Fit durch den Frühling mit Homöopathie

Gerade bei Alltagsbeschwerden schwören Frauen auf die sanften Naturarzneien. Sie sind ideal für die Selbstbehandlung. Welche Mittel der Frühjahrsmüdigkeit entgegenwirken und die eigenen Heilungskräfte unterstützen.

Falsche mit Globuli und Frühlingspflanzen
Mit Schwung in den Frühling starten – mit der Kraft der Homöopathie Foto: iStock/Togapix

Ach, April, endlich! Morgens zwitschern die Vögel, die Welt hat wieder Farbe bekommen. Wintermantel ade, Winterspeck auch, jetzt geht es mit Volldampf durch den Frühling. Oder doch eher im Schneckentempo? Wenn bloß diese bleierne Müdigkeit nicht wäre, die ständig verstopfte Nase und die Wetterfühligkeit, die immer noch vorherrscht. 

Keine Frage, die kalte Jahreszeit war wieder eine extreme Herausforderung für Körper und Seele, und nicht selten fühlen wir uns lange danach noch erledigt. Wie vertreibt man den Winter-Kater endgültig? Ganz einfach: mit der erstaunlichen Wirkung der Homöopathie. Das Vertrauen ist groß: 75 Prozent der Deutschen befürworten eine integrative Medizin, also das Miteinander von Schulmedizin und ergänzenden Therapien wie Homöopathie – so eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS.

Mit steigender Beliebtheit der Homöopathie, vor allem bei Frauen, steigt inzwischen auch die Zahl wissenschaftlicher Prüfungen. Die Berliner Charité hat an 130 Probanden untersucht, wie erfolgreich Homöopathie bei Rückenschmerzen sein kann. Nach drei Monaten hatten sich die Beschwerden um durchschnittlich 40 Prozent verringert, nach zwei Jahren um 60 Prozent – ein überragender Wert, wie Schmerzforscher zugeben mussten. Eine Übersichtsarbeit prüfte seriöse Studien zur homöopathischen Behandlung von Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz). Ergebnis: Die analysierten klinischen Prüfungen sprechen für eine Wirksamkeit der Homöopathie. AUCH WENN MAN NOCH nicht weiß, wie dieses sanfte Verfahren genau wirkt – dass Globuli & Co. bei vielen Beschwerden helfen, steht derweil außer Frage. Das ist auch ein Grund dafür, dass bereits knapp 70 Prozent der deutschen Krankenkassen die Therapiekosten für Homöopathie bei speziell dafür ausgebildeten Medizinern teils oder ganz bezahlen.

Hier die wichtigsten Infos vom Homöopathie-Experten Dr. Markus Wiesenauer, wie Sie fit in den Frühling starten können.

Diese Medizin setzt sanfte Reize

Die Behandlung mit stark verdünnten Wirkstoffen in Tropfen, Tabletten oder Kügelchen (Globuli) ist eine Reiztherapie, fördert die Selbstheilung. Diese Mittel gibt es rezeptfrei in der Apotheke. „Die Gefahr von Nebenwirkungen ist gering“, erklärt Wiesenauer.

Bei Heuschnupfen Selbstheilung anregen

Frühlingszeit ist Heuschnupfenzeit: Hier haben sich Mittel mit Wirkstoffen des Indischen Lungenkrauts (Adhatoda vasica) bewährt. Sie lindern die Reizung der Atemwege, beruhigen Fließschnupfen und tränende Augen. Die Pflanze stärkt außerdem die Abwehr- und Selbstheilungskräfte. Der Körper lernt, sich gegen die Pollen auf natürliche Art zu wehren. Dosierung: je nach Präparat laut Packungsbeilage.

„Der Mensch kann zwar helfen, die Natur allein aber kann heilen.“

Frühjahrskur für den Stoffwechsel

Im Winter wird die Verdauung oft träge; deftige Küche, Alkohol und mangelnde Bewegung haben Leber & Co. erschöpft. Was im Volksmund als Frühjahrsmüdigkeit bezeichnet wird, ist eine Reaktion der Verdauungsorgane. Mit homöopathischen Mitteln können Sie Ihren Stoffwechsel sanft in Schwung bringen:

  • Darm: Okoubaka in der Verdünnung (Potenz) D6

  • Leber: Carduus marianus D6 oder Lycopodium D6

  • Nieren: Solidago D6 oder Berberis D6. Dosierung: 3-mal täglich je 1 Tablette oder 5 Tropfen bzw. 5 Globuli

Globuli und Co.: Woraus bestehen sie?

Bei der Herstellung von homöopathischen Arzneimitteln wird der Grundstoff, der die Heilung erzielen soll, stark verdünnt. In der Homöopathie gilt: Je weiter verdünnt, desto wirkungsvoller (potenzierter) ist das Präparat. Zuerst stellt man von der Ausgangssubstanz, zum Beispiel Belladonna (Tollkirsche), eine Urtinktur her.

Für die Potenz D1 wird diese 1 : 10 verdünnt und verschüttelt. Nimmt man von der nun entstandenen Verdünnung wieder einen Teil, verdünnt und verschüttelt ihn wiederum im Verhältnis 1 : 10, entsteht die D2-Potenz, und so weiter.

Grundlage der Mittel sind oft Stoffe, die unverarbeitet giftig wirken, etwa das Element Arsen, die Pflanzen Eisenhut oder Tollkirsche. In homöopathisch aufbereitetem Zustand sind sie aber ungefährlich und erzielen oft erstaunlich schnell die lindernde Wirkung. Dazu sollte man die jeweils empfohlenen Dosierungen einhalten. Denn Menge, Häufigkeit und Zeitabstand der Einnahmen gehören genauso zum Therapiekonzept wie die richtige Wahl des Mittels.

Grundumsatz erhöhen und Fettverbrennung steigern

Wenn Sie ein paar Pfunde loswerden wollen, lohnt sich ein Versuch mit Fucus vesiculosus D6: Dieses Mittel trägt zur Anregung des Stoffwechsels bei, wirkt appetitbremsend und ausgleichend auf die Psyche. Denn seine organischen Jodverbindungen ähneln den Schilddrüsenhormonen und regen die Tätigkeit des Organs an. Folge: Der Energieverbrauch des Körpers steigt. Auch bei Schilddrüsenleiden in Absprache mit einem Experten geeignet. Dosierung: 3-mal täglich 5 Globuli.

Coffea D6: Dieses Mittel fördert die Fettverbrennung. Dosierung: morgens nüchtern 3 Globuli.

Kreislaufschwäche wirksam behandeln

Die Temperaturen steigen, und damit weiten sich die Blutgefäße. Das ist noch ungewohnt für den Körper – der Blutdruck kann absacken, das Herz etwas schwächeln. Das macht sich in Kreislaufproblemen bemerkbar. Was hilft?

  • Camphora D6: Sie sind blass, die Lippen blau, auf der Stirn bildet sich kalter Schweiß. Eventuell tritt Übelkeit auf. Dosierung: mehrmals hintereinander alle 2 Minuten je 5 Tropfen auf die Zunge träufeln.

  • Carbo vegetabilis D12: Sie sind blass, Ihnen ist kalt, Ihr Puls ist schwach. Sie fühlen sich generell nicht besonders gut. Dosierung: am ersten und zweiten Tag 5-mal 1 Gabe, am dritten Tag 2-mal 1 Gabe.

  • Tabacum D6: Auf Wärme und Zigarettenrauch reagieren Sie mit Kreislaufschwäche. Sie frösteln, Ihnen ist übel und schwindlig. Dosierung: am ersten und zweiten Tag 5-mal 1 Gabe, am dritten Tag 2-mal 1 Gabe.

Besonders bei Kreislaufschwäche leiden viele Menschen auch unter gespannten oder juckenden Waden: Jeder dritte Erwachsene in Deutschland kennt die Beschwerden, die oft im Frühjahr beginnen. Was hilft?

Aesculus D6: „Das Mittel stärkt die Beinvenen. Dosierung: 3-mal täglich je 5 Tropfen oder Globuli. Bei starken Beschwerden können Sie die Dosis auf 5 Einheiten pro Tag erhöhen, bis die Symptome abgeklungen sind. „Bei Krampfadern hilft zusätzlich eine Aesculus-Salbe, die Sie dreimal täglich auftragen sollten", sagt Homöopathie-Experte Wiesenauer.

Homöopathie Arzneimittel: Dosierung und Anwendung
  • Erwachsene und Schulkinder: 3–5 Globuli, 5 Tropfen oder 1 Tablette stellen jeweils 1 Dosis (Gabe) dar

  • Kleinkinder: 3 Globuli oder 1 Tablette

  • Säuglinge: 1 Globulus oder ½ zerstoßene Tablette

  • Normaldosierung: Alle 1 bis 2 Stunden je 1 Gabe. Wenn sich die Beschwerden bessern, setzt man das Mittel ab

  • In akuten Fällen (wenn nicht anders verordnet): alle 10 bis 30 Minuten jeweils 1 Gabe einnehmen. Auch hier bei deutlicher Besserung aufhören. Ist nach 3 Tagen keine Veränderung spürbar, sollte man zum Arzt gehen

Kleine Stärkung für die Seele

Der Lichtmangel im Winter hinterlässt bei vielen noch gedrückte Stimmung. Folgen: Antriebslosigkeit, Gereiztheit, Müdigkeit. Man tut gar nicht viel, fühlt sich trotzdem überfordert: „Auch diese Symptome kann man homöopathisch behandeln", so der Fachmann.

  • Cocculus D12: Hilft bei allgemeinem Erschöpfungsgefühl. Dosierung: 2-mal täglich je 5 Globuli im Mund zergehen lassen, wenn der Apotheker keine andere Dosierung empfiehlt.

  • Kalium phosphoricum D6: Stärkt das Gemüt, wenn das Wetter von kalt auf warm umschwenkt und der Körper erschöpft ist. Dosierung: 2-mal täglich je 5 Globuli einnehmen.

  • Helonias dioica D6: Wenn man sich ausgelaugt fühlt, die Doppelbelastung von Familie und Beruf im Wandel des Klimas jetzt besonders spürbar ist. Dosierung: 3-mal täglich je 5 Globuli.

Was natürlich ist, ist gut: Auch diese Globulis sind im Frühling gefragt

Ignatia vertreibt Kopfschmerzen: In der Potenz D12 hilft dieses Mittel bei typischem helmartigem Kopfweh. Dosierung: jede Stunde je 5 Globuli bis zur Linderung. Oft genügt bereits 1 Gabe. Belladonna D6 ist besser, wenn Kopfschmerzen speziell durch ungewohnt feuchtwarme Luft auftreten. Dosierung: stündlich je 5 Globuli bis zur Linderung.

Bryonia bei Schnupfen: Wenn die Nase läuft, man häufig niest und Husten dazukommt, wirkt das Mittel Bryonia alba in der Potenz D6. Dosierung: am ersten und zweiten Tag 5-mal täglich je 5 Globuli oder Tropfen, am dritten Tag 2-mal täglich diese Menge.

Camphora stabilisiert den Kreislauf: In der Potenz D6 das bewährte Notfallmittel gegen Kreislaufschwäche. Dosierung: Träufeln Sie mehrmals hintereinander alle 2 Minuten jeweils 5 Tropfen des Mittels auf die Zunge.

Carduus entschlackt: Wie wird man überflüssige Stoffwechselprodukte wieder los? Indem man die Leber stärkt. Carduus marianus D6 regt deren entgiftende Funktion an. Dosierung: 3-mal täglich je 5 Globuli oder 5 Tropfen oder 1 Tablette.

Cantharis hilft der Blase: In der Potenz D6 bekämpft das Mittel Entzündungen. Dosierung: stündlich je 5 Globuli. Bessern sich die Schmerzen, den Einnahme-Abstand immer um 1 Stunde verlängern, bis sie weg sind. Halten die Beschwerden länger an, bitte zum Arzt gehen.

Nichts ist so wirksam wie die Erfahrung: Viele Menschen, die homöopathische Arzneimittel anwenden, fühlen sich kraftvoller und können mit Schwung in den Frühling starten.

Text aus: Tina Gesund & Fit 2/20