Es ist gut, darüber zu reden!

Selbstwertgefühl in der Gruppe stärken
In der Gruppe wird gemeinsam an Problemlösungen gearbeitet und so das Selbstwertgefühl gestärkt © hbvpic

Parkinson, Krebs, Sucht: Der Austausch mit Leidensgenossen wirkt heilend – das haben Forscher bewiesen

Es ist Mittwoch, 19 Uhr. Für Eva Klein (69) aus Berlin ein ganz besonderer Termin. Denn seit zehn Monaten geht sie zu einer Selbsthilfe-Gruppe. Der Grund: Wiederholte Angst-Zustände, die sie seit dem Tod ihres Mannes plagen. Der Hausarzt behandelte sie zuerst nur medikamentös – doch dann empfahl er ihr zusätzlich eine moderne Gesprächs-Therapie.

„Ich habe lange gezögert, bevor ich mich dort gemeldet habe. Ich wusste nicht, ob ich vor Fremden über meine Probleme reden kann“, erinnert sich die Rentnerin. Doch nach dem ersten Treffen sind die Ängste verflogen: „Zu spüren, dass die anderen mein Schicksal teilen, hat mir viel Mut gemacht“, erklärt die Teilnehmerin.

Die Witwe ist kein Einzelfall: Rund 3,5 Millionen Deutsche suchen in Selbsthilfe-Gruppen Unterstützung. Mit Erfolg: Regelmäßige Gruppen-Sitzungen stärken die Zuversicht, die eigene Situation bewältigen zu können, und steigern das psychische Wohlbefinden, wie wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen.

Gruppen-Gespräche gibt es heute für fast alles: Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder Alkoholismus, aber auch Kaufsucht, Suizidgefahr, Arbeitslosigkeit und diverse andere Probleme – in Deutschland arbeiten mittlerweile mehr als 70 000 Selbsthilfe-Gruppen.

 

Besonders hilfreich als Begleit-Therapie

Ziel dieser freiwilligen Zusammenschlüsse von Menschen ist die gemeinsame Bewältigung der Probleme. Doch Vorsicht: Die Gruppen-Sitzung sollte immer nur eine Begleit-Therapie sein. Denn sie wird in der Regel nicht von Ärzten oder Psychologen geleitet, sondern von ehemaligen oder auch aktuell Betroffenen. Daher ist die ärztliche Betreuung als Hauptbestandteil einer Behandlung unverzichtbar.

Eva Klein geht es heute deutlich besser: „Ich erlebe immer noch schwere Stunden. Doch heute weiß ich: Ich bin mit meinen Sorgen nicht allein. Meinen Kummer mit der Gruppe zu besprechen, nimmt mir einen großen Teil der Angst.“

Wenn Sie selbst eine passende Selbsthilfe-Gruppe suchen, wählen Sie die Service-Nummer der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfe-Gruppen (NAKOS): 030/31 01 89 60. (Di., Mi., Fr.: 10-14 Uhr, Do.: 14-17 Uhr).

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