Fitnesstrend Freeletics: Praxisvita deckt die Gefahren auf

Mann macht Freeletics
Statt für den Park oder Bolzplatz gibt es Freeletics-Workouts nun auch für das heimische Wohnzimmer © Fotolia

Beim Megatrend Freeletics gehen Sportler bis an ihre Grenzen. Doch wie gefährlich ist das Extremtraining? Praxisvita macht den Check.

Freeletics verspricht einen durchtrainierten Körper innerhalb kürzester Zeit. Dank App haben die Athleten die Möglichkeit, ständig und überall ihr Sportprogramm abzurufen. Die Übungen von Freeletics sind alle bekannt, sie tragen nur andere Namen. Liegestütz heißen Pushups, Kniebeugen werden als Squats bezeichnet, Froschsprünge nennen sich Froggers. Das Besondere: Bei Freeletcis werden die Sportler fit ohne Geräte, arbeiten nur mit ihrem eigenen Körpergewicht. Ihren Trainingsplan, der je nach Leistungsstand regelmäßig aktualisiert wird, ermittelt ihnen ein elektronischer Trainer. Das aktuelle Freeletics-Programm „2x2“ macht erstmals auch Übungen möglich, die ausschließlich im Wohnzimmer ausgeführt werden können. Wer nicht so viel Geld für die App ausgeben möchte (39,90 € für 15 Wochen), der kann die kostenlose Basic-Version testen.

Mit Freeletics bis an die Grenze

Die Workouts dauern zwischen 15 und 45 Minuten und setzen sich aus Übungen wie Jumping Jacks (Hampelmänner) und Klimmzügen zusammen. Das Training wird durch Läufe und Sprints ergänzt. Im Mittelpunkt von Freeletics steht das High Intensity Training (HIT) – also intenstive Trainingseinheiten von kurzer Dauer, die den Sportler an seine Grenzen bringen. Das Motto: Extrem viel trainieren in möglichst wenig Zeit. Der Erfolg klingt vielversprechend: „Die Form Deines Lebens. Garantiert“, stellen die Erfinder der Freeletics-App auf ihrer Homepage in Aussicht – und das in nur 15 Wochen.

Ist das wirklich gesund? Praxisvita klärt über die häufigsten Gefahren des Trainingskonzepts auf!

 

Freeletics – Die größten Gefahren

1 Verletzungsrisiko durch falsch ausgeführte Übungen

Bei Freeletics besteht die Gefahr, aufgrund der vielen schwierigen Wiederholungen zu ermüden und die Bewegungen dann unsauber oder falsch auszuführen. Das Verletzungsrisiko steigt. „Wenn ich noch keine natürliche Bewegungskompetenz habe, hilft es mir, wenn mich Geräte führen," rät Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln bei N24. Er bemängelt, dass kein realer Trainer die Athleten begleitet und gegebenenfalls in ihren Übungen kritisiert.

2 Knorpel und Bänder nehmen Schaden

Experten betonen, dass es für Knochen, Bänder und Knorpel besser ist, nicht zu viel Muskelmasse in zu kurzer Zeit aufzubauen. Während sich die Muskulatur recht schnell an neue Belastungen anpassen kann, dauert dies bei Knorpel und Bändern deutlich länger. Knorpel und Bänder kommen bei einem zu intensiven Training nicht hinterher und können so Schaden nehmen. Im schlimmsten Fall reißen sie infolge der zunehmenden Muskelmasse und des intensiven Trainings ein.

3 Verletzungsrisiko der Bandscheibe und Wirbelsäule

Durch Sit-Ups entsteht ein erhebliches Risiko für die Wirbelsäule. Der Grund hierfür liegt im wiederholten Beugen und der Destabilisierung des Rumpfes. Gerade bei den freeletics Sit-Ups liegt der Fokus auf der schnellen Übungsausführung und damit auch auf der Kontraktion der Bauchmuskeln. Während sich der Bauchmuskel verkürzt, wird der Rücken dabei meist außer Acht gelassen und instabil. Die Folge sind Haltungsschäden und Rückenschmerzen.

4 Kreislaufprobleme

Michael Branke, Pädagogischer Leiter der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung (DFLV) bezeichnet das Fitnessprogramm Freeletics als „extrem“ und für normale Menschen kaum zu schaffen. Er vermutet, dass viele Menschen an ihrer Überlastungsgrenze trainieren. Das kann zu Problemen wie Erbrechen, Schwindel und Kreislaufschwäche führen.

Hamburg, 17. Juni 2015

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