Forscher züchten Kreuzung aus Schaf und Mensch

Verena Elson
Dolly
Das Schaf Dolly war das erste geklonte Säugetier. 1996 war Dollys "Herstellung" eine Sensation - jetzt sind Forscher noch einen Schritt weitergegangen © jeremy sutton-hibbert/Alamy Stock

Mehr als 99 Prozent Schaf - aber auch ein kleines bisschen Mensch: US-Forscher haben Schaf-Embryos gezüchtet, die menschliche Zellen enthalten. Das Ziel: Künftig mehr Möglichkeiten zu haben, dem Mangel an Spenderorganen entgegenzuwirken.

Ein Schaf, in dem eine (zum Teil) menschliche Bauchspeicheldrüse wächst - das klingt nach Science Fiction. Doch der Hintergrund ist ein sehr reales Problem, das viele Menschenleben kostet: der Mangel an Spenderorganen. Allein in Deutschland sterben täglich im Schnitt drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan bekommen haben.

"Auch heute halten selbst die am besten passenden Organe - außer sie kommen von eineiigen Zwillingen - nicht sehr lange, denn mit der Zeit attackiert das Immunsystem sie kontinuierlich", sagt Reproduktionsbiologe Pablo Ross von der University of California in Davis.

Er ist Mitglied des Teams, dem gerade eine Weltprämiere gelungen ist: Schaf-Embryos zu züchten, die zu einem kleinen Teil aus menschlichen Zellen bestehen. Langfristiges Ziel des Forschungsprojektes ist es, Ersatz-Organe für Menschen in Tieren zu züchten. Die Ergebnisse der Studie wurden am Wochenende auf der jährlichen Konferenz der American Association for the Advancement of Science in Austin (Texas) vorgestellt.

 

Tiere mit menschlichen Zellen

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler Tiere mit menschlichem "Anteil" züchten. Einige Forscher des kalifornischen Teams wagten den Versuch vor rund einem Jahr mit Schweine-Embryos. Das Ergebnis waren Vorstufen von Organen wie Herz und Leber, von denen ein winziger Teil aus menschlichen Zellen bestand.

"Wir haben gezeigt, dass eine präzise gesteuerte Technologie es einem Organismus einer Spezies ermöglicht, ein spezifisches Organ aus den Zellen einer anderen Spezies zu produzieren", sagte Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute in Kalifornien in einer Mitteilung.

 

Kommen unsere Spenderorgane bald aus Schweinen und Schafen?

Jetzt ist das Experiment in Schaf-Embryos gelungen - doch bis die im Labor gezüchteten "Organfabriken" tatsächlich zum Einsatz kommen können, ist es noch ein langer Weg: Die menschlichen Anteile in den gezüchteten Schaf-Embryos sind sehr gering, nur rund eine von 10.000 Zellen sind menschlich. Um wirklich im menschlichen Körper funktionierende Organe zu züchten, müssten die Embryos mindestens zu einem Prozent menschlich sein, so die Einschätzung der Forscher. Nach vier Wochen wurden sowohl Schweine- als auch Schaf-Embryos zerstört.

Dazu kommen ethische Einwände - ist es vertretbar, teilweise menschliche Kreaturen "herzustellen", um sie als Produktionsstätten für Organe zu verwenden? Auch die Forscher selbst teilen diese Bedenken: "Alle diese Ansätze sind strittig, und keiner ist perfekt", so Ross. Aber, so der Studienleiter weiter: "Wir müssen alle möglichen Alternativen erforschen, um betroffene Menschen mit Organen zu versorgen."

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