Forscher erschaffen künstliches Gehirn

Laborarbeiterinnen mit einem künstlichen Gehirn
US-amerikanischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, ein menschliches Gehirn im Labor herzustellen © Fotolia

Ein Meilenstein der Medizin: Erstmals haben Forscher ein künstliches Gehirn im Labor erschaffen. Praxisvita erklärt, wie das möglich ist und welchen Nutzen sich die Wissenschaft davon verspricht.

Das erste nahezu komplette menschliche Gehirn aus dem Labor – dieser Durchbruch ist Forschern der Ohio State University jetzt gelungen. Zur Herstellung des künstlichen Organs verwendeten sie Hautzellen von erwachsenen Menschen, die sie in sogenannte pluripotente Stammzellen umwandelten. Diese Zellen haben die Fähigkeit, sich zu jedem Zelltyp eines Organismus zu entwickeln.

Das Ergebnis der Laborarbeiten: Ein Gehirn von der Größe eines Geldstücks, mit dem Entwicklungsstand eines fünf Wochen alten Embryos. Es enthält 99 Prozent der Gene eines menschlichen Gehirns – trotz zahlreicher Versuche ist eine so komplette Nachbildung Medizinern zuvor nicht gelungen. Die Methode, aus menschlichen Hautzellen Stammzellen zu bilden, wird auch in anderen Bereichen erforscht. „Das Gehirn war bisher der Heilige Gral, weil es im Vergleich zu anderen Organen extrem komplex ist“, erklärt Rene Anand, Professor der biologischen Chemie und Pharmakologie an der Ohio State University.

 

Kann das künstliche Gehirn denken?

Das Gehirn aus dem Labor hat kein Bewusstsein. Dafür bräuchte es spezielle Sensoren, die ihm ermöglichen, Reize wahrzunehmen – damit ist das Modell nicht ausgestattet. „Dieses Gehirn kann nicht denken“, versichert Rene Anand.

Der Forschungserfolg könnte das Verständnis neurologischer Erkrankungen deutlich voranbringen, glauben die Studienleiter. Rene Anand: „Wir kämpfen seit langer Zeit darum, komplexe Erkrankungen des Gehirns zu heilen, die furchtbare Schmerzen und Leid verursachen. Dieses Gehirnmodell kann der Medizin große Vorteile bringen, denn es eröffnet uns mehr und relevantere Möglichkeiten, um Therapien zu entwickeln.“ Beispielsweise die Forschung in der Alzheimer- und Parkinsontherapie soll das künstliche Gehirn voranbringen. Ein weiterer Vorteil: Bei Medikamententests sind Wissenschaftler weniger stark auf Versuche mit Tieren angewiesen.

Hamburg, 20. August 2015

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