Frauen essen anders, Männer auch

Gegenderter Speiseplan
Männer und Frauen sind nicht gleich. Und sie ernähren sich auch unterschiedlich. Studien zeigen wichtige Unterschiede bei der Ernährung, die von Mann und Frau beachtet werden sollten © Fotolia

Frauen lieben Schokolade, Männer Wurst - ist das reine Geschmacksache oder Biologie? Praxisvita hat für Sie faszinierende Forschungsergebnisse zu den Ernährungsgewohnheiten von Mann und Frau zusammengestellt.

Medizinische Hochschule Nippon, Japan. Je 30 Frauen und Männer – alle hochgradige Infarkt- Kandidaten – unterziehen sich einer speziellen „Herz"-Diät. Und die besteht aus einer Kost mit hochdosierten Pflanzenstoffen (Flavonoiden), die insbesondere grünen Tee enthält. Vier Wochen später zeigen sich erstaunliche Unterschiede: Bei den Männern haben sich die Cholesterinwerte normalisiert – das Risiko für Gefäßverkalkung ist um 50 Prozent gesunken. Und bei den Frauen? Die positiven Effekte fehlen hier. Sie klagen über ein anderes Problem: Schlafstörungen.

 

Wieso Essen Geschlechtersache ist

Ernährungsforscher kommen zu dem Schluss, dass Mann und Frau nicht zueinander passen – zumindest was den Speiseplan betrifft. Denn die Kluft zwischen den weiblichen und männlichen Stoffwechselvorgängen ist weitaus größer als bisher vermutet. In der Praxis heißt das: Was für den weiblichen Körper wertvoll ist, muss für den männlichen noch lange nicht das Nonplusultra sein – und umgekehrt. Ein Punkt, der gerade bei dem im Winter ohnehin verlangsamten Stoffwechsel von enormer Bedeutung sein kann. „Männer und Frauen ticken ernährungsphysiologisch völlig unterschiedlich", bestätigt der kanadische Wissenschaftler Mark A. Tarnopolsky. Hier zwei Beispiele: Grüner Tee senkt bei Männern den Cholesterinspiegel. Das asiatische Nationalgetränk wirkt Wunder – vor allem bei Männern. Ihr Organismus spricht auf die cholesterinsenkenden Pflanzenstoffe (Flavonoide) besonders gut an. Verblüffend: Frauen profitieren nicht von diesem Effekt. Schlimmer noch: Die Gerbsäuren im Tee – sogenannte Tannine – stören die Eisenaufnahme. Frauen droht die Gefahr, dass die ohnehin oft spärlich gefüllten Eisenspeicher schneller geleert werden. Ein akuter Mangel schlägt sich in Gereiztheit, Nervosität und Schlafstörungen nieder.

 

Der "gegenderte" Speiseplan?

Bratkartoffeln machen Frauen alt. Klingt kurios, ist aber tatsächlich richtig: Anti-Aging-Forscher raten Frauen deswegen dringend vom Verzehr von Brezeln, Kaffee, Cola und Bratkartoffeln ab, Hintergrund: Braune Lebensmittel und alles, was gebacken, geröstet oder scharf gebraten wird, enthalten so genannte AGEs (Advanced Glycation Endproducts). Diese Verbindungen von Zucker und Eiweiß lassen das Kollagen im Bindegewebe hart werden – die feuchtigkeitsarme Frauenhaut bekommt schneller Falten. Männer sind gegen diesen Altmacher-Effekt nahezu immun.

„Wir müssen radikal umdenken", sagt Experte Mark A. Tarnopolsky. Im Interesse der Gesundheit fordert er grundsätzlich eine geschlechtsspezifische Ernährung, damit Mangelerscheinungen zielgerichteter behoben werden können. Eine besondere Rolle spielen vor allem die Vitamine. Von ihnen weiß man, dass sie sich in unterschiedlicher Weise positiv auf Mann und Frau auswirken. Dazu der Ernährungsexperte Dr. Jörg Zittlau: „Einige Vitamine haben sogar Geschlechts-Vorlieben, was ihre Schutzfunktion gegenüber Arteriosklerose und Herzinfarkt angeht." Finnische Wissenschaftler bestätigen diesen kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Sie entdeckten beispielsweise, dass vor allem die Kombination aus den Vitaminen E und C bei Männern vorbeugend gegen gefährliche Verkalkungen in den Gefäßen wirkt – bei Frauen tritt dieser Schutzeffekt allerdings nicht ein.

 

Fünf Ernährungstipps für Frauen

  1. Warum Orangen bei Frauen Falten fördern: Orangen lassen Frauen ab 30 alt aussehen. Große Mengen an Fruchtzucker stören die weibliche Talg- und Kollagenproduktion. Die Quittung: Faltenbildung! Tipp: Täglich 2,5 l Wasser trinken. Es dient als Füll- und Stützsubstanz von Zellen und Gewebe – und bremst vorzeitige Alterungsprozesse.
     
  2. Warum Frauen von Schokolade dick werden: Frauen verspüren 30 Minuten nach dem Schokoladenverzehr Heißhungerattacken. Die Erklärung: Der Einfachzucker aus dem Schokoriegel lässt den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen – und dann sofort wieder absinken. Tipp: Vanille-Schokolade essen. Laut einer Studie wirkt Vanilleduft direkt im Gehirn, stoppt die Lust auf Süßes.
     
  3. Warum Soja bei Frauen die Gefäße reinigt: Studien zeigen: Sojaprodukte haben bei Frauen eine günstige Wirkung auf den Fettstoffwechsel im Blut. Schon 40 Gramm Sojaprotein (stecken z.B. in einem Glas Sojamilch) pro Tag senken das schädliche LDL-Cholesterin. Tipp: Verstärken kann man den Gefäßschutz-Effekt mit Ausdauersport. Dosis: dreimal pro Woche 30 Minuten.
     
  4. Warum Müsli Frauen die Knochen bricht: Wenn Frauen es mit Müsli übertreiben, fördern sie Knochenschwund. Denn: Phytinsäure hemmt die Kalzium-Aufnahme – die Knochensubstanz von Frauen wird brüchig. Tipp: Sonnenblumenkerne ins Müsli. Die Magnesium-Bombe stoppt den schädlichen Effekt – und erhöht sogar indirekt die Aufnahme von Kalzium im Darm.
     
  5. Warum Spinat Frauen die Konzentration raubt: Von wegen Eisenbombe! Spinat enthält jede Menge Oxalsäure – und die gilt als einer der schlimmsten Eisenräuber. Ohnehin sind Frauen durch die Menstruation für Eisenmangel besonders anfällig. Folge: Leistungsabfall plus Konzentrationstief. Tipp: Zitronensaft zum Spinat – denn Vitamin C gleicht den Eisenverlust wieder aus.
 

Fünf Ernährungstipps für Männer

  1. Warum Orangen Männer vor Erkältung schützen: Männer profitieren ungemein vom Anti-Erkältungs-Vitamin C in Orangen. Denn sie verbrauchen aufgrund ihres Hormonhaushalts mehr Vitamin C als Frauen. Tipp: Orangen mit Nüssen kombinieren. Die Vitamine C (Orange) und E (Nuss) verstärken sich gegenseitig – ein Top-Erkältungsschutz!
  2. Warum Männer mit Schokolade Pfunde verlieren: Irgendwie unfair: Schokolade hat bei Männern einen Abnehm-Effekt. Erklärung: Große Mengen an Einfachzucker wirken bei „ihm" wie ein Appetitzügler. Er produziert dabei appetithemmende Substanzen (Katecholamine). Tipp: am besten Chili-Schokolade (Süßwarenladen) essen. Chili regt zusätzlich den Fettstoffwechsel an.
  3. Warum Soja die männliche Fruchtbarkeit stört: Sojaprodukte könnten eine Rolle bei männlicher Unfruchtbarkeit spielen, so eine britische Studie. Die Phytoöstrogene in Soja werden mit einer schlechten Spermienqualität in Verbindung gebracht. Tipp: Vitamin B12 steigert die Fruchtbarkeit beim Mann. Top-Quellen: Eier, Lachs, Käse.
  4. Warum Lakritze Männer müde macht: Studien zeigen: Die Glycyrrhizinsäure der Lakritze senkt bei Männern den Testosteronspiegel. Und das kann sich negativ auf die Energie und Muskelkraft auswirken. Tipp: zur Lakritze ein paar Nüsse essen. Die Erklärung: Das Zink in Nüssen kurbelt Power-Hormone an – und sorgt für Extra-Antrieb.
  5. Warum eine Wurst Männer aggressiv macht: Bisher unterschätzt: Wurstwaren enthalten jede Menge bedenklicher Zusatzstoffe (E 338 bis 341) – und die werden im Zusammenhang mit Unruhe und Aggressivität diskutiert. Der männliche Gehirnstoffwechsel scheint besonders anfällig für diese „Schadstoffe" zu sein. Tipp: Fisch essen. Sein Tryptophan schenkt Nervenstärke.

Hamburg, 23. April 2014

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