Wie die Wissenschaft die Fastenzeit für sich entdeckt

Silvia Pucyk

Die Fastenzeit - ein Privileg religiöser und esoterischer Menschen? Mittlerweile empfehlen sogar Wissenschaftler, ganz bewusst für einen klar definierten Zeitraum nichts bzw. kaum etwas zu essen. Warum dieser Verzicht dem Körper gut tun soll, erfahren Sie bei PraxisVITA.

Eine Frau trägt Äpfel in ihrem Kleid
Nur noch leichte Kost? Es gibt verschiedene Formen des Fastens. Nicht alle setzen aufs Kalorienzählen © Milkos/iStock

Ein Reizwort, das Fastenbefürworter und deren Kritiker lange Zeit umtrieb, waren die „Schlacken“. Diese vermeintlichen Schadstoffe müssten regelmäßig aus dem Körper entfernt werden, argumentierten die Fastenbefürworter, während die Kritiker behaupteten, dass es Schlacken gar nicht gäbe. Der Körper würde überschüssiges Material eigenständig über Nieren, Darm, Lunge und Haut ausscheiden. Eine Fastenzeit einzulegen, sei daher aus medizinischer Sicht unnötig.

 

Nobelpreisträger liefert wichtige Argumente für die Fastenzeit

Mittlerweile hat sich allerdings das Bild vieler Ärzte geändert. Womöglich auch deswegen, weil der japanische Forscher Yoshinori Ohsumi 2016 den Nobelpreis für seine Entdeckungen rund um Zellprozesse erhalten hat. Ohsumi lieferte mit seinen Arbeiten auch wichtige Argumente, die für die Einhaltung der Fastenzeit sprechen. Demnach profitiert der Körper, wenn für einen längeren Zeitraum nichts gegessen wird. Die Zellen würden in solchen Fällen auf körpereigene Ressourcen zurückgreifen. Dabei werden alte oder defekte Zellen entfernt, gleichzeitig gewinnt der Körper Energie. Ohsumi nannte diesen Prozess „Autophagie“. Weniger Essen bedeutet demnach weniger Arbeit für den Körper. Denn wo weniger Energie für den Stoffwechsel verbraucht wird, da wird der Organismus entlastet. Doch wie viel darf eigentlich während der Fastenzeit gegessen werden?

Eine Frau isst einen Muffin
Fastenzeit bedeutet nicht immer Verzicht. Wissenschaftler betonen, dass Pausen zwischen den Mahlzeiten entscheidend für einen langfristigen Gewichtsverlust sind© GlobalStock/iStock

Traditionell wurde zur Fastenzeit von Montag bis Samstag auf Fleisch verzichtet. An Sonntagen musste nicht gefastet werden. Unabhängig von der religiös geprägten Fastenzeit hat sich das sogenannte „Intervallfasten“ durchgesetzt. Dabei stehen weniger spirituelle Erfahrungen im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, sein Gewicht langfristig zu reduzieren. Viele Menschen, die das Intervallfasten ausprobiert haben, sind von der Methode beigeistert, weil sie es tatsächlich geschafft haben, abzunehmen. Eine eindeutige wissenschaftliche Studienlage fehlt allerdings bisher hierzu. Beim Intervallfasten gibt es aber noch weitere Vorteile: Fasten hat demnach eine anti-entzündliche Wirkung. Davon könnten u.a. Rheuma-Patienten profitieren. Diabetiker haben in der Regel erhöhte Blutzuckerwerte, die durch den Verzicht auf Nahrung gesenkt werden könnten. Denn: Weniger Essen bedeutet einen niedrigeren Insulinspiegel.

Eine Brühe mit frischem Gemüse
Brühe ist ein fester Bestandteil vieler Fastenarten© margouillatphotos/iStock
 

Es gibt drei Formen beim Intervallfasten:

Fünf Tage essen, zwei Tage fasten: Bei der sogenannten „5:2-Methode“ werden pro Woche zwei Fastentage eingelegt. In dieser Zeit sollte allerdings nicht komplett auf Nahrung verzichtet werden. Frauen dürfen maximal 500 Kilokalorien zu sich nehmen, während für Männer 600 Kilokalorien vorgesehen sind. Achten Sie darauf, viel zu trinken. Erlaubt sind Wasser, Tee und Kaffee pur. An den übrigen fünf Tagen können Sie essen, worauf Sie Lust haben. Versuchen sie allerdings, die empfohlene tägliche Kalorienzahl nicht zu überschreiten (Männer: ca. 2000 kcal, Frauen: ca. 1800 kcal).

Abwechselnd fasten und essen: „Alternate Day Fasting“ bedeutet, dass an einem Tag gegessen und am darauf folgenden Tag gefastet wird. Immer im Wechsel, essen, fasten, essen usw.

16 Stunden ohne Essen: Das ist das Prinzip der „16:8- Methode“. Jeden Tag wird 16 Stunden auf Nahrung verzichtet, in den verbleibenden acht Stunden darf gegessen werden. Mediziner empfehlen, drei Hauptmahlzeiten ohne zwischendurch zu snacken. Wer beispielsweise auf das Abendbrot verzichtet und die Schlafzeit miteinberechnet, schafft es leicht, 16 Stunden lang nichts zu essen.

Wichtig: Für welche Form des Fastens Sie sich auch immer entscheiden – sprechen Sie vorab mit einem Arzt über Ihre Pläne. Bei Krankheiten wie Herz- und Nierenerkrankungen, sowie Krebserkrankungen, Gicht oder Gallenprobleme raten Mediziner davon ab, für einen längeren Zeitraum auf Nahrung zu verzichten.

 

Ideen für kalorienarme Rezepte

Eine Frau schneidet Gemüse
Frisches Gemüse ist nicht nur schmackhaft, sondern auch kalorienarm und damit ideal für die Fastenzeit© Neustockimages/iStock

Frühstück: Brötchen, Obstsalat und Kaffee (ca. 499 kcal)

Zutaten

2 Roggen-Vollkornbrötchen

1 gekochtes Ei

2 TL Frischkäse

125 Gramm Obstsalat

100 Gramm Joghurt

1 Tasse Kaffee pur

Zubereitung

Brötchen mit Frischkäse bestreichen oder Ei drauflegen und mit den Gurkenscheiben garnieren. Den Joghurt und die Obststücke mischen und zum Frühstück einen Kaffee (ohne Zucker und Milch) genießen.

Mittagessen: Bunte Nudeln in Gemüsesoße (ca. 498 kcal)

Zutaten

2 kleine Möhren

1 kleine Zucchini

1 Stange Lauch

150 Gramm Vollkornnudeln

2 EL Olivenöl

125 ml Gemüsebrühe

Zubereitung

Gemüse klein schneiden und in der Pfanne mit Olivenöl anbraten. Gemüsebrühe hinzugeben. Die Nudeln in Salzwasser kochen und nach etwa drei Minuten in die Gemüsepfanne geben. Mit etwas Pfeffer würzen und fertig ist das schmackhafte Gericht.   

Abendessen: Reis mit Blumenkohl und Pilzen (ca. 500 kcal)

Zutaten

400 g Blumenkohl

2 Zehen Knoblauch

1 mittelgroße(s) Zwiebel(n)

500 g Pilz(e)

1 EL Olivenöl

250 ml Gemüsebrühe

1 TL Chiliflocken

1 Bund Thymian

1 Prise Salz

1 Prise Pfeffer

Zubereitung

Geben Sie den Reis in einen Topf mit Salzwasser und bereiten Sie diesen gemäß der Zubereitungshinweise zu. Zwiebel und Knoblauch klein schneiden und in der Pfanne in Öl andünsten. Anschließend das Gemüse mundgerecht zerkleinern und in die Pfanne geben. Nach etwa zehn Minuten geben Sie die Gemüsebrühe hinzu und schmecken Ihr Gericht mit Thymian, Salz und Pfeffer ab. Weitere zehn Minuten köcheln lassen und fertig ist das leckere und kalorienarme Abendessen.

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.