Fehlgeburt: Anzeichen, Ursachen & Behandlung

Franziska König

Fehlgeburten sind häufiger als man denkt: Mindestens jede dritte Schwangerschaft endet auf diese Weise – oft bereits in den ersten Wochen. Starke Unterleibsschmerzen, Blutungen und das Ausbleiben der typischen Schwangerschaftssymptome können mögliche Anzeichen sein.

Frau liegt traurig in den Armens ihres Freunds
Die meisten Fehlgeburten finden in den ersten Schwangerchaftswochen statt Foto:  iStock/martin-dm
Inhalt
  1. Was ist eine Fehlgeburt?
  2. Die Anzeichen einer Fehlgeburt
  3. Die Ursache einer frühen Fehlgeburt
  4. Dann sollten Sie zum Arzt
  5. Wie stellt der Arzt die Diagnose?
  6. Wann ist eine Ausschabung notwendig?
  7. Wiederholte Fehlgeburt
  8. Die Zeit nach der Fehlgeburt
  9. Erneute Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt?
 

Was ist eine Fehlgeburt?

Eine Fehlgeburt, auch spontaner Abort oder Abgang genannt, ist der frühzeitige Verlust bzw. das Absterben eines noch nicht lebensfähigen, weniger als 500 Gramm schweren Embryos bzw. Fötus. Mit einer Fehlgeburt ist die Schwangerschaft beendet. 

Als Embryo bezeichnet man das Kind im Anfangsstadium bis zur neunten Schwangerschaftswoche (SSW). In dieser Zeit, die man auch Organogenese nennt, werden die Organe angelegt. Anschließend beginnt die sogenannte Fetogense – das Ungeborene wird fortan (und bis zur Geburt des Neugeborenen) als Fötus bezeichnet.

Die Unterscheidung in Frühabort und Spätabort

  • Ein Frühabort geschieht bis einschließlich der 12. SSW
  • ein Spätabort ab der 13. bis einschließlich der 24. SSW

Ab der 24. SSW und mit einem Mindestgewicht von 500 Gramm hätte das Kind als Frühgeburt in intensivmedizinischer Behandlung wahrscheinlich überlebt. Die meisten Fehlgeburten verlaufen als Frühabort und unbemerkt - noch bevor sich die befruchtete Eizelle eingenistet hat. Vielleicht wusste die Frau nicht mal, dass sie schwanger ist. Daher verkünden viele werdende Mütter ihre Schwangerschaft erst nach der zwölften SSW. Die psychisch besonders belastenden Spätaborte sind vergleichsweise eher selten.

Fehlgeburt oder Totgeburt?

Wenn das Kind ab der 24. SSW (letzte Woche des sechsten Monats) stirbt, wird nicht mehr von einem Abort, sondern von einer Totgeburt gesprochen. Der Fötus hat dann in der Regel ein Gewicht von über 500 Gramm. Totgeburten sind in Deutschland meldepflichtig und unterliegen der Bestattungspflicht.

 

Die Anzeichen einer Fehlgeburt

Ein Anzeichen für eine Fehlgeburt kann eine mittlere bis starke Blutung mit dem Ausscheiden von Blutpfropfen und Gewebestücken sein. Meist kommen ziehende, wehenartige Unterleibsschmerzen hinzu. Eventuell tritt leichtes Fieber auf. Gegen Ende der Schwangerschaft kann es zum Austreten von Fruchtwasser kommen. Gerade bei frühen Aborten in den ersten Schwangerschaftswochen nehmen Frauen die Fehlgeburt lediglich als vermeintliche, verspätete Periode wahr. Diese ist meist stärker und schmerzender. Embryo und Mutterkuchen werden vollständig ausgestoßen. Es handelt sich dann um einen vollständigen Abort. Eine Nachkontrolle beim Frauenarzt ist ratsam – vorrausgesetzt, die Frau bemerkt überhaupt, dass es sich um mehr als eine ungewöhnlich starke Periode handelt. 

Kommt es zu einem unvollständigen Abort, bei dem der Embryo nicht komplett ausgestoßen wird, ist in der Regel eine Ausschabung beim Arzt notwendig.

Ein so genannter verhaltener Abort geschieht vor allem in der Frühphase der Schwangerschaft. Der Fötus stirbt und verweilt zusammen mit der Plazenta unbemerkt wochen- oder gar monatelang in der Gebärmutter. Ein verhaltener Abort kann ohne Unterleibsschmerzen oder Blutungen ablaufen, häufig kommen aber leichte Blutungen oder bräunlicher Ausfluss vor. Da der Körper aufhört, Schwangerschaftshormone zu produzieren, können typische Anzeichen wie Übelkeit und Brustziehen wegfallen. (Aber: Es kann auch bei intakten Schwangerschaften passieren, dass recht plötzlich Brustspannen, Übelkeit oder andere körperliche Anzeichen der Schwangerschaft nachlassen.) Nur der Frauenarzt kann mittels Ultraschall und ggf. einer Blutuntersuchung feststellen, ob die Frau noch schwanger ist.   

Die typischen Symptome einer Fehlgeburt, also die Blutung und die Unterleibsschmerzen, ähneln denen einer Eileiterschwangerschaft.

 

Die Ursache einer frühen Fehlgeburt

60% der Frühaborte verlaufen aufgrund schwerer Fehlanlagen im kindlichen Erbgut. Es handelt sich dann um eine sog. Blasenmole oder ein Windei, wobei die Embryonalentwicklung gestört und die Anlage genetisch schwer geschädigt ist. Eine Fehlgeburt ist damit eine Maßnahme des Körpers, die bewirkt, dass kein Kind auf die Welt kommt, welches nicht überlebensfähig wäre. Auch Infektionen können gerade in der Frühschwangerschaft Fehlgeburten auslösen. Dazu zählen z.B. Röteln, Toxoplasmose und der Zytomegalievirus.

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Dann sollten Sie zum Arzt

Sie sollten schnellstmöglich zum Arzt gehen, wenn

  • eine Blutung ohne triftige Ursache (z. B. Geschlechtsverkehr) erfolgt
  • wehenartige Unterleibsschmerzen auftreten
  • keine Kindsbewegungen mehr spürbar sind (diese spürt man in der Regel erstmalig rund um die 20. SSW)
  • typische Schwangerschaftssymptome plötzlich ausbleiben

Aber: Nicht immer besteht ein Grund zur Panik. Blutungen oder Bauchschmerzen können ein Hinweis auf eine Fehlgeburt sein. Zwischenblutungen und Bauchschmerzen kommen häufig aber auch während einer intakten Schwangerschaft vor. Trotzdem sollten sie sicherheitshalber ärztlich abgeklärt werden.

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Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Wenn Krämpfe und Blutungen auf den Verlust des Kindes hindeuten, prüft der Arzt mittels Ultraschall Größe und Herzschlag des Kindes. Die Aufnahmen zeigen auch, ob nach einer möglichen Fehlgeburt Fötus und Plazenta ausgestoßen wurden. Zudem wird die Beschaffenheit der Gebärmutter kontrolliert und überprüft, ob der Muttermund geöffnet ist. Wenn dieser sich erweitert, wird eine Fehlgeburt wahrscheinlicher. Sollte eine Blutung erfolgen, wird ihre Stärke beurteilt. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über den Verlauf des Schwangerschaftshormons Beta-HCG. Sinkt es in der Frühschwangerschaft kontinuierlich, kann dies auf eine Frühgeburt hindeuten.

Bei einer drohenden Fehlgeburt erfolgt absolute Bettruhe und die Einnahme von Medikamenten, um den Verlust des Kindes abzuwenden.

 

Wann ist eine Ausschabung notwendig?

In den meisten Fällen wird nach einer Fehlgeburt eine Ausschabung der Gebärmutterinnenwand (instrumentelle Kürettage) durchgeführt. Der operative Eingriff (i. d. R. ambulant) dient der Entfernung der Plazenta- und Fruchthöhle in der Gebärmutter, denn diese können sich infizieren und eine Blutvergiftung auslösen (septischer Abort). Eine Ausschabung wird in der Regel bei unvollständigen oder verhaltenen Fehlgeburten angewandt – zumindest dann, wenn die Schwangerschaft schon fortgeschritten war und sich ein größerer Teil an Geweberesten angesammelt hat. Bei einer frühzeitigen Fehlgeburt in den ersten Schwangerschaftswochen ist eine Ausschabung meist nicht notwendig.

Stirbt das Kind in einer späteren Schwangerschaftsphase, ist es schon sehr weit entwickelt. Dann verabreicht der Arzt ein wehenförderndes Mittel. Es löst Gebärmutterkontraktionen aus, sodass die Gewebereste abgestoßen werden. Danach erfolgt in der Regel die Ausschabung.

Einige Frauen möchten bei einem unvollständigen oder verhaltenen Abort warten, bis das Restgewebe auf natürliche Weise ausgestoßen wird. So können sie bewusst Abschied nehmen. Sollten keine medizinischen Gründe dagegen bestehen, kann dies individuell mit dem Arzt abgeklärt werden.

 

Wiederholte Fehlgeburt

Was tun, wenn es wieder nicht geklappt hat? Von einem habituellen Abort spricht man ab drei aufeinanderfolgenden Fehlgeburten. Ein Prozent aller Paare mit Kinderwunsch sind davon betroffen. Für sie ist dies sehr belastend. An der Frage nach dem "Warum?" zerbrechen viele. Sie machen sich Vorwürfe und denken, etwas falsch gemacht zu haben. In 40% der Fälle lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache finden.

Mögliche Ursachen können u. a. sein:   

  • Abstoßungsreaktionen des mütterlichen Körpers (Immunologische Sterilität): Der Embryo besteht zur Hälfte aus den Genen des Vaters und wird vom weiblichen Organismus als körperfremd betrachtet - er möchte ihn abstoßen. Um dieser Reaktion entgegenzuwirken, werden Antikörper produziert. Ist der Immunmechanismus gestört, wird der Embryo abgestoßen.
  • Fehlbildungen/Verwachsungen an den mütterlichen Geschlechtsorganen:
  1. Myome (gutartige Knoten der Gebärmutter)
  2. Eine zusätzliche Trennwand in der Gebärmutterhöhle
  3. Eine doppelte Gebärmutter
  4. Ein zu nachgiebiger Muttermund, der sich frühzeitig öffnet, wenn die Gebärmutter wächst (Zervix-Insuffizienz)

Sollte es zu einer zweiten Fehlgeburt kommen, können weitere ärztliche Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Chromosomenanalyse von Mann, Frau und Embryo bzw. Fötus
  • Hormonuntersuchung im Blut der Frau, zur Aufdeckung möglicher Hormon- oder Stoffwechselerkrankungen
  • Scheiden- und Gebärmutterhalsabstrich zur Feststellung möglicher Infektionen
  • Vaginalultraschall, Gebärmutterspiegelung, Hysterosalpingografie (innere Darstellung von Gebärmutter und Eileitern) zur Aufklärung möglicher organischer Veränderungen, z.B. in der Gebärmutter

Nicht immer sind diese teils belastenden Untersuchungen ergiebig, weshalb der Arzt oft zu einem dritten Schwangerschaftsversuch rät.

Behandlung

Hormonelle Ungleichgewichte können mit Hormonpräparaten behandelt werden. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes müssen bei der richtigen Behandlung kein Hindernis für eine erneute Schwangerschaft sein. Fehlbildungen der Gebärmutter können operativ korrigiert werden. Bei der Zervix-Insuffizienz bestehen Therapiemöglichkeiten.     

 

Die Zeit nach der Fehlgeburt

Krankschreibung nach einer Fehlgeburt?

Arbeitsrechtlich besteht nach einer Fehlgeburt kein Mutterschutz. Allerdings ist die psychische und physische Belastung der Mutter sehr hoch – gerade, wenn das Kind im späteren Stadium verloren wurde. So wird Betroffenen das „Wochenbett“ nahegelegt: Es beschreibt einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen nach der Entbindung bzw. dem Verlust des Kindes. Er dient der mütterlichen Erholung und der Rückbildung der durch die Schwangerschaft hervorgerufenen Veränderungen.

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Psychologische Betreuung der Eltern

Gerade eine späte Fehlgeburt ist für das Elternpaar psychisch sehr belastend. Die Trauer, oftmals begleitet von Schuldgefühlen und Vorwürfen, ist alleine nicht immer zu verarbeiten. Eltern können eine psychologische Begleitung beanspruchen. Sie ermöglicht einen erträglichen und zukunftsorientierten Umgang mit dem Verlust und der tiefen Trauer. Auch bei stetig unerfülltem Kinderwunsch gibt es Therapiemöglichkeiten.

Abschied nehmen

Ein realer Ort der Trauer ist für viele Eltern sehr wichtig, um das verstorbene Kind zu würdigen und gebührend zu trauern. So kann es als sogenanntes "Sternenkind" gemeinsam mit anderen Sternenkindern bestattet werden. Dies wird zum Teil direkt von den Krankenhäusern angeboten.

 

Erneute Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt?

Ärzte raten, man solle – zumindest nach einer späteren Fehlgeburt – mindestens drei Monate bis zu einem erneuten Schwangerschaftsversuch warten. Dies erscheint sinnvoll, denn die Gebärmutter muss sich erholen. Auch weitere, durch die Schwangerschaft hervorgerufene Veränderungen sollten sich zunächst zurückbilden. Es gibt allerdings auch eine amerikanische Studie, die diese Drei-Monats-Regel nicht so eng sieht. Ganz wichtig ist: Nicht den Mut verlieren. Nach einer oder gar zwei Fehlgeburten gibt es auch ohne Therapie gute Chancen, wieder schwanger zu werden. Selbst nach drei Fehlgeburten wird in über 50% der Fälle dennoch eine gesunde Schwangerschaft ausgetragen.

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Quellen:

  • GESUNDHEIT HEUTE; das Handbuch für Schulmedizin, Naturheilkunde und Selbsthilfe; Dr. med. Arne Schäffler
  • HANDBUCH GESUNDHEIT; medizinisches Wissen und ärztlicher rat für die ganze Familie; MSD Manual

 

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