Erster Nachweis: E-Zigaretten lösen Krebs aus

Mann dampft E-Zigarette
Bislang galten E-Zigaretten als unbedenklich – anscheinend zu unrecht © Fotolia

E-Zigaretten schädigen Zellen auf eine Weise, die zu Krebs führen kann. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Veterans Affairs Healthcare Centers in San Diego, USA. Die Schäden waren auch bei den nikotinfreien Varianten zu beobachten – dann jedoch in schächerer Form. Weil E-Zigaretten keinen Tabak enthalten, waren sie bislang vom Verkaufsverbot an Jugendliche ausgenommen. Mit neuen Regeln zum Jugendschutz ändert sich das jetzt.

 

Update 04.04.2016: Verkaufsverbot für E-Zigaretten an Jugendliche

Experten warnen seit längerem vor den Gesundheitsgefahren durch elektronische Zigaretten. „Unsere Studie weist sehr deutlich darauf hin, dass elektronische Zigaretten nicht annähernd so sicher sind, wie die Hersteller behaupten“, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Oral Oncology. Daher erlauben Gesetzesänderungen zum Jugendschutz den Verkauf ab 1. April nicht mehr an Minderjährige. Gleiches gilt für den Erwerb von E-Shishas. Da E-Zigaretten keinen Tabak enthalten, waren sie bislang vom Verkaufsverbot an Jugendliche ausgenommen. Das neue Verkaufsverbot gilt auch für den Versandhandel. Darüber hinaus dürfen weder Tabakwaren noch E-Zigaretten oder E-Shishas von Arbeitgebern an Jugendliche weitergereicht werden. Das besagen entsprechende Änderungen im Jugendschutzgesetz.

 

Streit um E-Zigaretten

Seit einigen Jahren streiten Wissenschaftler über Nutzen und Schaden von E-Zigaretten. Im Kern stand bislang die Frage: Können E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen oder verführen sie Nichtraucher zum Rauchen? Der Dampf der E-Zigaretten galt bislang als relativ unschädlich – doch ohne konkrete wissenschaftliche Grundlage. Erste Untersuchungen kratzen jetzt an diesem Image. Schon vor einigen Wochen konnte eine Studie zeigen, dass aromatisierte E-Zigaretten zur sogenannten Popcorn-Lunge führen können.

Die schlechte Studienlage zu E-Zigaretten bemängelt auch Dr. Jessica Wang-Rodriguez, die Leiterin der aktuellen Untersuchung: „Es gab bislang keine gute Laboruntersuchung von den Effekten dieser Produkte auf menschliche Zellen!“

 

Schwere Zellschäden durch E-Zigaretten

Um das zu ändern, extrahierte sie zusammen mit ihrem Team Teile des Dampfs von E-Zigaretten zweier großer Hersteller. Diesen Extrakt vermengten sie dann in Petrischalen mit menschlichen Zellen. Die Folge: Die Zellen zeigten verschiedenste Formen der Schädigung, darunter auch sogenannte Strangbrüche. Das sind Brüche im strickleiterartigen System der DNA. Sie sind für den Körper schwer zu reparieren und gelten als Ursprung von Krebszellen.

Bei ihrem Experiment nutzten die Wissenschaftler E-Zigaretten mit und ohne Nikotin. Beide führten zu den beschriebenen Schäden, der jedoch bei den nikotinhaltigen E-Zigaretten größer ausfiel.

„Es gibt viele Studien, die zeigen, das Nikotin Zellen schädigt“, sagt Wang-Rodriguez. Aber bei den E-Zigaretten sei es nicht der einzige Stoff mit dieser Wirkung. „Es muss weitere schädliche Substanzen in den E-Zigaretten geben, die bisher noch unerkannt sind.“ Diese wolle sie mit ihrem Team nun genau bestimmen. 

Hamburg, 30. Dezember 2015

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