Folsäure in der Schwangerschaft: Wichtig für die Kindergesundheit

Redaktion PraxisVITA

Für die Entwicklung des Babys empfehlen Frauenärzte die Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft. So lassen sich etwa Fehlbildungen beim Baby vorbeugen. Aber Allein durch die Ernährung ist es schwer möglich, den Tagesbedarf an Folsäure abzudecken. Umso wichtiger sind daher Nahrungsergänzungsmittel.

Inhalt
  1. Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft wichtig?
  2. Wie unterscheiden sich Folsäure und Folat? 
  3. Wie hoch ist der Tagesbedarf an Folsäure für Schwangere?
  4. Folsäure in der Schwangerschaft – wie lange muss man sie einnehmen?
  5. Lebensmitteln mit Folsäure und Folaten
 

Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft wichtig?

Folsäure beeinflusst schon während der Schwangerschaft die Zellteilung und Zellentwicklung des Babys und somit die spätere Kindergesundheit. Auch für das Wachstum, die DNA-Bildung, die Blutbildung und den Eiweißstoffwechsel spielt der Nährstoff eine wichtige Rolle. Da es nicht einfach ist, den nötigen Tagesbedarf über die Nahrung aufzunehmen, werden meist spezielle Präparate empfohlen. Diese helfen dem Baby dabei, das sogenannte Neuralrohr, die erste Anlage des zentralen Nervensystems, zu entwickeln.

Folat ist das einzige bisher bekannte Vitamin, das einen offenen Rücken (Spina bifida) verhindern kann. Dabei handelt es sich um eine Störung der Entwicklung der Wirbelsäule beim Baby während der Schwangerschaft. Bei dieser Erkrankung kommt es nicht zu einer vollständigen Schließung des Neuralrohrs. Außerdem senkt die Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft die Gefahr von Frühgeburten.

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Wie unterscheiden sich Folsäure und Folat? 

Die beiden Begriffe klingen zwar ähnlich, meinen jedoch nicht dasselbe. Bei Folat handelt es sich um ein natürliches, wasserlösliches Vitamin, das auch unter Bezeichnung Vitamin B9 bekannt ist. Folsäuren sind synthetische Verbindungen, also künstlich hergestellte Vitamine, die beispielsweise zur Anreicherung von Nahrung verwendet werden. 

Die beiden Stoffe werden vom Körper unterschiedlich aufgenommen, wobei Folsäure stabiler ist und besser verwertet werden kann. Sie wird vom menschlichen Körper benötigt, um rote Blutkörperchen zu bilden oder bestimmte Hormone wie Noradrenalin und Serotonin zu produzieren. Folsäure ist Bestandteil der Rückenmarksflüssigkeit und beeinflusst die DNA-Zusammensetzung.

 

Wie hoch ist der Tagesbedarf an Folsäure für Schwangere?

Laut den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollten Erwachsene pro Tag etwa 300 µg Folsäure zu sich nehmen. Schwangeren Frauen werden etwa 550 µg Folsäure empfohlen. Frauen mit Kinderwunsch wird geraten, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich 400 µg synthetische Folsäure in Form eines Präparates einzunehmen. Damit sollte begonnen werden, sobald der Kinderwunsch da ist. 

Frauen, die zur Verhütung die Antibabypille nehmen, sollten bei einem späteren Kinderwunsch noch vor Absetzen der Pille mit der Folsäure-Einnahme beginnen oder bereits für die Dauer der Verhütung Folsäure einzunehmen. Denn die Pille hemmt die Verwertung von Folsäure, was zu einem leichten Folsäure-Mangel führt. Dieser normalisiert sich erst bis zu sechs Monate nach Absetzen der oralen Verhütung, falls kein Folsäure-Präparat eingenommen wird.

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Folsäure in der Schwangerschaft – wie lange muss man sie einnehmen?

In der Regel wird die Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft für das erste Drittel, also in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen (SSW) empfohlen. Ab dem zweiten Drittel brauchen schwangere Frauen kein Präparat mehr einzunehmen. Anders sieht es bei Frauen aus, die bereits ein Kind mit offenem Rücken zur Welt gebracht haben. Sie sollten im gleichen Zeitraum bis zu vier Gramm Folsäure einnehmen – jedoch immer nur nach Rücksprache mit dem Arzt. Auch in der Stillzeit besteht noch ein etwas erhöhter Bedarf an Folsäure (450 µg), der sich jedoch mit einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung meist gut decken lässt.

 

Lebensmitteln mit Folsäure und Folaten

Das Vitamin Folat muss über Nahrungsmittel aufgenommen werden, da es nicht vom Körper hergestellt werden kann. Es ist etwa in vielen grünen Blattgemüsen oder Hülsenfrüchten enthalten. Schwangere sollten deshalb jeden Tag eine Portion Kohl, Gemüse oder bittere Blattsalate zu sich zu nehmen, um ihren Tagesbedarf zu decken. 

Lebensmittel, die mit Folsäure angereichert sind oder von Natur aus viele Folate enthalten: 

  • Limabohnen (360 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Kircherbsen (340 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Weizenkeime (270 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Grünkohl (187 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Weiße Bohnen (187 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Rosenkohl (182 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Linsen (168 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Erbsen (151 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Feldsalat (145 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Spinat (134 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Blumenkohl (125 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Brokkoli (111 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Endiviensalat (109 µg Folsäure auf 100 Gramm)
  • Hühnerei (100 µg Folsäure auf 100 Gramm)

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Bei Folat handelt es sich um ein licht- und hitzeempfindliches Vitamin, die entsprechenden Lebensmittel sollten kühl und dunkel lagern. Außerdem ist Folat wasserlöslich, weshalb es am besten ist, die empfohlenen Lebensmittel roh zuzubereiten. Ist das nicht möglich, sollte man das Gemüse nur kurz in einem zugedeckten Topf und mit wenig Wasser dünsten oder dämpfen. So geht kein Folat verloren. Kombiniert mit Folsäure-Präparaten kann so in der Schwangerschaft der Tagesbedarf zuverlässig gedeckt werden.


Quellen:

Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft, in: Bundesamt für Risikobewertung

Folat, in: dge.de (Deutsche Gesellschaft für Ernährung)

Ausgewählte Fragen und Antworten zu Folat, in Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Association Between Use of Oral Contraceptives and Folate Status: A Systemtic Review and Meta-Analysis, in: Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada

Biesalski, Hans-Konrad (2016): Vitamine und Minerale. Indikation, Diagnostik, Therapie, Stuttgart New York: Georg Thieme Verlag

Gröber, Uwe (2011): Mikronährstoffe. Metbolic Tuning – Prävention – Therapie, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

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