Fontanelle beim Baby: Was heißt es, wenn sie eingedrückt ist?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Fontanellen beim Baby kann man nach der Geburt fühlen, wenn der Schädel noch nicht komplett verknöchert ist. Es gibt einzelne Knochenplatten mit Kreuzungsstellen – Fontanellen genannt. Sie sind empfindlicher als der Schädelknochen. Eingefallene oder gewölbte Fontanellen geben Hinweise auf Krankheiten.

Baby liegt in Händen
Die Fontanellen beim Baby kann man noch einige Zeit nach der Geburt fühlen, da der Schädel noch nicht komplett verknöchert ist Foto:  iStock/Lloret
Inhalt
  1. Welche Fontanellen beim Baby gibt es?
  2. Welche Aufgaben übernehmen die Fontanellen beim Baby?
  3. Wie sollten Eltern die Fontanellen beim Baby schützen?
  4. Auf welche Warnsignale sollten Eltern bei der Fontanelle des Babys achten?
  5. Wann wächst die letzte Fontanelle beim Baby zu?

Mit Fontanelle ist eine Struktur am Kopf des Babys gemeint. Anders als bei Erwachsenen ist der Schädel beim Säugling nicht geschlossen, sondern besteht aus mehreren Schädelplatten. Die Lücke dazwischen heißt beim Baby Fontanelle. Tatsächlich sind es mehrere Fontanellen. Umgangssprachlich wird aber meist nur der Singular verwendet.

Die Fontanellen bestehen aus festem Bindegewebe und verknöchern erst später. Deshalb sind sie auch etwas empfindlicher als der Schädelknochen. Eltern können den Kopf ihres Babys aber trotzdem vorsichtig berühren.

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Welche Fontanellen beim Baby gibt es?

Zwischen den Knochenplatten befinden sich sechs Fontanellen:

  • eine große Fontanelle im zentralen Bereich des Schädels am Vorderkopf,
  • eine kleine Fontanelle im Bereich des Hinterkopfes,
  • zwei hintere Seitenfontanellen seitlich links und rechts,
  • zwei vordere Seitenfontanellen seitlich links und rechts.
 

Welche Aufgaben übernehmen die Fontanellen beim Baby?

Fontanellen haben zwei wichtige Funktionen. Sie ermöglichen es, den Kopf des Babys beim Geburtsvorgang ein wenig zu stauchen. Der Umfang verringert sich um bis zu zwei Zentimeter. Dadurch passt der Schädel leichter durch den Geburtskanal.

Außerdem wächst das Gehirn des Babys in den ersten Lebensmonaten rasch. Der Schädel kann sich durch diese flexiblen Strukturen besser anpassen.

 

Wie sollten Eltern die Fontanellen beim Baby schützen?

Jede Fontanelle ist – verglichen mit dem Schädelknochen – für Wärme und Kälte leichter durchlässig. Bei Babys funktioniert die Temperaturregulation noch nicht richtig. Sie sollten deshalb, je nach Witterung draußen, immer eine leichte oder eine stärker wärmende Mütze tragen.

 

Auf welche Warnsignale sollten Eltern bei der Fontanelle des Babys achten?

Eltern fühlen bei der Babypflege vielleicht, dass die Fontanelle pulsiert. Man spürt den Puls des Kindes aufgrund von Blutgefäßen. Das ist normal. Sitzt das Kind aufrecht, ist die große Fontanelle leicht eingefallen oder flach. Im Liegen erscheint sie etwas gewölbt. Auch das ist bei gesunden Babys immer so.

Ist die Fontanelle des Babys aber beim Sitzen stark gewölbt oder straff gespannt, kann das auf eine Entzündung hindeuten. Auch ein Bluterguss im Gehirn ist denkbar. Beobachten Eltern das Gegenteil, die Fontanelle wirkt etwas eingedrückt, ist das ein möglicher Hinweis auf Flüssigkeitsmangel. Das ist zum Beispiel bei Magen-Darm-Infekten mit Durchfall möglich. Eltern sollten mit ihrem Säugling möglichst schnell ihren Kinderarzt aufsuchen.

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Wann wächst die letzte Fontanelle beim Baby zu?

Die Fontanellen beim Baby schließen sich zu verschiedenen Zeitpunkten. Das ist bei der kleinen Fontanelle nach rund zwei Monaten der Fall. Der Verschluss der Seitenfontanellen braucht etwa ein Jahr. Und die große Fontanelle wächst erst nach zwei Jahren zu. An den Verbindungsstellen entstehen dann Knochennähte.

Kinderärzte sehen sich dies bei Vorsorgeuntersuchungen, auch U-Untersuchungen genannt, an. Besonders bei der U4 überprüfen sie, ob die große Fontanelle beim Baby noch ausreichend geöffnet ist.

Quellen:

Illing, Stephan; Claßen, Martin (2017): Klinikleitfaden Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.

Speer, Christian P.; Gahr, Manfred; Dötsch, Jörg (2018): Pädiatrie, Berlin: Springer-Verlag.

Förg, Theresa (2019): BASICS Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.

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