Forscher entwickeln Bluttest auf Schmerzen

Verena Elson

US-Forschern ist ein Durchbruch in der Schmerzdiagnostik gelungen: Ein Bluttest, der die Intensität von Schmerzen objektiv anzeigt.

Einem Baby wird Blut abgenommen
Bei Babys ist es für Mediziner bisher schwierig, die Intensität der Schmerzen richtig einzuschätzen Foto:  Atiwat Studio/iStock

Für die richtige Dosierung von Schmerzmitteln ist es wichtig zu wissen, wie stark die Schmerzen des Patienten sind. Bisher sind Ärzte dabei auf die Angaben der Betroffenen angewiesen – diese können ihre Schmerzen beispielsweise auf einer Skala von 0 bis 10 einstufen. Doch diese Strategie funktioniert nicht immer – etwa bei Babys, Kleinkindern und Demenzkranken kann es darum schwierig sein, das Schmerzlevel des Patienten richtig einzuschätzen.

„Als wir mit unserer Arbeit begannen, schien es wie eine weithergeholte Idee“, sagt Studienleiter Prof. Alexander Niculescu von der Indiana University. „Die Idee war, einen Weg zu finden, Menschen mit Schmerzen besser zu behandeln und Medikamente passender zu dosieren.“

 

Biomarker zeigen Schmerzintensität an

Gemeinsam mit seinem Team begleitete er Patienten am Richard L. Roudebush VA Medical Center in Indianapolis, mit dem Ziel, Biomarker zu identifizieren, die die Intensität von Schmerzen anzeigen. Unter Biomarkern versteht man biologische Indikatoren wie beispielsweise bestimmte Enzyme oder Hormone, die auf einen krankhaften Prozess im Körper hinweisen. 

Die Forscher baten die Probanden in wiederholten Sitzungen, ihre Schmerzen auf Skalen einzustufen und nahmen zusätzlich Blutproben der Teilnehmer, die sie im Labor analysierten.

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Passende Medikamente für individuelles „Schmerzprofil“

Bei den Analysen konnten Niculescu und sein Team verschiedene Moleküle ausmachen, die Hinweise auf die Schmerzintensität geben. Die Forscher gingen noch einen Schritt weiter: Sie nutzten die Ergebnisse der Blutanalysen, um einen geeigneten Schmerzsenker für den Patienten zu finden. Der Trick dabei: Der Biomarker ist eine Kombination verschiedener Moleküle, der wie ein Fingerabdruck fungiert. Diesen verglichen die Forscher mit Komponenten in einer Wirkstoffdatenbank um herauszufinden, welches Präparat zu welchem „Schmerzprofil“ am besten passt.

„Wir sahen, dass einige Wirkstoffe, die seit Jahrzehnten zur Behandlung anderer Leiden verwendet werden, am besten zu den Biomarkern passen. Wir konnten Biomarker existierenden Medikamenten oder natürlichen Wirkstoffen zuweisen, die den Einsatz von Opioiden reduzieren oder ganz überflüssig machen könnten“, so Niculescu.

Einige Biomarker eignen sich laut den Studienautoren besser zur Schmerzdiagnostik bei Frauen, andere zu der bei Männern. In weiteren Studien wollen sie herausfinden, ob es auch für verschiedene Schmerzarten unterschiedliche Biomarker gibt – etwa für Kopfschmerzen, Nervenschmerzen und Gelenkschmerzen.

Quelle:
Niculescu, A.B. et al. (2019): Towards precision medicine for pain: diagnostic biomarkers and repurposed drugs, in: Molecular Psychiatry.

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