Fleckfieber: So gefährlich ist die Kleiderlaus

Redaktion PraxisVITA
Kleiderlaus überträgt das Fleckfieber
Die Kleiderlaus ist sehr gut an den Menschen angepasst. Sie überträgt das Fleckfieber © Imago

Lange Zeit galt die Kleiderlaus als ein zwar unangenehmer, aber doch harmloser Zeitgenosse. Dass sie tatsächlich für die Übertragung einer der gefährlichsten Seuchen, nämlich das Fleckfieber, verantwortlich war, ahnte man nicht. Praxisvita klärt auf.

 

Viele Ärzte starben einen tragischen Tod im Kampf gegen das Fleckfieber

Anfang des 20. Jahrhunderts stritten die Ärzte noch über die Ursachen der Krankheit. Einer von ihnen war Charles Nicolle (1866 – 1936), der 1903 die Leitung des Pasteur-Instituts in Tunis übernahm. Diese Stadt war damals für ihre immer wieder aufflackernden Fleckfieber-Epidemien berüchtigt. Nicolle machte hier eine interessante Beobachtung. Die Fleckfieberkranken im Hospital wurden gleich nach ihrer Einlieferung gewaschen und erhielten neue Wäsche. Sie steckten dann niemanden mehr an. Wenn es überhaupt einmal Ansteckungsfälle gab, dann unter den Wärtern, die die Kranken badeten und ihre lumpigen Kleider übernahmen. Daraus schloss Nicolle, dass Ungeziefer in den Kleidern an der Übertragung von Fleckfieber beteiligt sein musste.

Charles Nicolle
Charles Nicolle identifizierte die Kleiderlaus als Überträger von Fleckfieber© wikipedia.org

Doch waren es Wanzen, Flöhe oder Läuse? Schließlich machte er einen Versuch mit Läusen, die er an fleckfieberkranken Affen Blut saugen ließ. Dann übertrug er die Läuse auf gesunde Affen. Prompt erkrankten die Tiere. Nicolles Ergebnisse, die er 1909 veröffentlichte, waren eine Sensation! Endlich war es möglich, durch Bekämpfung der Kleiderläuse Fleckfieber einzudämmen. Der Forscher wurde 1928 für seine Entdeckung mit dem Medizin- Nobelpreis ausgezeichnet.

 

Am Fleckfieber gestorben

Kaum eine Seuche war für Ärzte so gefährlich wie das Fleckfieber. Sie forderte unter ihnen viele Opfer. Tragischerweise erlagen ihr gerade jene Mediziner, die am meisten zur Erforschung der Krankheit beitrugen. So erging es dem amerikanischen Mikrobiologen Howard Taylor Ricketts (1871 – 1910). Auf seiner Jagd nach dem Krankheitserreger des Fleckfiebers war er im Darm von Läusen auf verdächtige Mikroorganismen gestoßen, die er für die Verursacher hielt. Seine Entdeckung konnte er gerade noch der Wissenschaftswelt mitteilen, bevor er selbst am Fleckfieber starb.

Ebenso erging es einige Jahre später dem am Hamburger Tropeninstitut tätigen Arzt und Fleckfieber-Forscher Ladislaus von Prowazek (1875 – 1915). Als in einem Gefangenenlager in Cottbus eine Fleckfieber-Epidemie ausbrach, orderte das deutsche Kriegsministerium den Seuchenexperten aus Serbien zurück, um in der Heimat die Krankheit zu bekämpfen. Der Mediziner steckte sich an und starb innerhalb weniger Tage. Zu Ehren der beiden Mediziner wird heute das Fleckfieber auslösende Bakterium Rickettsia prowazekii genannt.

Fleckfieber
Forschern gelang es, einen Impfstoff gegen Fleckfieber zu entwickeln – heute nutzt man jedoch Antibiotika zur Bekämpfung der Krankheit© iStock
 

Ein neuer Impfstoff gegen Fleckfieber

Den Fleckfieber-Impfstoff entwickelte der deutsch-polnische Forscher Rudolf Weigl (1883 – 1957). In den Därmen von Läusen züchtete er die Rickettsien-Erreger. Seine Versuche waren alles andere als harmlos. Denn die Zuchtläuse mussten zweimal täglich gefüttert werden. Dies konnten nur Menschen übernehmen, die bereits eine Fleckfieber-Erkrankung überstanden hatten und dadurch immunisiert waren. Das Verfahren war jedoch nicht nur gefährlich, sondern auch aufwendig, denn zur Schutzimpfung eines einzigen Menschen waren hundert Läusedärme notwendig! Später versuchte man den Impfstoff gegen Fleckfieber aus den Dottersäcken infizierter Hühnereier oder aus der Lunge kranker weißer Mäuse zu gewinnen.

 

Fleckfieber: Jährlich etwa 4 000 Krankheitsfälle

Heute wird Fleckfieber mit Antibiotika (Tetracycline) behandelt. Schon nach ein bis zwei Tagen gehen die Symptome stark zurück. Seit der konsequenten Bekämpfung der Kleiderläuse ist die Krankheit in Europa praktisch ausgestorben. Weltweit werden jährlich etwa 4 000 Fälle registriert, in der Regel in den kühlen Hochlagen Südamerikas, Asiens und Afrikas. Touristen bringen die Krankheit allerdings so gut wie nie mit nach Hause.

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