Forscher entdecken Super-Antibiotikum

Ein Forscher nimmt Proben auf einer Wiese
Auf einem Feld im US-Bundesstaat Maine fand ein internationales Forscherteam ein vielversprechendes neues Antibiotikum © Shutterstock

Seit Jahren suchen Mediziner nach neuen Mitteln gegen antibiotikaresistente Keime. Im US-Bundesstaat Maine ist ein internationales Forscherteam jetzt im Erdboden fündig geworden.

Die Antibiotikaresistenzen vieler Keime stellen ein weltweites Problem dar. Immer mehr gefährliche Bakterien finden einen Weg, den Wirkungsmechanismus herkömmlicher Antibiotika zu umgehen. Laut Angaben des Europäischen Parlaments sterben deshalb jährlich 25.000 Menschen allein in der EU.

Experten warnen, dass die Medizin dadurch bald auf den Stand des 19. Jahrhunderts zurückversetzt werden könnte. Einige beschreiben apokalyptische Szenarien, in denen etwa Routineeingriffe wie Hüftoperationen lebensgefährlich werden, weil damit einhergehende Infektionen nicht mehr in den Griff zu bekommen sind.

 

Neues Mittel auf altem Weg gefunden

Auf der Suche nach einem neuen Antibiotikum, das diese Probleme lösen könnte, wurde ein internationales Forscherteam der Northeastern University in Boston auf einem Feld im US-Bundesstaat Maine fündig.

Die meisten Antibiotika, die in der Medizin zum Einsatz kommen, stammen aus der Natur. Viele Bakterien und Pilze produzieren Antibiotika zum Selbstschutz und um Futterkonkurrenten zu töten. Doch Schwierigkeiten dabei, die natürlichen Antibiotikaproduzenten im Labor nachzuzüchten, brachten viele Wissenschaftler dazu, sich auf der Suche nach neuen Mitteln von der Natur abzuwenden und stattdessen auf moderne Techniken zu setzen.

Nicht so das Forscherteam aus Boston – die Wissenschaftler entwickelten ein Gerät, dass es ihnen ermöglicht, die Mikroorganismen in ihrer natürlichen Umgebung zu studieren, in diesem Fall im Erdboden.

Auf diesem Weg fanden sie 25 Mikroorganismen, die antibakterielle Substanzen absonderten – und so als Kandidaten für die Antibiotikaproduktion in Frage kamen. Eines davon, das sogenannte Teixobactin, war besonders vielversprechend. In einer Testreihe mit Mäusen vernichtete es eine große Bandbreite an Bakterien, darunter der weit verbreitete Erreger Staphylococcus aureus – viele Stämme dieses Bakteriums sind resistent gegen herkömmliche Antibiotika. Besonders wirksam zeigte sich das neue Antibiotikum außerdem gegen Clostridium difficile, einen der häufigsten Krankenhauskeime.

 

Keine Resistenzen gegen Teixobactin

Auch Tuberkulosekeime hatten in den Tests keine Chance gegen Teixobactin. Das bedeutet, dass die Lungenerkrankung vielleicht bald mit einem einzelnen Medikament geheilt werden kann anstatt mit einem Cocktail aus Pillen, wie es heute der Fall ist.

In den Tests zeigte Teixobactin keine Nebenwirkungen. Da die meisten Bakterien noch nicht mit der Substanz in Berührung gekommen sind, wird es nach Meinung der Forscher noch mindestens 30 Jahre dauern, bis sich Resistenzen dagegen gebildet haben.

Als nächstes wollen die Wissenschaftler das Medikament an Menschen testen. Außerdem werden sie weiter in der Natur nach neuen Antibiotika forschen.

Hamburg, 8. Januar 2015

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