Forscher beweisen: Männer leiden mehr bei Erkältung

Verena Elson
Ein kranker Mann leidet
Männer haben ein schwächeres Immunsystem als Frauen, zeigt eine aktuelle US-Studie. Leiden sie deshalb so heftig unter Erkältungen? © Alamy

Es ist amtlich: Das männliche Immunsystem wird mit Viren und Bakterien schlechter fertig als das weibliche. Kein Wunder also, dass schon eine kleine Erkältung selbst den stärksten Mann zum Häufchen Elend verkommen lassen kann.

Dramatisches Husten, herzzerreißendes Stöhnen und Sprechen mit gebrochener Stimme: Wenn erkältete Männer sich mit letzter Kraft durch den Tag schleppen, sollten genervte Frauen mehr Verständnis aufbringen – denn laut einer aktuellen Studie haben Männer in der Erkältungszeit tatsächlich eine größere Last zu tragen. Die Wissenschaftler der University of Pennsylvania fanden heraus, dass Frauen ein stärkeres Immunsystem haben als Männer. Der weibliche Körper kann sich also gegen  Viren und Bakterien besser verteidigen als der männliche.

 

Warum ist das weibliche Immunsystem stärker?

Jeder Mensch hat 23 Chromosomenpaare, die sich in jeder einzelnen Körperzelle wiederfinden. Chromosomen sind DNA-Bündel, die rund 2.000 Gene umfassen. Zusammengenommen enthalten die 46 Chromosomen alle Informationen über den spezifischen Organismus, zu dem sie gehören. Ein Chromosomenpaar besteht bei Männern aus einem X-Chromosom und einem Y-Chromosom, bei Frauen aus zwei X-Chromosomen.

Diese Doppelung der X-Chromosomen ist laut der US-Forscher der Schlüssel zu der Überlegenheit des weiblichen Immunsystems. Denn das X-Chromosom enthält mehr für die Immunabwehr zuständige Gene als das Y-Chromosom. Die Konsequenz: Die B-Zellen und T-Zellen, wichtige Bestandteile des Immunsystems, werden bei Frauen stärker aktiviert.

 

Der Nachteil eines starken Immunsystems

Die stärkere Immunabwehr hat jedoch nicht nur Vorteile: Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift, kommen bei Frauen deutlich häufiger vor. Ein Beispiel ist der sogenannte Systemische Lupus erythematodes, auch Schmetterlingsflechte genannt. Bei dieser Erkrankung sind die Blutgefäße verschiedener Organe chronisch entzündet und es kommt zur Schädigung der entsprechenden Organe. Frauen sind um 85 Prozent häufiger von Lupus betroffen als Männer. Weitere Beispiele sind Rheuma und Multiple Sklerose, die bei Frauen ebenfalls häufiger vorkommen.

Laut Angaben der Forscher ist ihre aktuelle Arbeit „der erste (...) Beweis für die verstärkte Immunabwehr bei Frauen und ihre höhere Anfälligkeit für Autoimmunkrankheiten.“

Hamburg, 22. März 2016

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