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Fosfomycin bei Blasenentzündung

Redaktion PraxisVITA

Ich sehe meiner 34-jährigen Patientin an, dass sie starke Schmerzen hat. Im Unterbauch tut ihr alles weh. Zudem beim Wasserlassen und sie muss ständig auf Toilette. Schnell steigt ein Verdacht auf: eine Blaseninfektion (Zystitis).

So häufig Blasenentzündungen auch sind – zuerst müssen wir sicher sein, dass es nichts ‚kompliziertes‘, also möglicherweise Gefährliches ist. Meine Patientin ist jung und sonst gesund – auch ihre Nieren schmerzen nicht, wenn ich darauf klopfe (Nierenlager), sie hat kein Fieber – damit erstmal ‚Teilentwarnung‘.

In einem solchen Fall reicht die Untersuchung des Urins mit einem Teststreifen. Der Nachweis von ‚Nitrit‘ ist praktisch beweisend – ein Stoffwechselprodukt krankmachender Bakterien in der Blase. Sonst kommt es nicht vor. Besteht der Verdacht auf etwas Komplizierteres oder kommen Blasenentzündungen häufiger vor, sollte der Urin immer im Labor untersucht und die Bakterien angezüchtet werden.

Frau mit Zystitis
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Zystitis (Blasenentzündung)

Da ich meine junge Patientin noch nicht kenne, untersuche ich sie und führe eine Ultraschalluntersuchung von Nieren und Blase durch – ich will sichergehen, dass ich nichts Kompliziertes (wie einen Harnstau in den Nieren) übersehe.

Der Einsatz von Antibiotika hat sich in den letzten Jahren verändert. Der Grund: Viele Erreger sind widerstandsfähig (resistent) geworden. Auch müssen leichte und mittlere Beschwerden nicht immer mit Antibiotika behandelt werden. Wichtig: Finden sich bei einem Routinecheck ‚nur‘ Bakterien im Urin, es gibt aber keine Beschwerden, muss und sollte nicht behandelt werden.

Fosfomycin – einmal trinken und gut

Mit am einfachsten ist der Einsatz von Fosfomycin. Das Antibiotikum wird als Granulat in der Apotheke gekauft, dann in Wasser aufgelöst und nur einmal getrunken. Etwa 99 Prozent aller krankmachender Bakterienarten (meistens Escherichia coli aus dem eigenen Darm) werden durch Fosfomycin zerstört.

Ich sage meinen Patienten immer: Fragen Sie nach, wenn sich – bei einfachen Blasenentzündung ein ‚X‘ im Antibiotikanamen findet – dann oft besser ‚ausiXen‘. Grund: Das sind meist ältere Antibiotika, die zu häufig nicht mehr verlässlich wirken oder – bei dieser Anwendung – zu viele Nebenwirkungen haben … dazu gehören Cefpodoxim, Ciprofloxacin, Cotrimoxacol oder auch Ofloxacin ... einzige X-Ausnahme (laut Leitlinie). Das Nitroxolin.

Selbst die Leitlinien erwähnen heute Natürliches, um wiederkehrende Blasenentzündungen zu vermeiden und – mit oder ohne Antibiotikum – schneller zur Abheilung zu bringen. Dazu zählen Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse (in Angocin), Bärentraubenblätter bzw. Goldrute (in Cystinol), der Zucker Mannose (in Femannose) oder – vielversprechend mit neuen Studien – Tausendgüldenkraut, Liebstöckel und Rosmarin (in Canephron).       

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