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Freie Menstruation – was ist das?

Michelle Kröger

Tampons und Binden adé! Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, oder? Doch heutzutage verabschieden sich immer mehr Frauen von solchen Hilfsmitteln und praktizieren die sogenannte “freie Menstruation” oder auch “Free Bleeding”. Doch was ist das eigentlich genau, was sind die Vor- und Nachteile und für wen ist das freie Bluten geeignet? Wir haben eine Expertin auf diesem Gebiet befragt: Buchautorin und Verlegerin Dr. phil. Caroline Oblasser. Sie schrieb unter anderem diese Bücher zum Thema: „Regelschmerz ade! Die freie Menstruation ohne Tampons & Binden” oder „Die freie Mens – Leas COMIC-TAGEBUCH für eine schmerzfreie Regel ohne Binden, Tampons und Co”. Außerdem führt Oblasser ihren eigenen Verlag.

Frau hält Tampon und Binde in der Hand
Beim "Free Bleeding", auch "Freies Menstruieren" genannt, verzichten Frauen auf die Verwendung von Tampons, Binden oder Menstruationstassen Foto:  aydinynr/iStock
Inhalt
  1. Was ist die freie Menstruation?
  2. Wie funktioniert das freie Bluten?
  3. Das sind die Vorteile der freien Menstruation
  4. Die Vorteile von Free Bleeding
  5. Die Nachteile der freien Menstruation
  6. Für wen ist die freie Menstruation geeignet?
  7. Weniger Schmerzen durch Free Bleeding
  8. Tipps, um besser loszulassen
  9. Wann und warum sollte man mit der freien Menstruation anfangen?
 

Was ist die freie Menstruation?

Um das Thema "Menstruation" ranken sich viele Mythen. Ein neuer Trend ist das "freie Menstruieren". “Das natürliche Ablassen der Menstruationsflüssigkeit ohne Zuhilfenahme spezieller Hygieneprodukte wie Binden, Tampons oder Menstruationstassen”, sagt Autorin Caroline Oblasser. Die freie Menstruation besinnt sich quasi zurück auf die Wurzeln des Mittelalters, damals ließen die Frauen das Blut schließlich auch einfach laufen. “Es laufen lassen” ist jedoch eigentlich der falsche Ausdruck, beim Free Bleeding geht es vielmehr darum, seinen Körper neu kennenzulernen, ihn zu verstehen und auf ihn zu hören. Geübte Frauen spüren genau, wann sich der nächste Blutschwall anbahnt. “Man geht also während seiner Tage zur Toilette, als würde man wie immer zur Toilette gehen. Nur mit dem Unterschied, dass auf der Toilette das Menstruationsblut gezielt abgelassen wird und die Frau anschließend dicht bleibt bis zum nächsten Toilettenbesuch”, erklärt die Expertin.

 

Wie funktioniert das freie Bluten?

Eigentlich ist es ganz einfach und simpel: “Sobald man merkt, dass der innere Füllstand erreicht ist – das fühlt sich an, als würde gleich etwas Nasses in die Hose laufen – lässt man das Blut durch leichtes Mitschieben auf der Toilette ab”, erläutert Caroline Oblasser. Zu Beginn sei es laut der Expertin sinnvoll, häufiger auf die Toilette zu gehen. “Einfach, um zu beobachten, an welchem Tag, zu welcher Zeit und nach welchem Vorgang wie viel Flüssigkeit zu erwarten ist. Zum Beispiel nach dem Aufstehen am Morgen, nach stehender Tätigkeit, nach sitzender Tätigkeit oder nach dem Sport.” So kann man schon nach wenigen Zyklen eine Art Ausscheidungskalender für sich selbst erstellen und lebt dann ohne negative Überraschungen. Zu Beginn der Regel werde man zum Beispiel direkt nach dem morgendlichen Aufstehen sehr rasch eine Toilette brauchen. Ihr Tipp: “Am besten, man hat eine Box mit Taschentüchern am Bett stehen, damit man unkontrolliertes Auslaufen verhindern kann. Für den Fall, dass die Toilette gerade besetzt ist.”

 

Das sind die Vorteile der freien Menstruation

Zunächst einmal braucht man keine Hilfsmittel mehr kaufen. “Man ist regelrecht unabhängig von Produkten, spart Geld und schont die Umwelt”, sagt Caroline Oblasser. Besonders lohne sich die freie Mens aber für das eigene Wohlbefinden: Man erhalte ein besseres Gefühl für den eigenen Körper. Oder besser gesagt: “Ein super Gefühl in der Unterhose. Keine muffigen Binden oder austrocknende Tampons mehr. Auch unkontrolliertes Auslaufen gehört dann der Vergangenheit an.”

Außerdem eignet sich die kontrollierte Animation der Gebärmutter zum rhythmischen Ausscheiden überschüssiger Flüssigkeit hervorragend als langfristige Geburtsvorbereitung. Warum? “Der Muttermund wird als Wächter des Gebärmutterhalses gewissermaßen hörig und kommuniziert durch das Aufmachen und Verschließen mit seiner Besitzerin”, so Oblasser.

Am wichtigsten ist für sie jedoch, durch die freie Menstruation absolut keine Regelschmerzen mehr zu haben. Darunter litt die Buchautorin viele Jahre. “Meine Krämpfe während der Regel waren auch mit starken Schmerzmitteln, Tees, Wärme, Schonung oder Homöopathie nicht kleinzukriegen. Ich ermutige daher alle Frauen mit Periodenschmerzen, die freie Mens auszuprobieren. Sie werden erstaunt sein, wie schnell und einfach der Unterleib während seiner Reinigungsphase zufriedengestellt werden kann – und wie dankbar er diese dann schmerzfrei durchführt”, sagt sie.

 

Die Vorteile von Free Bleeding im Überblick kurz zusammengefasst:

  • Geldersparnis
  • Umweltschutz
  • Besseres Körpergefühl
  • Weniger Regelschmerzen

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Die Nachteile der freien Menstruation

Welche Nachteile gibt es also, wenn man die freie Menstruation verfolgt? “Ganz klar: Das Risiko von verschmutzter Wäsche im Falle der Nicht-Erreichbarkeit einer Toilette”, so Oblasser. Dieses Restrisiko habe man aber auch bei herkömmlichen Vorlagen, die voll oder verrutscht sind – oder bei ausgelaufenen Tampons oder Menstruationstassen.

 

Für wen ist die freie Menstruation geeignet?

Im Prinzip für alle Frauen, die menstruieren – von der ersten Regel bis zur letzten. Altersklassen spielen keine Rolle. Und für alle Frauen im Wochenbett, die ihre Nachwehen als rhythmische Reinigung und nicht als schmerzhafte Krämpfe erleben wollen. Ausnahmen beziehen sich bloß auf gewisse Berufsgruppen. “Zum Beispiel für Busfahrerinnen, Kassiererinnen oder Ärztinnen am OP-Tisch ist die Freie Menstruation nur als zusätzliche Methode geeignet, denn sie können das Menstruieren nicht als Priorität Nr. 1 setzen”, sagt Oblasser. Für alle anderen Berufsgruppen und vor allem Lehrerinnen in Schulklassen mit Mädchen gelte laut der Expertin: “Selbstbewusst mit dem Thema umgehen und es, so wie den normalen Toilettenbesuch, einfach praktizieren. Das ist Selbstbestimmung, und darüber kann man und sollte man reden. Die Binden oder den Tampon still und leise, womöglich unter großen Schmerzen, vollzubluten, sollte nicht mehr notwendig sein. Als Alternative gibt es die freie Menstruation.”

 

Weniger Schmerzen durch Free Bleeding

Es klingt unmöglich, doch das scheint es nicht zu sein. Caroline Oblasser berichtet, dass sie gar keine Schmerzen mehr habe. “Der Ausscheidungsrhythmus wird weder durch Vorlagen noch durch innere Menstruationsprodukte blockiert. Die Gebärmutter schwingt während der Menstruationswehen, um sich zu reinigen – und gibt in regelmäßigen Abständen überschüssiges Material ab”, sagt sie. Am besten sei es, sich auf diesen Rhythmus einzulassen, anstatt diese Bewegung einzugrenzen.

Natürlich ist das Ganze noch etwas komplexer, denn bereits vor der eigentlichen Periode geht es um den Abbau von Inhalten des Darms, egal ob Gase oder Feststoffe. Denn wie bei einer Geburt erkennt der Körper: Der Darm soll leer sein, damit für den Rest so viel Platz wie möglich ist. “Im Ernstfall rutscht bei Geburtswehen ja ein Kind durch – das braucht das Maximum an Raum im Unterleib”, so Oblasser. Aus diesem Grund beobachten viele Frauen in der Zeit vor dem Einsetzen der Regel übermäßigen Stuhlgang. Diesen sollte man besser zulassen, damit es im Anschluss daran keine schmerzhaften Blähungen während der Periode mehr gibt. “Die können oftmals noch fieser sein als die eigentlichen Gebärmutterkrämpfe. Die Krämpfe selbst werden bei der Freien Menstruation in Ausscheidungsenergie und schmerzfreie Reinigungs-Wehen umgewandelt.”

Wichtig zu wissen: Die Gebärmutter ist ein großartiger Muskel. Ihre Tätigkeit tut daher generell nicht im Geringsten weh, sonst hätten wir auch bei jedem Schritt Schmerzen – oder auch beim Orgasmus. Das Geheimnis? “Anspannung, Entspannung, Rhythmus”, so Oblasser.

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Freie Mens: Tipps, um besser loszulassen

Richtig anfangen: Zu Beginn häufiger auf die Toilette gehen, um zu beobachten, wann wie viel Flüssigkeit zu erwarten ist.

Position: Probieren Sie verschiedene Ablass-Positionen aus: “Im Sitzen, in der Skifahrerhocke, das Becken leicht nach vorne oder nach hinten gekippt, mit dem Unterkörper leicht nach vorne oder nach hinten wippend”, erklärt Caroline Oblasser.

Formsache: Ganz wie bei einer Geburt ist für jede Frau auch beim Menstruieren die liebste Position mal so, mal so. Abhängig von den physischen Gegebenheiten wie etwa einem leichten Knick in der Gebärmutter kann das Ablassen im Sitzen gar nicht, in der Hocke mit gekipptem Becken dafür hervorragend funktionieren. “Einfach ausprobieren. Es läuft, wenn alle Wege frei sind. Denken Sie an das Prinzip geknickter Gartenschlauch, da kommt kein Wasser durch. Der Knick muss weg, falls erstmal nichts kommt.”

Austauschen hilft: Sprechen Sie mit Freundinnen darüber, dass Sie jetzt die freie Menstruation ausprobieren. Und animiere sie diese dazu, es auch zu tun. Viele Frauen kennen diese Art des Menstruierens nicht.

 

Wann und warum sollte man mit der freien Menstruation anfangen?

Ein geeigneter Zeitpunkt ist beispielsweise die Zeit nach dem Stillen. So hat es auch Caroline Oblasser gemacht: “Nach vielen Jahren des Stillens – im Stillzyklus hatte ich ewig keine Blutung – waren in meinem Haushalt keine Menstruationsprodukte mehr vorhanden. Als die Regel dann kräftig einsetzte, habe ich mir überlegt, wie ich zum nächsten Drogeriemarkt komme, ohne eine Blutspur hinter mir herzuziehen.” Das war der Anfang. Über der Toilette beobachtete sie dann, dass nach einem Blutschwall erst einmal Ruhe war, die Hose blieb auch sauber. So probierte sie weiter und stellte fest: “In den Zeiten dazwischen bin ich dicht, und die Regelschmerzen sind auch wie weggeblasen! Ja, ich hatte keine Krämpfe mehr, keine Blähungen und sogar eine Regel verkürzte sich. Mit stärkerer Reinigung an den ersten drei Tagen”, erzählt sie.

Ihr Tipp: Frauen sollten als Forscherin den eigenen Körper beobachten und feststellen, was einem guttut. Man sollte sich zum Erlernen der Technik ausreichend Zeit geben und beispielsweise auch im Urlaub damit beginnen. Es handele sich auch um eine geistige Umstellung. “Ich bin unten lieber ohne und fühle mich so besser. Meine Kinder mache ich ebenfalls mit den unten-ohne-Methoden vertraut – Babys wie heranwachsende Mädchen”, sagt Oblasser.

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