Foodwatch-Warnung: Kinderlebensmittel zu ungesund

Ein Mädchen mit Smarties
Lebensmittelhersteller bewerben hauptsächlich ungesunde Lebensmittel für Kinder, kritisiert Foodwatch © Imago

2007 haben zahlreiche Lebensmittelhersteller eine Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben. Das Ziel: Werbung soll sich nicht mit ungesunden Lebensmitteln gezielt an Kinder richten. Was ist aus der Selbstverpflichtung geworden? Das hat Foodwatch jetzt untersucht.

Im Rahmen der Initiative „EU Pledge“ der Europäischen Union hatten 2007 zahlreiche Lebensmittelhersteller zugesichert, Regeln für an Kinder gerichtetes Marketing einzuhalten. So sollten beispielsweise nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren beworben werden.

 

Was ist aus der Selbstverpflichtung geworden?

In einer aktuellen Studie überprüfte Foodwatch, inwieweit die Unternehmen sich seitdem an diese Selbstverpflichtungserklärung gehalten haben. Dazu wurde das Marketing der Unterzeichnerfirmen – darunter Coca-Cola, Danone, Ferrero, Kellogg’s und Nestlé – untersucht. Die Foodwatch-Experten glichen die Nährstoffzusammensetzung aller Produkte, die sich in Marketing oder Werbung direkt an Kinder richteten, mit den Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an ausgewogene Lebensmittel für Kinder ab.

Das Ergebnis sah laut Foodwatch düster aus: Von insgesamt 281 getesteten Produkten erfüllten demnach nur 29 die WHO-Kriterien – 90 Prozent (252 Lebensmittel) fielen durch. In einer Foodwatch-Meldung heißt es: „Mit der wohlklingenden Selbstverpflichtung inszeniert sich die Lebensmittelbranche zwar als Vorreiter im Kampf gegen Übergewicht und Fehlernährung – vermarktet aber gleichzeitig tonnenweise Süßigkeiten und Junkfood gezielt an Kinder.“

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL) reagierte mit einer eigenen Meldung auf die Foodwatch-Kritik. Darin heißt es, die Studie sei „unseriös und effektheischend“. Der Verband weist außerdem auf die vielfältigen Ursachen von Übergewicht wie genetische Vorbelastung und Bewegungsmangel hin und fordert andere Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewichtsproblemen. „Wir brauchen Bildung, Bewegung und Balance, gerade für Kinder. Daran arbeiten wir intensiv mit“, so BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff.

 

Sind Süßigkeiten nun schädlich oder nicht?

Zwar gibt es weitere Faktoren, die Gewichtszunahme begünstigen – doch Übergewicht und Fettleibigkeit sind nicht die einzigen möglichen Konsequenzen, wenn Kinder zu viel Süßes und Fettreiches essen. Untersuchungen des Kinderarztes Dr. Lendon Smith zeigen beispielsweise, dass Schüler, die während der Pausen Süßigkeiten essen, im Anschluss deutlich stärkere Lernschwierigkeiten haben.

Auch in den Organen selbst richten Süßigkeiten Schaden an: Zucker besitzt eine starke Alkalinität (Säurebindungsvermögen), die der Magen kompensiert, indem er kurzfristig starke Säuren produziert. Diese Säuren aber können erst durch Calcium wieder gebunden werden. Weil das schnell geschehen muss, wird der Mineralstoff im Eiltempo aus Knochen und Zähnen gelöst – und von dort abkommandiert, wo er eigentlich für das gesunde Wachstum am dringendsten benötigt wird. Auch die Leber leidet unter ständigen Naschereien: Um den Anforderungen gewachsen zu bleiben, vergrößert sie sich. Allerdings auf Kosten ihrer eigentlichen Funktion – für die Eliminierung von Schadstoffen aus dem Blut hat sie immer weniger Kapazitäten.

 

Wie viel Zucker dürfen Kinder essen?

Müssen wir also die Süßigkeiten verbannen? Natürlich nicht! Rund zehn Prozent der täglichen Energiemenge dürfen aus Süßem bestehen. Bei Kleinkindern zwischen vier und sechs Jahren sind das etwa 150 Kalorien am Tag; Sieben- bis Zehnjährige dürfen 180 Kalorien naschen, und die Älteren sogar 220. Hier erfahren Sie, in welchen Lebensmitteln diese Kalorienmenge in etwa stecken. Entscheidend ist aber auch das „wie“: Etliche Pädagogen sind der Ansicht, dass Kinder ihren Konsum drosseln, wenn ihnen eine festgelegte Wochenration Süßes frei zur Verfügung steht. Ein anderer Trick: einen Naschtag pro Woche festlegen, an dem die Kinder bestimmen, was auf den Tisch (und auf die Naschteller) kommt. Außerdem gilt: Kinder sollten möglichst alle zwei Stunden etwas essen, um einer Unterzuckerung vorzubeugen – im besten Fall natürlich ein Stück Obst oder einen Naturjoghurt.

 

So essen Kinder gerne gesund

Wie schaffen es Eltern, trotz Werbung im Fernsehen und bunten Verpackungen im Supermarkt ihre Kinder von gesundem Essen zu begeistern? Dabei helfen einige Tricks:

  • Gemeinsam kochen: Wenn Kinder mitkochen dürfen, schmeckt es ihnen danach besser – auch wenn es gesund ist.
  • Vorbild sein: Wer selbst gerne Gesundes isst und Mahlzeiten mit viel Zeit und Genuss vorbereitet, lebt seinen Kindern vor, dass Gesundes lecker sein kann und ermutigt sie so zum Probieren.
  • Essen kindgerecht zubereiten: Pürierte Soßen, farbiges Essen (beispielsweise mit Roter Bete oder gehackter Petersilie gefärbt) und mundgerechte Happen sprechen Kinder besonders an.

Weitere Tipps für eine kindgerechte gesunde Ernährung finden Sie hier. Wenn Ihr Kind dennoch einmal über die Strenge geschlagen und zu viel Süßes gegessen hat, finden Sie hier Hilfe.

Hamburg, 24. August 2015

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