Expertenrat: Behandlungsoptionen bei unruhigen Beinen

Folsäure schützt vor Restless Legs
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Folsäure und Eisen kann die Restless-Legs-Symptomatik abschwächen © Fotolia

Brennen, Zucken und Schmerzen in den Beinen: für circa zwei Millionen Deutsche der nächtliche Horror. Das Restless-Legs-Syndrom ist zwar nicht heilbar, aber mit neuen Therapien gut behandelbar. Wir verraten Ihnen, welche Maßnahmen Linderung versprechen.

Wenn Mediziner von "Restless Legs" sprechen, meinen sie unruhige Beine. Welchem Leidensdruck Betroffene ausgesetzt sind und wie ihnen heute geholfen werden kann: Experten klären darüber auf.

 

Was ist typisch für die Krankheit?

Wie schon der Name sagt: Unruhe, Krämpfe sowie schmerzhaftes Kribbeln und Stechen in den Beinen. Typisch ist auch das Gefühl, sich bewegen zu müssen. Das tun die Betroffenen dann auch: Sie stehen nachts oft auf und gehen herum. Durch die Bewegung verschwinden die Beschwerden zunächst auch wieder.

 

Wann machen sich die Symptome besonders stark bemerkbar?

Immer in Ruhephasen, also vor allem nachts. In einem fortgeschrittenen Stadium ist aber auch kein Mittagsschlaf oder fernsehen auf dem Sofa mehr möglich. Die Betroffenen müssen ständig in Bewegung sein. Sie sind auch nicht mehr in der Lage, eine sitzende Bürotätigkeit auszuüben. Die Krankheit ist wirklich extrem unangenehm, denn Sie können keine Nacht mehr durchschlafen. Durch das Herumlaufen verschwinden die Beschwerden zwar, aber bei Ruhe kommen sie sofort oder spätestens nach zwei Stunden zurück. Dann beginnt das Spiel von vorn. Der chronische Schlafmangel und die ständigen Schmerzen treiben Betroffene manchmal bis an den Rand des Selbstmords.

 

Wer ist besonders gefährdet?

Frauen häufiger als Männer. In der Regel tritt die Krankheit ab 40 oder 50 Jahren auf. Bei jungen Leuten nur ganz selten. Immerhin sind ca. 10 Prozent der Bevölkerung betroffen.

 

Kennt man eigentlich die genauen Ursachen für die Beschwerden?

Alle Hintergründe kennen Ärzte noch nicht. Aber man hat nachgewiesen, dass vorrangig eine Störung im zentralen Nervensystem die Ursache ist. Der Eisen- und Dopaminstoffwechsel sind gestört. Oft liegt auch eine familiäre Veranlagung vor. Restless Legs können aber auch im Rahmen von anderen Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen oder Polyneuropathien auftreten. Bei Letzteren sind die feinen Nervenenden in Füßen und Unterschenkeln geschädigt. Typische Symptome sind Brennen und Taubheitsgefühl, bei den Füßen beginnend.

 

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Sehr häufig wird mit Medikamenten behandelt, die eigentlich zur Therapie von Morbus Parkinson zugelassen sind. Ihre Wirkung erklärt man damit, dass sie Dopamin enthalten. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Nervensystem, der die körperliche und seelische Aktivität mitsteuert. Nachteil: Mit den Jahren muss die Dosis in der Regel erhöht werden. Ein anderer Therapieansatz: Man gibt Schmerzmittel als Tablette oder Schmerzpflaster. Damit kann man die Beschwerden zwölf bis 24 Stunden in Schach halten. Vorteil dieser Medikamente: Die Dosierung bleibt über Jahre konstant, muss nicht erhöht werden. Aber wie die Dopamin-Präparate müssen auch die Schmerzmittel meist das ganze Leben lang eingenommen werden. Denn Restless Legs ist heute noch nicht heilbar. Welches dieser Mittel eingesetzt wird, hängt unter anderem von der individuellen Verträglichkeit ab. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Verstopfung.

 

Gibt es noch weitere Therapien?

Ja. Zum Beispiel die Katheter-Methode, die in speziellen Kliniken entwickelt wurde. Sie kann angewandt werden, wenn Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch unterhalb der Gesäßfalte eingelegt. Die Einpflanzung erfolgt über eine Kanüle, es muss also nicht geschnitten werden. Dann wird über den Katheter völlig schmerzfrei ein örtliches Betäubungsmittel gespritzt. Es blockiert das Stress-Nervensystem und fördert die Durchblutung. Nach drei bis vier Wochen hat sich der Nerv beruhigt, die Restless-Legs-Beschwerden verschwinden. Nicht immer, aber häufig. Ob diese Methode infrage kommt, kann nur ein Experte entscheiden. Die Behandlung erfolgt stationär. Die Kosten übernehmen alle Kassen auf Nachfrage.

 

Welcher Facharzt ist der richtige?

Allgemein gilt, dass nicht alle Ärzte Erfahrung mit dem Restless-Legs-Syndrom haben. Für die ambulante Behandlung ist normalerweise der Neurologe zuständig. Klappt die Einstellung mit Medikamenten nicht, sollte man sich an eine Schmerzklinik wenden, die sich darauf spezialisiert hat.

 

Können Betroffene selbst etwas gegen die Beschwerden tun?

Ehrlichweise muss man zugeben, dass es da nur sehr wenige Möglichkeiten gibt. Manchen hilft es durchaus etwas, die Beine zu kühlen oder mit Alkohol abzureiben. Eine ausreichende Aufnahme von Vitamin B12, Folsäure und Eisen sollte in jedem Fall gesichert sein. Manchmal hilft Magnesium. Fragen Sie aber vorher den Arzt.

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