Falscher Corona-Immunitätsausweis in Umlauf: Ärztekammer warnt

Sarah Klas

Eine Hamburger Firma bietet einen unseriösen Immunitätsausweis an. Die Ärztekammer warnt eindringlich.

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Die Hambuger AU-Schein GmbH wirbt derzeit für einen Corona-Immunitätsausweis. Dieser soll bestätigen, dass jemand bereits an COVID-19 erkrankt ist und nun immun sei. Für 29 Euro verkauft das Unternehmen die Pässe. Drei Monate lang sind sie gültig. Ärztekammer und Ethikrat warnen jedoch vor „unseriösen und irreführenden Angaben“. Die Ärztekammer warnt ausdrücklich vor dem unseriösen Dokument.

Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, erklärt, warum ein solcher Ausweis sinnlos ist: „COVID-19 ist eine Krankheit, die noch nicht lange bekannt ist. Uns fehlen Langzeitdaten.“ Genau deshalb ist noch unklar, ob Menschen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, nach ihrer Genesung immun sind. Auch über die weitere Ansteckungsrate gibt es bisher keine Daten. Es kann durchaus sein, dass sich auch bereits Infizierte erneut anstecken und das Virus weiterverbreiten können.

„Mit einem solchen Produkt zu werben, gaukelt Menschen eine Sicherheit vor, die dieser Ausweis überhaupt nicht bieten kann“, warnt Emami weiterhin. Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Mund-Nasen-Schutz tragen seien die bisher sichersten Maßnahmen.

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Wird ein Immunitätsausweis die Gesellschaft spalten?

Sobald es belastbare Erkenntnisse darüber gibt, ob ein mit Corona Infizierter nach der Erkrankung immun ist, solle es eine Bescheinigung darüber geben – ähnlich wie ein Impfpass. Schon seit Ende März beschäftigt sich das Bundeskabinett mit dem Vorhaben, Gesundheitsminister Jens Spahn hält noch immer an dieser Idee fest. Doch bevor es einen möglichen Immunitätsausweis geben soll, überprüft der Ethikrat, welche sozialen Auswirkungen ein solcher Nachweis mit sich bringt.

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Diskutiert wird besonders, wie sinnvoll ein Nachweis wäre. Auch Dr. Emami sieht das kritisch: „Soll der Inhaber in bestimmten Situationen bevorzugt werden? Oder Menschen ohne Ausweis benachteiligt?“ Immunitätspässe könnten Menschen in Infizierte und Infizierende kategorisieren. Das kann schenll einen Keil in die Gesellschaft treiben. 

Speziell im Bezug auf kommerzielle Immunitätsausweise warnt auch Martina Wenker, Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin, die Bevölkerung: „Das ist Etikettenschwindel! Ich halte es für ausgesprochen gefährlich, hier eine Scheinsicherheit zu suggerieren. Da hört das geschäftemachen auf.“ Vorteile haben Passbesitzer übrigens nicht. Gesetzlich muss sich jeder und jede an geltende Corona-Regeln halten. 

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