Erste Kindsbewegungen: Ab wann spürt man sein Baby?

Miriam Mueller-Stahl stellvertretende Managing Editor

Für werdende Mütter ist Spüren der ersten Kindsbewegungen einer der am sehnlichsten erwarteten Momente der Schwangerschaft. Aber ab wann spürt man sein Baby und wie fühlen sich die Kindsbewegungen an? Ein Experte erklärt, von welchen Faktoren es abhängt.

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Inhalt
  1. Erste Kindsbewegungen ab wann spürbar? Die Bedingungen
  2. Wann ist das Baby erst später spürbar?
  3. Ab wann spürt man sein Kind im Normalfall?
  4. Wie verändern sich die Kindsbewegungen im Schwangerschaftsverlauf?
  5. Ab wann kann der Partner das Baby spüren?
  6. Wie fühlen sich erste Kindsbewegungen an?
  7. Wodurch werden Babybewegungen ausgelöst?
  8. Warum sollten Schwangere die Kindsbewegungen nicht zählen?

Viele Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, denken, dass sie das Baby doch auch ziemlich schnell spüren müssen. Doch die ersten Kindsbewegungen lassen einige Zeit auf sich warten. Ab wann spürt man denn nun endlich sein Baby im Bauch? Gynäkologe Prof. Dr. med. Bühling erklärt, wann werdende Mütter ihr Kind wahrnehmen können.

 

Erste Kindsbewegungen ab wann spürbar? Die Bedingungen

Wann Sie Ihr Kind das erste Mal wahrnehmen können, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.

Folgende Bedingungen können dazu führen, dass Frauen ihr Baby früher wahrnehmen können:

  • Nicht die erste Schwangerschaft: Frauen, die bereits schwanger waren, spüren ihr Baby bereits früher als Erstgebärende. Sie wissen bereits, wie sich die Bewegungen des Kindes anfühlen und können diese dementsprechend früher erkennen.
  • Wer seinen Bauchraum kennt, ist sensibler: Leiden Sie häufiger unter Magen-Darm-Problemen? Dann könnte dies nun tatsächlich ein Vorteil sein, denn wer Veränderungen im Bauch gewohnt ist und seinen Bauchraum dementsprechend gut kennt, kann auch schneller erkennen, wenn sich etwas im Bauch plötzlich anders anfühlt.
  • Dünne Fettschicht am Bauch: Je dünner die Fettschicht am Bauch ist, desto besser sind die Kindsbewegungen wahrnehmbar. Schlankere Frauen merken die Kindsbewegungen dementsprechend früher.
 

Wann ist das Baby erst später spürbar?

Gynäkologe Prof. Dr. med. Kai J. Bühling, erklärt: „Schwangere mit einer Vorderwandplazenta spüren die Bewegungen eher später.“ Der Grund: Liegt die Plazenta zur Bauchdecke hin, dämpft sie die Bewegungen des Fötus.

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Ab wann spürt man sein Kind im Normalfall?

Frauen, die schon ein Kind zur Welt gebracht haben, können die Kindsbewegungen häufig schon um die 16. Schwangerschaftswoche wahrnehmen. Das kann auch für Schwangere gelten, die sehr sensibel sind, was ihren Körper betrifft, und ein gutes Körpergefühl haben.

Handelt es sich um die erste Schwangerschaft, sind die ersten Kindsbewegungen meist um die 20. Schwangerschaftswoche herum spürbar.

 

Wie verändern sich die Kindsbewegungen im Schwangerschaftsverlauf?

Zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche ist der Knochenbau des Kindes bereits gut entwickelt. Die Bewegungen sind bisher höchstens sehr leicht zu merken.

Zwischen der 19. und der 22. Woche ist das Baby bereits sehr aktiv und turnt fleißig in der Gebärmutter herum. Da es noch relativ klein ist, hat es ausreichend Platz, um sich in alle Richtungen zu drehen. Die meisten Schwangeren spüren in diesem Zeitraum die ersten Bewegungen ihres Kindes, welches sich durch Treten und Boxen bemerkbar macht.

Im letzten Trimester der Schwangerschaft kann es auch sein, dass Sie nachts durch die Bewegungen Ihres Kindes geweckt werden, denn in der letzten Phase der Schwangerschaft ist das Baby besonders aktiv. Die Kindsbewegungen verändern sich allerdings. Waren es im vorherigen Trimester noch Tritte und Boxbewegungen, werden Sie nun eher ein Ziehen oder Dehnen spüren.

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Ab wann kann der Partner das Baby spüren?

Gegen Ende der 22. Schwangerschaftswoche misst das Ungeborene etwa 28 Zentimeter und ist rund 500 Gramm schwer. Ab diesem Zeitpunkt kann das Baby sich schon ordentlich bewegen und auch bereits kräftig treten. Ab jetzt kann auch der Partner durch Handauflegen auf dem Babybauch den Nachwuchs deutlich spüren.

 

Wie fühlen sich erste Kindsbewegungen an?

Jede Frau erlebt ihre Schwangerschaft anders. Daher unterscheiden sich auch die Empfindungen, wie sich die ersten Kindsbewegungen anfühlen.

Die häufigsten Vergleiche:

  • wie zerplatzende Seifenblasen
  • wie Sprudelwasser
  • wie Schmetterlinge im Bauch

Das Baby macht sich im Mutterleib somit meist durch ein Kribbeln oder Flattern bemerkbar. Die ersten Bewegungen sind also ganz sanft. Laut Prof. Brühning bemerken viele schwangere Frauen die ersten Kindsbewegungen nicht, weil diese im stressigen Alltag untergehen.

Scheinbar ausbleibende Kindsbewegungen sind häufig falschen Erwartungen geschuldet. „Am häufigsten berichten Schwangere im Nachhinein, dass sie die Kindsbewegungen schon viel früher gespürt haben“, weiß der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Man sollte nämlich kein starkes Treten erwarten, sondern die ersten Kindsbewegungen werden am ehesten mit 'Blubberblasen' im Bauch beschrieben.“

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Wodurch werden Babybewegungen ausgelöst?

Ab der 23. Schwangerschaftswoche ist das Innenohr des Babys bereits voll ausgebildet. Dadurch kann es Geräusche von außen wahrnehmen und darauf reagieren.

Im positiven Sinne können Berührungen, Musik und auch das Singen oder Sprechen mit dem Kind dafür sorgen, dass das Baby mit Bewegung reagiert.

Doch es kann sich auch reflexartig bewegen, wenn es sich durch ein lautes Geräusch erschreckt.

Es ist also ebenfalls wichtig, dem Baby ausreichend Ruhe zu können, damit es sich entspannen und schlafen kann.

 

Warum sollten Schwangere die Kindsbewegungen nicht zählen?

Wenn sich die werdende Mutter erst einmal an die Bewegungen ihres Kindes im Bauch gewöhnt hat, ist es für sie meist ein beruhigendes Gefühl, wenn sich das Baby bemerkbar macht. Werdende Mütter sehen es als Anzeichen, dass es dem Kind gutzugehen scheint.

Es hält sich der hartnäckige Mythos: Wenn Sie zehnmal am Tag die Bewegungen Ihres Kindes spüren, geht es dem Kind gut. Diese Annahme ist jedoch völlig überholt und wurde bereits widerlegt. Der Mythos hat trotzdem immer noch weitreichende Folgen, da er Ängste bei Schwangeren schürt, die ihr Baby nicht zehnmal am Tag spüren.

Machen Sie sich also nicht verrückt und zählen Sie keinesfalls die Babybewegungen.

Denken Sie stattdessen daran, dass jedes Baby ein anderes Temperament hat. Einige sind aktiver, andere bewegen sich nicht so viel.

Zudem kann es an einem Tag auch träge sein und am nächsten Tag strotzt es vor Bewegungsdrang, auch Ihre Tagesform variiert schließlich.

Und zu guter Letzt: Ihr Baby schläft auch im Bauch bereits viel. Und wenn Sie schlafen, bewegen Sie sich ja schließlich auch nicht permanent.

Von den ersten Kindsbewegungen bis zu den kräftigen Bewegungen am Ende der Schwangerschaft ist es ein aufregender Weg. Jede Schwangerschaft ist anders. Während einige die ersten Kindsbewegungen schon sehr früh spüren, kann es bei anderen länger dauern. Versuchen Sie daher sich nicht zu stressen und für ausreichend Entspannung für Sie und ihr ungeborenes Kind zu sorgen.

Unser Experte

Prof. Dr. med. Kai J. Bühling ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Hamburg.

 

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