Feinstaubbelastung schlägt auf die Atemwege

Redaktion PraxisVITA
Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Atemwege
  3. 3. Herz & Gefäße
  4. 4. Gehirn & Haut
  5. 5. Feinstaub-Quellen
  6. 6. So schützen Sie sich vor Feinstaub

Erste Eintrittspforte für Feinstaub sind unsere oberen Atemwege, das heißt: Nase und Mund. Je nach Größe der Partikel können sie unterschiedlich tief in unseren Körper eindringen. Teilchen der Kategorie PM10 können in die Nasenhöhle, PM2,5-Partikel bis in die Bronchien und Lungenbläschen hinein und Ultrafeinstaub sogar bis in unseren Blutkreislauf vordringen.

Abhängig von Größe und Eindringtiefe der Teilchen unterscheiden sich ihre gesundheitlichen Auswirkungen. Am häufigsten treten Atemwegsprobleme auf: Der eingeatmete Staub reizt die Schleimhäute in Nase, Rachen und Luftröhre und führt dort zu Entzündungen. Halsschmerzen sind eine mögliche Folge.

 

Feinstaubbelastung als Ursache für chronischen Schnupfen?

Plagt Sie das gesamte Jahr hindurch ständig eine laufende Nase, Auslöser einer Allergie lassen sich jedoch nicht finden? Wie Studien an der Johns Hopkins University School of Medicine zeigen, könnten PM2,5-Feinstaubpartikel die Ursache von ganzjährigem, chronischem Schnupfen sein. Bei Mäusen, die ein Konzentrat verunreinigter Großstadtluft eingeatmet hatten, konnten sie zahlreiche Entzündungsmarker nachweisen, u.a. Makrophagen und Interleukine, die eine wichtige Rolle in der Immunreaktion und bei Entzündungsprozessen spielen. Außerdem fanden die Forscher Hinweise darauf, dass die Feinstaubbelastung die Schutzbarriere der Haut in der Nase schwächt. Dadurch können Allergene wie Blütenpollen, Pilzsporen oder Krankheitserreger umso leichter eindringen und weitere Symptome auslösen.

Ist die Feinstaubbelastung sehr hoch, können die feinen Partikel die Ursache von ganzjährigem, chronischem Schnupfen sein
Ist die Feinstaubbelastung sehr hoch, können die feinen Partikel die Ursache von ganzjährigem, chronischem Schnupfen sein© iStock
 

Feinstaubbelastung als Allergie-Booster

Auch andere Experten gehen davon aus, dass die höhere Schadstoffbelastung der Luft sich auf die Ausprägung von Allergiebeschwerden auswirkt. Denn in Kombination mit den Feinstaubpartikeln, die durch die Luft schwirren, können die Blütenpollen eine stärkere Immunreaktion in unserem Körper hervorrufen.

 

Feinstaub: Je feiner, desto tiefer

Dringen feinere Partikel tiefer vor, reizen und entzünden sie auch die Bronchien und die Lungenalveolen.

 

Feinstaubbelastung: Auswirkungen auf die Lunge

Ultrafeine Staubpartikel dringen bis tief in unser Lungengewebe vor und können von dort aus in den Blutkreislauf übertreten und sich über das Blut im Körper verteilen.

In der Lunge verschlimmern sie Erkrankungen wie Bronchitis, Allergien und Asthma, verstärken Beschwerden der chronischen Lungenerkrankung COPD.

 

Feinstaubbelastung weckt schlafende Viren

Die verschwindend kleinen Partikel aus Verkehrsabgasen, Schornsteinen oder anderen Verbrennungsprozessen sind auch in der Lage, in der Lunge „schlafende Viren“ zu wecken und zu reaktivieren, wie ein Forscherteam am Münchener Helmholtz Zentrum jetzt herausgefunden hat.

Um unserem Immunsystem zu entgehen, verstecken sich manche Viren innerhalb von Zellen und ruhen dort, ohne Beschwerden zu verursachen. Experten sprechen von einer latenten Infektion. Wird nun aber das Immunsystem geschwächt oder verändern sich bestimmte Bedingungen, können die Viren wieder aktiv werden. Sie vermehren sich, zerstören die Wirtszelle und führen zu Krankheitssymptomen. Viele kennen das von Herpesviren: Betroffene sind lange beschwerdefrei. Sind sie jedoch stark gestresst (auch das schwächt die Immunabwehr), werden die ruhenden Viren aktiviert und es bilden sich die lästigen Bläschen. Forscher am Helmholtz Zentrum München berichten nun, dass auch Nanopartikel im Feinstaub bei einer hohen Feinstaubbelastung in der Lage sind, schlafende Viren in der Lunge zu wecken und zu reaktivieren. Auch Epstein-Barr-Viren (EBV) können durch Feinstaub wieder erweckt werden. Der Erreger löst das Pfeiffersche Drüsenfieber aus und steht zudem im Verdacht, Krebs zu begünstigen sowie an Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose und rheumatoider Arthritis beteiligt zu sein. Bisher untersuchten die Wissenschaftler diesen Prozess im Versuchsmodell. Nun wollen sie herausfinden, ob die Ergebnisse sich auch auf den Menschen übertragen lassen.

Ultrafeine Staubpartikel dringen bis tief in unser Lungengewebe vor und können dort Krankheiten wie Asthma hervorrufen
Ultrafeine Staubpartikel dringen bis tief in unser Lungengewebe vor und können dort Krankheiten wie Asthma hervorrufen© iStock
 

Gefährliches Gepäck

Das Fatale: Die kleinen Partikel können nicht bloß selbst Schaden anrichten, indem sie Entzündungen auslösen – an ihrer Oberfläche können sich andere reizende und gefährliche Stoffe anlagern.

Im Haushalt können etwa Milben-Ausscheidungen an den Staubteilchen haften, die Hausstauballergie und in der Folge Asthma auslösen können.

Selbst Schwermetalle und Krebs erzeugende sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) können im Schlepptau der Teilchen tief in unsere Atemorgane gelangen und dort die Entstehung von Lungenkrebs fördern.

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