Frau führt Kaiserschnitt selbst aus - und beide überleben

Auch in Deutschland versuchen Ärzte, Frauen in einen Kaiserschnitt immer mehr miteinzubeziehen – der Fall Ines Ramirez jedoch ist extrem
Auch in Deutschland versuchen Ärzte, Frauen in einen Kaiserschnitt immer mehr miteinzubeziehen – der Fall Ines Ramirez jedoch ist extrem © Fotolia

Eine Frau aus einem entlegenen Dorf in Mexiko hat an sich selbst einen Kaiserschnitt ausgeführt. Um ihr Baby zu retten, benutzte sie ein Küchenmesser! Teil sechs unserer Reihe.

Es ist pure Verzweiflung, die sie antreibt. Inez Ramirez hat bereits ein Baby totgeboren, weil sie zu weit von ärztlicher Hilfe entfernt war. Dieses Kind muss so schnell wie möglich auf die Welt. Es soll leben!

Es ist der 5. März 2000, Mitternacht. Inez Ramirez ist im siebten Monat schwanger und hat starke Wehen: „Ich konnte es nicht mehr ertragen. Ich entschied: Wenn mein Baby sterben muss, dann werde ich es auch. Ich hoffte darauf, dass Gott uns beiden das Leben retten würde.“

Sie trinkt drei kleine Gläser mit starkem Schnaps und greift entschlossen zu einem 15 cm langen Küchenmesser, das sie wie ein Tapeziermesser an ihren Unterleib ansetzt. Mit dem Zeigefinger übt sie Druck auf die Klinge aus und sticht zu: „Einmal war nicht genug. Ich musste es noch mal tun. Ich habe geweint und geschrien, hatte schreckliche Schmerzen.“ Sie schneidet ihren Bauch vertikal auf, beginnt einige Zentimeter rechts ihres Nabels und durchtrennt die Haut bis kurz vor ihrem Intimbereich. 17 cm lang ist der Schnitt.

Zum Vergleich: Ein Kaiserschnitt in einer deutschen Klinik dauert in der Regel etwa eine Stunde. Nach einer örtlichen Betäubung wird unter der Schamhaargrenze, also weit unter dem Nabel, ein etwa zehn Zentimeter langer, horizontaler Schnitt gesetzt. Die Bauchdecke wird Schicht für Schicht geöffnet, um schließlich die Gebärmutter öffnen zu können. Wurde die Nabelschnur durchtrennt und das Kind herausgenommen, zieht sich die Gebärmutter zusammen, der Mutterkuchen löst sich ab und wird herausgenommen. Direkt im Anschluss werden die offenen Stellen wieder zugenäht.

Ramirez braucht eineinhalb Stunden, um mit dem Küchenmesser ihre Gebärmutter zu erreichen: „Das Blut sprudelte nur so aus mir heraus“. Schließlich zieht sie ihren Jungen an den Füßen aus ihrem Bauch, nachdem sie mehrere innere Organe beiseite geschoben hat. Sie erinnert sich, dass ihr Baby sofort begann zu schreien.

 

Wie konnte sie diese Selbst-Operation überleben?

Sie bindet ihre Wunden mit Kleidung ab und schickt ihren damals achtjährigen Sohn ins Dorf, um Hilfe zu holen. Ein Mann, der erste Hilfe leisten kann, näht die Wunde grob mit Nähnadel und Faden zu. Die Klinik, in der sie Ramirez helfen können, ist drei Stunden Autofahrt entfernt. In all dieser Zeit erleidet sie höllische Schmerzen. Ihr behandelnder Arzt ist sprachlos: „Ich konnte es nicht glauben: Sie hatte keine Blutvergiftung in der Wunde und keine inneren Blutungen. Nach ein paar Tagen war sie wieder auf den Beinen.“

Ines Ramirez gilt als die einzige Person, die einen Kaiserschnitt an sich selbst durchgeführt hat, bei dem Kind und Mutter überlebt haben.

Überstanden hat sie den Eingriff aber nur mit einem Übermaß an Glück: Sie hat den Schnitt so gesetzt, dass sie keine inneren Organe verletzte. Dass sich die große offene Wunde nicht infizierte, grenzt an ein Wunder. Außerdem hätte sie während der Selbst-Operation jederzeit bewusstlos werden und verbluten können.

Heute sind sowohl Mutter als auch Kind wohlauf, aber Ramirez riet jeder Frau dringend davon ab, einen solchen Eingriff durchzuführen.

Hamburg, 20. November 2015

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