ausnahmen beziehen sich bloß auf gewisse Berufsgruppen. „Zum Beispiel für Busfahrerinnen, Kassiererinnen oder Ärztinnen am OP-Tisch ist die Freie Menstruation nur als zusätzliche Methode geeignet, denn sie können das Menstruieren nicht als Priorität Nr. 1 setzen”, sagt Oblasser. Auch für Frauen, die eine starke Regelblutung haben oder an Hypermenorrhoe leiden, ist die freie Menstruation nicht geeignet.

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Für alle anderen, vor allem Lehrerinnen in Schulklassen mit Mädchen gelte laut der Expertin: „Selbstbewusst mit dem Thema umgehen und es, so wie den normalen Toilettenbesuch, einfach praktizieren. Das ist Selbstbestimmung, und darüber kann man und sollte man reden. Die Binden oder den Tampon still und leise, womöglich unter großen Schmerzen, vollzubluten, sollte nicht mehr notwendig sein. Als Alternative gibt es die freie Menstruation.”

 

Anleitung – freie Menstruation lernen 

Jede Frau kann die freie Menstruation erlernen. Das Geheimnis? „Anspannung, Entspannung, Rhythmus”, sagt Oblasser. Die Kontrolle über den Beckenboden zu erlangen, bedarf einiger Übung – und Achtsamkeit. Frauen sollten als Forscherin den eigenen Körper beobachten. Zudem ist es wichtig, sich selbst viel Zeit zu geben, um sich das free bleeding anzueignen. Fallen z.B die ersten Tage der Periode aufs Wochenende, können Sie die Zeit bewusst für das Training ihres Beckenbodens nutzen. Dabei sind folgende Punkte entscheidend: 

  1. Richtig anfangen: Zu Beginn ist es notwendig, öfter auf die Toilette zu gehen – am besten zwei bis drei Mal pro Stunde. So können Sie beobachten, wann wie viel Flüssigkeit zu erwarten ist. Keine Sorge, mit der Zeit reduziert sich die Anzahl der Toilettengänge. Für die Anfangsphase ist es zudem ratsam, Binden oder Klopapier als Schutz zu benutzen, bis sie sich sicher genug fühlen, ganz darauf zu verzichten. 
  2. Beckenboden trainieren: Ein trainierter Beckenboden ist das A und O für das Gelingen der freien Menstruation. Denn dadurch ist es erst möglich, das Blut zurückzuhalten und bewusst abfließen zu lassen. Frauen, die regelmäßig Sport treiben und bereits eine starke Körpermitte haben, fällt es leichter, ihren Beckenboden zu kontrollieren. Aber auch ohne Sport lässt sich die Muskulatur trainieren, etwa durch bewusstes An- und Entspannen des Beckenbodens. Legen Sie über den Tag verteilt kleine „Trainingseinheiten“ ein, in denen Sie für einige Minuten nichts anderes machen, als die Beckenbodenmuskulatur an- und zu entspannen. 
  3. Achtsamkeit: Ohne Bewusstsein für den eigenen Körper geht bei der freien Menstruation nichts. Wenn Sie in Ihren Körper hineinhorchen, können Sie ein Gefühl für Ihren Ausscheidungsrhythmus entwickeln und so rechtzeitig auf den Blutschwall reagieren. Oft kündigt sich dieser nämlich durch ein Ziehen oder leichte Schmerzen im Unterleib an.
  4. Position: Probieren Sie verschiedene Ablass-Positionen aus: „Im Sitzen, in der Skifahrerhocke, das Becken leicht nach vorne oder nach hinten gekippt, mit dem Unterkörper leicht nach vorne oder nach hinten wippend”, erklärt Caroline Oblasser. Suchen Sie sich die Position, die für Sie am angenehmsten ist und die das Abfließen leicht macht. Leichte Bauchmassagen können den Vorgang unterstützen.

Zugegeben: Die freie Menstruation erfordert ein hohes Maß an Selbstkontrolle, doch hat man den Dreh erst mal raus, kann sie entweder eine Ergänzung zu nachhaltigen Hygieneprodukten sein oder diese ganz ersetzen und so zu einem natürlicheren Lebensstil beitragen.

Unsere Expertin: Buchautorin und Verlegerin Dr. phil. Caroline Oblasser. Sie schrieb unter anderem diese Bücher zum Thema: „Regelschmerz ade! Die freie Menstruation ohne Tampons & Binden” oder „Die freie Mens – Leas COMIC-TAGEBUCH für eine schmerzfreie Regel ohne Binden, Tampons und Co”. Außerdem führt Oblasser ihren eigenen Verlag.

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