Fettsucht, was ist das?

Redaktion PraxisVITA
Mann mit Fettsucht
Eine Fettsucht macht den Körper krank und muss deshalb unbedingt behandelt werden – in erster Linie durch Bewegung, Diät und Selbstdisziplin © istock

Es sind nicht nur "ein paar Pfunde mehr" – eine Fettsucht kann krank machen. Wie gefährlich sie wirklich ist, welche Gene für eine Fettsucht verantwortlich sind und welche Operation Erfolg bringt, erfahren Sie hier.

 

Fettsucht, was ist das?

In Deutschland gilt bereits jeder zweite Erwachsene als zu dick, jeder fünfte sogar als krankhaft übergewichtig. Adipositas heißt der medizinische Fachausdruck für Fettsucht: Wenn Menschen einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 haben, gelten sie als adipös. Normal ist ein BMI zwischen 20 und 25. Entscheidend für die Gesundheit ist jedoch die Verteilung des Fetts. Deshalb messen Ärzte den Taillenumfang mit. Der Fettsucht-Grenzwert ist bei Frauen 88 cm, bei Männern 102 cm.

Fettsucht, welche Folgen kann sie haben?

Nicht nur die Lebensqualität wird bei einer Fettsucht eingeschränkt, der überlastete Körper wird auch eher krank. Das Diabetes-Risiko ist erhöht, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall drohen. Auch Asthma, Gelenk- und Rückenbeschwerden und sogar Krebserkrankungen treten nachweislich unter einer Fettsucht häufiger auf.

Herzinfarkt-Gefahr bei Fettsucht
Bei Menschen mit Fettsucht ist das Herzinfarkt– und Diabetes-Risiko erhöht, Bluthochdruck und Schlaganfall drohen© istock
 

Welche Ursachen hat eine Fettsucht? Können auch defekte Gene eine Fettsucht bewirken?

Verantwortlich für die vielen Pfunde Übergewicht sind vor allem Ernährungsfehler und Bewegungsmangel. Doch eines wird immer offensichtlicher: Gene sind grundsätzlich an einer Fettsucht beteiligt. Mindestens ein halbes Dutzend defekter Gene bringen die Regulierung und Steuerung des Hungergefühls und Essverhaltens durcheinander.

In jüngster Zeit wurden etliche Gene aufgespürt, die eine Fettsucht auslösen können. Zum Beispiel das Fettsucht-Gen (obese-Gen) oder kurz ob-Gen. Es enthält die für die Forschung so wichtige Bauanleitung für das Hormon Leptin: Dieses wird in den Fettzellen des Körpers gebildet und wirkt im Gehirn auf die Regulation des Gewichts. Fehlt Leptin aufgrund eines kaputten Gens, ist die natürliche Essbremse ausgeschaltet. Die Folge: Heißhunger und Übergewicht. Seither suchen internationale Forschergruppen nach Stoffen, die das "Hunger-Hormon” beeinflussen – und testen jährlich per High-Tech mehrere hunderttausend Genstrukturen und Hormonsubstanzen.

Ernährungstherapie bei Fettsucht
Betroffene bekommen eine Fettsucht selten allein in den Griff. Deshalb werden sie mit einer Kombination aus Ernährungs, Psycho- und Bewegungstherapie behandelt© istock
 

Fettsucht, wie kann sie behandelt werden?

Betroffene bekommen eine Fettsucht selten allein in den Griff. Deshalb werden sie mit einer Kombination aus Psycho-, Ernährungs- und Bewegungstherapie behandelt. Denn außer durch die Erbanlagen und falsche Ernährung wird Fettsucht vor allem durch seelische Probleme und zu wenig Bewegung begünstigt.

 

Welche Operation eignet sich bei Fettsucht?

Fettsucht geht mit enormer Diskriminierung einher. Dennoch schaffen es die meisten nicht, dauerhaft abzunehmen. Das gilt besonders für Patienten mit einem BMI über 40: Man weiß, dass alle Abspeckversuche nur bei ein bis drei Prozent zu längerfristigem Erfolg führen. Daher wird dieser Wert weltweit als eindeutige Indikation für eine Operation angesehen. Bei einem BMI von 35 und mehr ist sie nur gegeben, wenn ernste Begleiterkrankungen als Folge des Übergewichts entstanden.

Unter den Möglichkeiten, Fettsucht operativ in den Griff zu kriegen, scheint eine Methode künftig alle anderen weitgehend ablösen. Ihr Name: gastric banding. Das Prinzip: In einer etwa zweistündigen laparaskopischen Operation legt ein speziell ausgebildeter Chirurg ein zwölf Millimeter breites, verstellbares Silikonband um den Magen und schnürt ihn ein. Der Sinn: Die Nahrungsaufnahme wird drastisch reduziert, was schon nach sechs Monaten zu einem Gewichtsverlust von mehr als 40 Kilo führen kann.

Frau will Fett am Bauch abschneiden
Fettsucht vor allem durch seelische Probleme und zu wenig Bewegung begünstigt© istock
 

Letzte Rettung für Patienten mit Fettsucht: Magenband

Das Band splittet den Magen in einen kleinen oberen Teil mit gut 15 ml Fassungsvermögen und in den Rest darunter. Über einen Schlauch wird es mit einem in der Nähe implantierten Flüssigkeitsreservoir (Port) verbunden. Über diesen Port wird die Bandweite reguliert, indem der Chirurg per Spritze destilliertes Wasser hineinfüllt oder abzieht. Beim Hinzufügen bläst sich das Band auf, die "Durchfahrt” von oben nach unten wird schmaler. Umgekehrt verhält es sich, wenn Flüssigkeit entfernt wird. Je enger die Einstellung, desto weniger kann der Patient essen, da er schneller satt ist.

Das Verfahren kommt nur für Patienten mit einem BMI über 40 in Frage, bei denen andere Methoden erfolglos waren. Und: Sie müssen hochmotiviert sein, da eine komplette Lebensumstellung und dauernde – auch psychologische – Nachbetreuung notwendig ist. Es gibt nur wenige Kliniken, die diese Fettsucht-Therapie wirklich beherrschen. Dort finden umfassende Gespräche bezüglich der Risiken und Begleiterscheinungen nach einer Operation, gründliche Voruntersuchungen und eine intensive Nachsorge statt.

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