Fipronil-Skandal – Discounter rufen Eier zurück

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Lieferung mit vielen Eiern in Kartons
Der Discounter Aldi nimmt im Zuge des Skandals um fipronilbelastete Eier alle Eier aus dem Verkauf © iStock

Der Skandal um die insektizidbelasteten Eier zieht immer weitere Kreise. Der Discounter Aldi nimmt vorsorglich alle Eier aus dem Verkauf. Was Verbraucher jetzt wissen müssen.

Aldi Süd und Aldi Nord nehmen deutschlandweit alle Eier aus dem Verkauf, wie die Unternehmensgruppen bekanntgeben. Der Discounter nimmt demnach nur noch Liferungen von Eiern entgegen, für die ein Nachweis vorliegt, dass sie nicht mit Fipronil belastet sind. Engpässe in der Versorgung seien so möglich, teilen die Unternehmen mit.

 

Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein Insektengift, das zum Schutz von Pflanzen und Haustieren eingesetzt wird und Schädlinge wie Läuse, Milben und Flöhe tötet. Es darf darum nur bei Tieren eingesetzt werden, die keine Lebensmittel liefern – im Hühnerstall hat es also eigentlich nichts verloren.

 

Wie kommt Fipronil in die Eier?

Die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe haben ein Desinfektionsmittel namens Dega-16 verwendet, mit dem Blutläuse bei Hühnern bekämpft werden. Das Mittel, das von einem niederländischen Unternehmen produziert wurde, enthält offenbar illegalerweise Fipronil.

 

Ist der Verzehr belasteter Eier gesundheitsschädlich?

In hoher Dosis kann Fipronil das Nervensystem schädigen, das haben Tierversuche gezeigt. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann der Verzehr mehrerer belasteter Eier für Kinder ein Gesundheitsrisiko darstellen. Demnach könnte ein Kind mit zehn Kilo Körpergewicht (etwa ein Jahr alt) pro Tag ein belastetes Ei essen, ohne mit gesundheitlichen Schäden zu rechnen, ein Erwachsener mit 65 Kilogramm Körpergewicht sieben Eier. Dieses Rechenbeispiel geht von der bislang höchsten in Eiern gemessenen Belastung aus – nämlich 1,2 mg Fipronil/kg Ei. Dieser Wert wurde in Belgien gemessen. Doch auch bei dem Verzehr von mehr Eiern ist nicht zwangsläufig mit gesundheitlichen Folgen zu rechnen. Der sogenannte Sicherheitsfaktor bei der Errechnung dieser Höchstmengen beträgt 100. Das bedeutet: Die Dosis Fipronil, die bei Tierversuchen keine gesundheitlichen Schäden verursachte, wurde durch 100 geteilt – so wurden die Grenzwerte für den Menschen festgelegt. Diese gelten allerdings ausschließlich für Gesunde. Menschen mit akuten und chronischen Erkrankungen oder einem eingeschränkten Immunsystem können auch bei kleineren Dosen gesundheitliche Folgen davontragen.

 

Welche Eier sind betroffen?

Eier mit den folgenden Chargennummern sind betroffen:

0-DE-0360521

1-DE-0357731

1-DE-0358001

2-DE-0358621

0-NL-4310001

0-NL-4352602

0-NL-4385501

0-NL-4392501

1-NL-4128604

1-NL-4167902

1-NL-4286001

1-NL-4331901

1-NL-4339301

1-NL-4339912

1-NL-4359801

1-NL-4385701

2-NL-4385702

2-NL-4332601

2-NL-4332602

In Deutschland sind zum einen niederländische Eier mit Fipronilbelastung in den Handel geraten und zum anderen haben auch einzelne Betriebe in Niedersachsen das verseuchte Desinfektionsmittel verwendet. Angaben des Umweltministeriums NRW zufolge wurden 2,9 Millionen belastete Eier an eine Packstation in Nordrhein-Westfalen geliefert und von dort auch in andere Bundesländer gebracht. 875.000 belastete Eier gelangten demnach so in den Handel. Weitere Eier erreichten über eine Packstelle in Borken im Münsterland den deutschen Handel. Betroffene Bundesländer sind neben Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Ob ihre Eier belastet sind, können Verbraucher dem Aufdruck auf dem Ei entnehmen. Experten gehen jedoch davon aus, dass noch weit mehr Eier belastet sind, als bisher angenommen. Über weitere Chargennummern, die dazukommen, informieren die zuständigen Behörden auf der Website www.lebensmittelwarnung.de.

 

Was kann ich tun, wenn ich belastete Eier gekauft habe?

Wer Eier mit betroffenen Chargennummern hat, sollte sie nicht verzehren. Die Händler nehmen die Eier zurück und tauschen sie um (falls möglich) oder erstatten den Kaufpreis.

 

Produkte mit fipronilbelasteten Eiern

Inzwischen wurden auch Meldungen über Produkte öffentlich, in denen fipronilbelastete Eier verarbeitet wurden. Die Neue MAYO Feinkost GmbH ruft folgende Salate zurück: Porreesalat Toscana, Oma's Pellkartoffelsalat (MHD 16.08.2017), Gosch Sonntagsfrühstück, Eiersalat klassisch (MHD 18.08.2017), Hofgut Eiersalat (MHD 16.08.2017), Hofgut Thunfischsalat (MHD 16.08.2017).

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