Forscher entdecken Keim-Code: „Mehr Bakterien auf Handys als auf Toilettenbrillen“

Bakterien-Code auf Handys
Forscher zeigen in einer aktuellen Studie, dass jeder Handynutzer einen mikrobakteriellen Fingerabdruck auf seinem Handy hinterlässt. Der ist so genau, dass damit eine eindeutige Identifikation möglich ist © Fotolia

An der Geräteoberfläche der meisten Mobiltelefone finden sich krankmachende Erreger, die den mikrobakteriellen Code ihrer Besitzer widerspiegeln. Das zeigen US-amerikanische Forscher in einer nun veröffentlichten Studie. Die Forscher warnen davor, das Handy als gefährliche „Keim-Schleuder“ zu unterschätzen.

Das Handy ist des Deutschen wichtigstes Accessoire – eine Umfrage zeigte, dass fast 80 Prozent der deutschen Handynutzer ihr Handy als unverzichtbar betrachten. Tatsächlich greifen Deutsche durchschnittlich mehr als sechsmal pro Stunde zu ihrem Mobiltelefon.

Da wundert nicht, dass sich auf den Handys unzählige Bakterien und Erreger widerfinden – die meisten davon gelangen von unseren Händen an die Geräte. Forscher der University of Oregon stellten nun fest, dass vor allem Smartphones das sogenannte Mikrobiom – also das mikrobakterielle Muster – ihrer Besitzer sehr genau widerspiegeln. Rund 22 Prozent, der auf dem Handy nachgewiesenen Keime, stimmen exakt mit denen der jeweiligen Nutzer überein.

Was nach wenig klingt, ist tatsächlich sehr viel. Bakterielle Muster sind sehr variabel. Selbst zwischen zwei Fingern der selben Hand liegt die mikrobakterielle Übereinstimmung nur bei etwas über 30 Prozent. Deutlicher wird das Ergebnis, wenn die Untersuchung auf konkrete Indikator-Bakterien beschränkt bleibt. Bei dieser bakteriellen Auswahl – besonders eindeutig zu identifizierenden Erregern – lagen die Keime eines Handys mit denen des jeweiligen Besitzers zu 82 Prozent in Einklang.

 

Identifikation durch mikrobakterielles Muster?

Nach Aussagen der Forscher ist mithilfe dieses mikrobakteriellen Fingerabdrucks auf dem Handy eine genaue Identifikation des Besitzers möglich – was zum Beispiel im Bereich der Kriminalistik genutzt werden könnte.

Die Handys von Frauen gleichen hinsichtlich der bakteriellen Struktur auf der Gerätoberfläche eher ihren Besitzerinnen als die von Männern. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Männer ihre Handys häufiger anderen Menschen in die Hand geben als Frauen – sodass eine größere Bakterienvielfalt entsteht. Abschließend konnten die Forscher dieses Phänomen aber noch nicht erklären.

 

Hygienebewusstsein für das Handy

,,Auf Smartphones finden sich mehr pathogene Keime als auf Toilettenbrillen." Mit dieser Aussage schockten indische Forscher in einer kürzlich veröffentlichten Studie Mediziner und Handynutzer gleichermaßen. Die Wissenschaftler hatten 300 Handys mit samt der Besitzer auf Erreger getestet.

Die Indische Studie zeigt, dass an jedem zweitem Handy MRSA Erreger zu finden waren. Außerdem andere Staphylokokken – sogenannte Eitererreger –, verschiedene Darm- und Fäkalbakterien sowie die gefährlichen Acinetobacter, die Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Meningitis auslösen und zumeist gegen Penizillin und Antibiotika resistent sind. Handynutzer sollten ihre Geräte deswegen – ebenso selbstverständlich wie die Hände – reinigen oder desinfizieren. In Anbetracht dieser hohen Keimdichte wird es Zeit ein Hygienebewusstsein für das eigene Mobiltelefon zu entwickeln.

Hamburg, 25. Juni 2014

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.