Fingerarthrose: Was hilft wirklich gegen verdickte Fingergelenke?

Redaktion PraxisVITA

Unter einer Fingerarthrose leiden viele Frauen ab 50 Jahren. Unser Experte erklärt die Symptome und Ursachen und verrät, was wirklich gegen verdickte Fingergelenke hilft.

Fingerarthrose kann als Volkskrankheit bezeichnet werden – allerdings als eine weibliche. Der schmerzhafte Verschleiß der Fingergelenke betrifft zwar fast jede dritte Person über fünfzig Jahren. 90 Prozent davon sind jedoch Frauen. Es sind somit fast nur Frauen von einer Arthrose in den Fingern betroffen.

Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik in Gundelfingen, erklärt im Interview die ersten Symptome und Ursachen einer Fingerarthrose. Zudem verrät der Experte, was wirklich gegen verdickte Fingergelenke hilft.

 

Welche Symptome deuten auf eine Fingerarthrose hin?

Das ist ganz verschieden. In allen Fällen sind jedoch Vorwölbungen als Knötchen an den Fingergelenken tastbar. Wie bei jeder Arthrose kommt es auch hier zu einer Verknöcherung der Gelenkkapsel. Die Fingergelenke werden zunehmend unbeweglich. Erste Symptome zeigen sich oft beim Hantieren mit schweren Gegenständen. Auch Drehbewegungen, wie das Öffnen einer Wasserflasche, bereiten plötzlich Probleme. Zudem führt der Verschleiß des Gelenkknorpels auf Dauer zur Reizung der Gelenkinnenhaut – so kann es immer wieder zu schmerzhaften Entzündungen kommen.

 

Sind bei dieser Form der Arthrose alle Finger gleich betroffen?

Eine "Sonderstellung" bei der Fingerarthrose hat der Daumen. Im Gegensatz zu den anderen Fingern ist hier oft das Handwurzelgelenk betroffen. Dies ist besonders belastend. Schließlich ist der Daumen beim Gebrauch der Hände von entscheidender Bedeutung.

 

Kann zu hohe Belastung eine Fingerarthrose auslösen?

Nein, ansonsten müssten vor allem Handwerker davon betroffen sein.

 

Warum trifft eine Arthrose am Finger fast nur Frauen?

Oft wird behauptet, dass die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren dabei eine Rolle spielt. Doch das ist nicht erwiesen. Warum sollte sich diese ausgerechnet in den Fingergelenken auswirken? Vermutlich ist die Fingerarthrose erblich bedingt.

 

Was hilft bei einer Fingerarthrose?

Liegt eine Entzündung vor, so muss diese zuerst behandelt werden. Hier hat sich der Einsatz von entzündungshemmenden Schmerzmitteln bewährt. Ergänzend können pflanzliche Mittel (Salben und/oder Tabletten) mit den Extrakten von Beinwell, TeufelskralleBrennnessel oder Sprossen des Rhus-toxicodendron-Strauchs verabreicht werden.

 

Werden zur Behandlung einer Fingerarthrose ausschließlich Medikamente eingesetzt?

Nein. Zusätzlich ist Krankengymnastik bei Fingerarthrose hilfreich, um die Beweglichkeit der Finger zu erhalten. Bewährt haben sich auch Fingerübungen, wie Kräftigungsübungen, zum Beispiel etwa das Drücken eines Softballes.

 

Lässt sich der Knorpel durch Hyaluronsäure wieder aufbauen?

Das ist leider nicht möglich – auch wenn es oft versprochen wird. Doch eine Spritze mit Hyaluronsäure kann die Reibung im Fingergelenk lindern und entzündungshemmend wirken. Denn sie ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkschmiere, die bei Arthrose oft fehlt.

 

Welche Hilfsmittel erleichtern den Patienten das Leben mit Fingerarthrose?

Um den Daumen zu entlasten und seine Beweglichkeit zu erhalten, kommt häufig eine sogenannte Daumen-Orthese zum Einsatz. Das ist eine gut angepasste Kunststoffschiene. Sie stört kaum in der Bewegung, lindert den Schmerz der Fingerarthrose. Diese Schiene verträgt auch Wasser, muss also beim Händewaschen nicht jedes Mal abgenommen werden.

 

Und wenn das alles nicht hilft?

Dann schlagen wir dem Betroffenen eine Orthokin-Behandlung vor. Dabei handelt es sich um Spritzen in die Fingergelenke. Das Besondere daran: Der Wirkstoff wird aus dem körpereigenen Blutserum gewonnen, im Labor aufbereitet und dann dem Patienten wieder gespritzt. Das schlägt bei vielen Patienten mit Fingerarthrose sehr gut an. Bis zu zwei Jahre nach der Behandlung beobachten wir eine höhere Beweglichkeit der Gelenke und weniger entzündliche Schübe. Die gesamte Therapie dauert zwei bis drei Wochen und kostet etwa 800 bis 1000 Euro, die Kassen zahlen sie nicht.

 

Kann man einer Arthrose am Finger vorbeugen, etwa durch Ernährung und Sport?

Nein. Natürlich sind eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen und ausreichend Bewegung immer gut. Aber verhindern lässt sich eine Fingerarthrose damit leider nicht.

Physiotherapie am Knie einer Frau
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Vielen Dank für das Interview!

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