Familienurlaub: Das gehört in jede Reiseapotheke

Dr. med. Nadine Hess

Vor jedem Urlaub stellt sich wieder die Frage nach der richtigen Reiseapotheke. Natürlich unterscheidet sie sich je nach Reiseziel, aber als Grundstock sollte jede Familie ungefähr das gleiche einpacken. Was sollte also unbedingt dabei sein? Was muss ich mir vom Arzt verschreiben lassen und wie sieht es eigentlich mit Impfungen aus?

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Egal, ob es an die Nordsee oder nach Indonesien geht – eine Reiseapotheke sollte jeder mitnehmen. Essentiell sind Utensilien für kleinere Wunden“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Egal, ob es an die Nordsee oder nach Indonesien geht – eine Reiseapotheke sollte jeder mitnehmen. Essentiell sind Utensilien für kleinere Wunden. Ein desinfizierendes Wundspray auf alkoholfreier Basis (sonst brennt es) sollte dabei sein, ebenso ein paar sterile Kompressen, sterile Pflaster und Verbandsmull. Unabhängig davon, wo man hin reist, sollte der Tetanusschutz intakt sein, mit Tetanus kann man sich selbst durch Bagatellverletzungen infizieren. Hat man einmal einen Impfschutz aufgebaut, muss alle 10 Jahre nachgeimpft werden, um weiter geschützt zu sein. Da die meisten im Familienurlaub mehr laufen als im Alltag, sollten auch Blasenpflaster eingepackt werden – die haben schon so manchen Ausflug gerettet.

 

Reisekrankheit: Mittel gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

Auch ein Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen gehört in die Reiseapotheke. Hier empfiehlt sich ein Präparat wie Dimenhydrinat, das zum einen gegen die Reisekrankheit hilft und zum anderen gegen Übelkeit und Erbrechen an sich. Doch hier ist Vorsicht geboten: Wenngleich frei verkäuflich, ist das Medikament nicht ungefährlich. Bei Überdosierung drohen insbesondere bei Kindern schwere Nebenwirkungen. Halten Sie sich also unbedingt an die Maximaldosierungen. Da bei Magen-Darm-Erkrankungen der Flüssigkeits- und Salzhaushalt durcheinander gerät, ist es ratsam, Elektrolytpulver mitzunehmen, das genau dies wieder ausgleicht. Sie werden einfach in Wasser aufgelöst (kein Wasser aus dem Hahn, sondern aus der Flasche nehmen) und über den Tag verteilt schluckweise getrunken – je nach Präparat ein oder mehrere Beutelchen. Anti-Durchfallmittel dürfen bei Kindern erst ab acht Jahren eingesetzt werden und sind auch nur bei starken Durchfällen sinnvoll. Denn eigentlich ist Durchfall nur ein cleverer Versuch des Körpers, die Erreger, die den Magen-Darm-Infekt ausgelöst haben, schnellstmöglich nach draußen zu befördern.

Mutter packt mit Tochter den Koffer
In die Reiseapotheke für den Familienurlaub sollten Sie Mittel gegen Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Insektenstiche und zur Wundversorgung packen© imago
 

Vorbereitet sein auf Schmerzen, Fieber, Insektenstiche und Hautverletzungen

Unbedingt dabei sein sollten auch Schmerz- und Fiebermittel. Ob Ibuprofen, Paracetamol oder für Erwachsene (weil bei Kindern kontraindiziert) Acetylsalicylsäure, ist jedem selbst überlassen. Eine Wund- und Heilsalbe für kleine Schürfwunden schadet nie. Ebenso sollten Sie ein kühlendes, antiallergisches Gel gegen Insektenstiche einpacken. Neigt man zu Allergien, darf ein Antiallergikum nicht fehlen.

Sonnencreme zählt nicht unbedingt zur Reiseapotheke, ist mir persönlich aber ein Anliegen. Bitte wählen Sie ein Präparat mit hohem Lichtschutzfaktor, wenn Sie zur Bevölkerung mit eher hellem Teint gehören. Auch mit einem Lichtschutzfaktor 30 oder 50 wird man braun – eben nur nicht rot und die Haut nimmt keinen Langzeitschaden. Ist es doch mal passiert und zu einem Sonnenbrand gekommen, tragen Sie ein kühlendes Après-Sun-Gel auf. Beobachten Sie Blasenbildung, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

 

Rechtzeitig an Reiseimpfungen denken

Wenn Sie nicht gerade an die Nordsee, sondern in exotischere Regionen der Erde verreisen möchten, sollten Sie sich rechtzeitig an Ihren Arzt wenden und mit ihm besprechen, ob noch zusätzliche Impfungen wie Hepatitis A und B, Typhus oder ähnliches notwendig sind. Mittlerweile tragen sogar einige gesetzliche Krankenversicherungen Reiseimpfungen. Auch, ob noch weitere Medikamente sinnvoll mitzunehmen sind oder beispielsweise eine Behandlung mit Blutverdünnern für Langstreckenflüge erfolgen sollte, kann der Hausarzt Ihnen beantworten.

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