Flohsamenschalen – was steckt hinter dem Superfood?

Michelle Kröger

Flohsamenschalen werden aufgrund vieler positiver Eigenschaften von Medizinern im Rahmen von Ernährungstherapien empfohlen.

Eine Schale gefüllt mit Flohsamenschalen
Flohsamenschalen stecken voller Ballaststoffe Foto:  iStock/s847
Inhalt
  1. Was sind Flohsamenschalen?
  2. Indische Flohsamenschalen
  3. Welche Wirkung können Flohsamenschalen haben?
  4. Welche Beschwerden und Krankheiten können durch Flohsamenschalen gelindert werden?
  5. Wie werden Flohsamenschalen zubereitet?
  6. Gibt es Nebenwirkungen?
  7. Wer sollte auf Flohsamenschalen verzichten?
 

Was sind Flohsamenschalen?

Das Naturprodukt Flohsamen findet schon seit langem als Heilmittel Verwendung. Vor rund 1000 Jahren gelangten die ersten Flohsamen aus dem Orient nach Indien. Sie zählen zu der Gruppe der löslichen Ballaststoffe. „Flohsamenschalen sind wie alle Superfoods auch nur normale Lebensmittel. Ein sogenanntes Superfood zeichnet sich in der Regel durch den besonders hohen Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe aus. Bei Flohsamenschalen ist es der Ballaststoffgehalt”, sagt Dr. Malte Rubach, Ernährungswissenschaftler und Buchautor von „Die Ich-Ernährung“.

Bei den Flohsamen stehen die Schalen im Mittelpunkt. Diese gehören wiederum der Gruppe der Wegeriche an. Ihren Namen verdanken die Flohsamen womöglich ihrem Aussehen: Sie sind klein, oval und dunkel gefärbt. Die Schalen sind weißlich bis gelblich – sie erinnern einen eher an Haferflocken. Der Geschmack der Flohsamenschalen ist neutral.

 

Indische Flohsamenschalen

Generell unterscheidet man zwischen den indischen Flohsamen (Plantago ovata) und den Flohsamen der Plantago afra (auch: Plantago psyllium), die überwiegend in Deutschland zu finden sind.

 

Welche Wirkung können Flohsamenschalen haben?

“Letztlich können sie wie alle ballaststoffreichen Lebensmittel die Verdauung fördern, die Darmbakterien ernähren und auch einen senkenden Einfluss auf Blutzucker und Blutfette haben”, so der Experte. Sobald Flohsamenschalen mit Wasser in Kontakt kommen, quellen sie  auf. Die äußere Schicht aus langkettigen Zuckern bzw. Kohlenhydraten bewirkt, dass sie das Wasser an sich binden. Sie gewinnen dadurch an Größe und es kommt zur Absonderung eines Schleimes. Dieser legt sich zum Schutz und wie eine Art Film an die Darmwand und dient dort der Vorbeugung von Irritationen. Außerdem binden die Schalen die überschüssige Flüssigkeit im Darm. Dadurch formen die Flohsamenschalen den Stuhl und festigen ihn. Aus diesem Grund sind sie ein beliebtes Heilmittel bei Durchfall. Durch die Verdickung des Stuhlganges bleibt dieser länger im Darm und der Betroffene muss nicht ständig zur Toilette eilen. Flohsamen sollen außerdem Schadstoffe an sich binden und aus dem Körper schleusen können.

Indische Flohsamenschalen wirken wasserbindend
Naturmedizin Flohsamenschalen helfen bei Stuhlinkontinenz

Auch bei einer Verstopfung finden Flohsamenschalen Verwendung. Denn der Quellprozess erhöht gleichermaßen das Volumen des Stuhlganges, wodurch dem Darm signalisiert wird, dass es Zeit ist, sich zu entleeren. Die Darmbewegungen nehmen wieder zu. Zusätzlich sorgt der Schleim dafür, dass die Essensreste leichter durch den Darm gelangen. Dadurch werden auch eventuell gereizte Stellen geschützt.

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Welche Beschwerden und Krankheiten können durch Flohsamenschalen gelindert werden?

„Flohsamenschalen können beispielsweise Einfluss auf einen trägen Darm nehmen”, sagt Rubach. Am häufigsten kommt das Superfood tatsächlich zur Regulation des Stuhlgangs zum Einsatz, etwa bei chronischer Verstopfung oder Durchfall (Diarrhö). Auch bei einem Reizdarmsyndrom oder anderen Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. Morbus Crohn) können Flohsamenschalen helfen.

„Sie können jedoch auch zum Beispiel hohe Blutzuckerschwankungen oder zu hohe Blutfettwerte beeinflussen”, so der Experte. Laut Studienergebnissen konnte die  Einnahme von Flohsamenschalen bei gleichzeitiger Reduktionsdiät die Blutzucker- und Blutfettwerte positiv beeinflussen. Das Risiko, an Diabetes Mellitus zu erkranken, kann dadurch deutlich gesenkt werden. Ist eine Diabetes-Erkrankung bereits diagnostiziert, sollten Betroffene vor der Einnahme von Flohsamenschalen zunächst mit ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Flohsamenschalen können (in Absprache mit einem Arzt) bei folgenden Krankheiten helfen:

  • Reizdarm
  • Verstopfung (chronisch; auch in der Schwangerschaft)
  • Morbus Crohn
  • Träge Darmbewegungen
  • Erhöhte Blutfettwerte
  • Diabetes Mellitus Typ II
 

Wie werden Flohsamenschalen zubereitet?

Die Zubereitung und Verwendung von Flohsamenschalen ist denkbar einfach: „Normalerweise streut man sie einfach in Müslis, Smoothies und Joghurts”, erklärt Rubach. Auch für Backmischungen seien sie geeignet. „Ich finde sie passend in Low Carb-Broten, streue sie aber auch mal gerne in den Joghurt, gemeinsam mit Obst und Nüssen”, sagt der Ernährungswissenschaftler. Wichtig: viel trinken. Über den Tag verteilt sollte man rund 2 Liter Wasser trinken. Warum? Die Flohsamenschalen binden Flüssigkeit im Darm. Wird zu wenig Flüssigkeit aufgenommen, erzielen Sie einen gegenteiligen Effekt: Anstatt zu Stuhlgangerleichterung kommt es zu Verstopfung.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt bzgl. der Einnahme und Dosis beraten. Besonders bei einer chronischen Erkrankung und gleichzeitiger Medikamenteneinnahme ist dies wichtig. Die Flohsamenschalen können schließlich auch die Wirksamkeit von Medikamenten herabsetzen.

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Gibt es Nebenwirkungen?

Sehr selten können während der Einnahme von Flohsamenschalen Nebenwirkungen auftreten – meistens treten diese zu Beginn der Anwendung auf. Möglich sind beispielsweise:

  • Blähungen
  • Bauchkrämpfe
  • Laute Darmgeräusche (durch erhöhte Darmbewegungen)

Nach ein paar Tagen geben diese Symptome jedoch meist wieder nach, der Körper gewöhnt sich nach und nach an den erhöhten Ballaststoffanteil. Allergische Reaktionen treten nur selten auf. Testen Sie vor der Einnahme vorsorglich Ihre Verträglichkeit.

Außerdem können die Flohsamenschalen bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme im Darm verkleben. Die Folge: dem Stuhl wird zusätzlich Flüssigkeit entzogen, er verhärtet und es kommt zur Verstopfung. Die Begleitsymptome sind etwa: Blähungen, allgemeines Unwohlsein, Bauchkrämpfe, Probleme beim Stuhlgang.

 

Wer sollte auf Flohsamenschalen verzichten?

In speziellen Fällen sollten Sie lieber auf die Anwendung von Flohsamenschalen verzichten. Dazu gehören neben Krankheiten auch Überempfindlichkeiten und Allergien. Nehmen Sie Flohsamenschalen zum Beispiel nicht ein, wenn …

  • Sie überempfindlich oder allergisch auf Flohsamen reagieren,
  • Sie bereits einen Darmverschluss hinter sich haben oder
  • Sie eine verengte Speiseröhre haben.

Außerdem sollten Kinder unter 12 Jahren und Senioren auf Flohsamenschalen verzichten. Diabetiker sollten die Einnahme von ihrem Arzt absegnen lassen, die Schalen könnten nämlich unter Umständen den Krankheitsverlauf  nicht nur positiv, sondern auch negativ beeinflussen.

Unser Experte: Dr. Malte Rubach, Ernährungswissenschaftler, Referent und Buchautor (“Die Ich-Ernährung”).

 

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