Fluorid: Spurenelement für Zähne und Knochen

Michelle Kröger

Giftig oder gesundheitsfördernd? Noch immer herrschen Verwirrung und Unstimmigkeiten beim Thema rund um Fluor bzw. Fluorid. Einige sprechen sich dafür, einige dagegen aus. Außerdem kennen auch viele Menschen den Unterschied nicht: Fluoride unterstützen die Härtung von Zähnen und Knochen – und schützen wirksam vor Karies. Reines Fluor ist ein hochgradig giftiges Gas. Wir erklären Ihnen unter anderem, worin genau der Unterschied besteht, wie Fluoride wirken und in welchen Lebensmitteln Fluorid enthalten ist.

Junge Frau putzt sich die Zähne
Wer sich gesund ernährt, braucht sich die Zähne nicht zusätzlich mit Fluorid zu putzen Foto:  bernardbodo/iStock
Inhalt
  1. Fluor oder Fluorid – worin besteht der Unterschied?
  2. Wie wirkt Fluorid?
  3. Heiß umstritten: Fluoridbehandlungen
  4. In welchen Lebensmitteln ist Fluorid enthalten?
  5. Wie hoch sollte die Tagesdosis ausfallen?
  6. Was passiert bei einer Überdosis Fluorid?
 

Fluor oder Fluorid – worin besteht der Unterschied?

Es herrschen starke Unsicherheiten, wenn es um Fluor bzw. Fluoride geht. Sind fluoridhaltige Zahnprodukte tatsächlich gesundheitsschädlich? Was viele nicht wissen: Es gibt einen großen Unterschied zwischen Fluor und Fluoridverbindungen.

Bei Fluor handelt es sich um ein stark ätzendes Gas, das hochgradig giftig für den Menschen ist. Bereits in geringsten Mengen kann es extrem toxisch wirken. In Zahncreme und fluoridiertem Salz steckt jedoch kein Fluor, sondern Fluorid. Fluoride hingegen sind nicht giftig – und richtig dosiert und in Maßen aufgenommen auch nicht gesundheitsschädlich. Das belegt die Bundesärztekammer in über 300.000 Studien. Bei Fluoridverbindungen handelt es sich vielmehr um Verbindungen aus Ammonium und Calcium.

 

Wie wirkt Fluorid?

Der menschliche Körper enthält zwischen 2 und 5 Gramm Fluorid – es steckt vor allem in unseren Knochen und den Zähnen. Doch es gilt bisher nicht offiziell als essenzielles bzw. lebensnotwendiges Spurenelement. Schaut man sich jedoch die Funktionen an, die Fluorid in unserem Körper übernimmt, so spricht doch einiges dafür. Geringere Mengen Fluorid stecken in Haut, Haaren und Nägeln.

Eingebaut in Apatit verstärkt Fluorid die Knochen- und Zahnstrukturen. Es fördert die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes und schützt ihn vor Säuren, die in unserem Mund von Kariesbakterien gebildet werden können. Herrscht im Speichel also ein erhöhter Fluoridgehalt, so fördert dieser die Remineralisation von kleineren Kariesschäden im Zahnschmelz. Dieser kann auch die Bildung von Säure in den Zahnbelägen unterdrücken.

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Heiß umstritten: Fluoridbehandlungen

Die Meinungen bezüglich der richtigen Dosis von Fluorid gehen weit auseinander. Einige raten vollständig von der zusätzlichen (langfristigen) Aufnahme von Fluorid ab, andere äußern keinerlei Bedenken und sprechen von einer Notwendigkeit für die Gesundheit. 

Fakt ist jedoch, dass Fluorid wichtig für den Körper ist. In Maßen. Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Aufnahme durch etwa Zahnpasta oder Tabletten ist und bleibt umstritten. Wer sich gesund ernährt, braucht in der Regel kein zusätzliches Fluorid zu sich nehmen. Wer jedoch wenig Zahnschmelz oder freiliegende Zahnhälse hat, kann davon profitieren.

Die meisten Zahnärzte raten zu einer lokalen Anwendung mit Ammoniumfluorid (durch Zahnpasta und während der Prophylaxe). Eine Überdosierung ist hier quasi unmöglich, solange man nicht täglich mehrere Tuben der Zahnpasta konsumiert. Durch die lokale Anwendung bestehe kein Gesundheitsrisiko.

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In welchen Lebensmitteln ist Fluorid enthalten?

Kann man das Spurenelement auch durch die Ernährung zuführen? Ja, auch in einigen Lebensmitteln ist Fluorid enthalten. In diesen Nahrungsmitteln steckt besonders viel Fluorid:

  • Lachs
  • Sardinen
  • Schwertfisch
  • Hering
  • Meeräsche
  • Garnelen
  • Bachsaibling
  • Scholle
  • Huhn
  • Schweineleber
  • Pfifferlinge
  • Steinpilze
  • Morcheln
  • Butterpilze
  • Walnüsse
  • Meersalz
  • Schwarzer Tee
  • Fluorreiches Mineralwasser
 

Wie hoch sollte die Tagesdosis ausfallen?

Um eine optimale Zahngesundheit zu erreichen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), eine Prophylaxe ab dem ersten Lebensjahr. Unbedingt beachten und erfragen (beim Wasserwerk): Fluoridgehalt des Trinkwassers. Liegt der Fluoridgehalt bei mehr als 0,7 mg pro Liter, wird von einer Supplementierung abgeraten. Ansonsten sollte die Tagesdosis folgende Werte nicht übersteigen.

Je nach Alter entspricht die empfohlene Zuführung in Form von Nahrungsergänzungspräparaten (mg/Tag):

  • Säuglinge

bis 1 Jahr

0,25

  • Kinder

1 bis < 2 Jahre

0,25

 

2 bis < 4 Jahre

0,25

 

4 bis < 7 Jahre

0,5

 

ab 7 Jahren

1,0

  • Jugendliche und Erwachsene

ab 15 Jahren

1,0

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung benötigen … 

erwachsene Männer über 19 Jahren 3,8 mg Fluorid pro Tag und Frauen über 19 Jahren 3,1 mg pro Tag (Schwangere und Stillende eingeschlossen) und Kinder je nach Lebensjahr entsprechend weniger

     

    Was passiert bei einer Überdosis Fluorid?

    Generell gilt: Fluorid sollte keinesfalls überdosiert werden. Als womöglich toxische Dosis werden einmalig fünf Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht angegeben. Eine Überdosierung äußert sich in den meisten Fällen durch eine sogenannte Zahnschmelzfluorose: Dabei wird der Zahnschmelz weich und es entstehen kalkweiße Flecken.

    Wird weiterhin zu viel Fluorid aufgenommen, können sich diese Verfärbungen zu gelb-braunen Flecken entwickeln. Auch Erbrechen, Übelkeit, Durchfall, Krämpfe und Schilddrüsenstörungen können die Folge einer Fluorid-Überdosis sein.

    Wird jahrelang mehr als 10 bis 25 mg Fluorid pro Tag konsumiert, können ernste Schäden bzw. Fehlbildungen am Skelett oder Osteoporose entstehen. Auch kann es zur Verhärtung von Weichteilen kommen. Allerdings ist es kaum möglich, durch die Nahrung regelmäßig so viel Fluorid zu sich zu nehmen. Risiken bestehen demnach nur bzgl. der Einnahme von Fluoridtabletten oder -salzen.

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