Erstes Baby mit drei genetischen Eltern geboren

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Dr. Zhang mit Baby
Dr. Zhang mit dem Baby, das zur Medizin-Sensation geworden ist. © YouTube

Erstmals ist es Ärzten gelungen, ein Baby auf die Welt zu bringen, das aus der DNA dreier verschiedener Menschen gezeugt wurde. Mit der neu entwickelten Befruchtungstechnik können Paare trotz Gendefekten Kinder bekommen, ohne die Erbschäden weiterzuvererben.

Im aktuellen Fall hatte ein Paar aus Jordanien über einen Zeitraum von fast 20 Jahren versucht, eine Familie zu gründen. Die Mutter leidet unter dem sogenannten Leigh-Syndrom, das zu einer fehlerhaften Entwicklung des Nervensystems und zu Hirn-Schäden führt. Diese durch Gen-Defekte in den Mitochondrien (vererbbare Mitochondriopathie) der Zelle verursachte Erkrankung wird nur von Frauen weitergegeben. Auch im aktuellen Fall vererbte die Frau, die selbst keine Symptome hat, den Gen-Defekt bei jeder ihrer sechs Schwangerschaften an das Baby, es kam zu vier Fehlgeburten. Eine Tochter des Paares starb im Alter von sechs Jahren an den Folgen des Leigh-Syndroms, ein später geborener Sohn im Alter von acht Monaten.

 

Kann man defekte DNA ersetzen?

Das Paar gab jedoch nicht auf und wandte sich an den New Yorker Befruchtungsspezialisten Dr. John Zhang. Dieser hatte ein Verfahren entwickelt, bei dem die defekte DNA aus den Mitochondrien bei der Befruchtung nicht weitergegeben wurde. Dazu entnahmen Zhang und sein Team aus Reproduktionsmedizinern den Nucleus aus der Eizelle der Mutter und setzten ihn in eine gespendete Eizelle ein, bei der der Kern zuvor entfernt worden war. Die defekten Mitochondrien, die sich außerhalb des Zellkerns befinden, wurden somit nicht mitübertragen. Die Mitochondrien der neuen Eizelle stammten von der gesunden Spenderin. Die DNA-Informationen aus dem Kern (Nucleus) der Eizelle stammten von der Mutter selbst. Damit waren bereits die DNA der Spenderin und die der Mutter im neu geschaffenen Ei enthalten. Die zur Befruchtung nötigen Spermien des Vaters lieferten dann die DNA des „dritten Elternteils“. Anschließend wurde der Mutter das im Labor befruchtete Ei eingesetzt, nach neun Monaten brachte sie einen gesunden Jungen zur Welt.

 

Ein Junge mit drei Eltern

Da das als Spindel-Transfer bezeichnete Verfahren in den USA und vielen anderen Ländern bislang verboten ist, praktizierten Zhang und sein Team im benachbarten Mexiko. Die Ärzte betonen jedoch, dass ihr Vorgehen ethisch nicht bedenklich sei. Tatsächlich werden beim Spindel-Transfer, im Gegensatz zu anderen Verfahren der Reproduktionsmedizin, keine lebensfähigen Embryonen getötet. Auch wählten die Mediziner mit Bedacht einen männlichen Embryo aus, damit dieser, im unwahrscheinlichen Fall, dass der Gen-Defekt doch übertragen wurde, die Krankheit nicht selbst weitervererben kann. Der Junge ist nach Angaben der Ärzte gesund. Zwar wurden auch in den Mitochondrien seiner Zellen mutierte Gene gefunden, deren sehr geringe Anzahl (ein Prozent) sei aber den Ärzten zufolge nicht schwerwiegend genug, um zu gesundheitlichen Schäden zu führen.

Hamburg, 28. September 2016

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