Erste Hilfe: Wenn das Kind ertrinkt

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Gerade ein kleines Kind ertrinkt leise. Beaufsichtigen Sie Ihren Nachwuchs deshalb immer beim Baden.“ © Privat

Kaum wird es draußen wieder warm, verbringen viele Kinder jede freie Minute im Schwimmbad. Doch aus dem Spaß kann schnell Ernst werden. Wie Sie reagieren sollten, wenn Sie sehen, dass ein Kind ertrinkt, weiß Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Wenn ein Kind zu ertrinken droht, ist jede Sekunde kostbar. Trotzdem müssen auch Eltern abwägen, ob Sie sich nicht selbst in Gefahr begeben, wenn sie einen Rettungsversuch starten. Wenn Sie kein guter Schwimmer sind, sollten Sie lieber Hilfe organisieren: Machen Sie andere Personen auf die Situation aufmerksam und bitten Sie jemanden, den Bademeister zu informieren und den Notruf zu wählen. Falls sich ein guter Schwimmer unter den Anwesenden befindet, kann auch dieser die Rettung übernehmen.

Mädchen im Garten
Auch wenn der Wasserstand im Planschbecken oder dem Gartenteich niedrig ist, können Kinder leicht ertrinken. Spielt ein Kind draußen, sollten Sie es daher nicht allein lassen© Alamy
 

Der Achselschleppgriff

Wenn ein Kind ertrinkt, sollte sich der Retter ihm auf jeden Fall von hinten nähern. Ist das Opfer bei Bewusstsein, verwenden Sie den sogenannten Achselschleppgriff: Schlingen Sie beide Arme von hinten unter den Achseln des Kindes hindurch und benutzen Sie die Beine, um zum Ufer zu schwimmen. Dabei sollten Sie beruhigend auf den kleinen Patienten einreden. Falls jemand anderes die Rettung übernimmt, stellen Sie sich so hin, dass Ihr Kind Sie sehen kann und versuchen Sie es zu beruhigen. Ist das Kind bewusstlos, gilt es vor allem, seinen Kopf über Wasser zu halten. Dafür legen Sie von hinten beide Hände unter sein Kinn und bewegen sich dann auch in diesem Fall mithilfe der Beine zurück ans Ufer.

Die weiteren Schritte hängen vor allem davon ab, ob das Kind atmet oder nicht. Wenn nicht, muss sofort mit der Mund-zu-Nase-Beatmung begonnen werden. Ist ein Herzstillstand eingetreten, beginnen Sie auch mit der Herzmassage. Idealerweise sind Sie dabei zu zweit: Eime Person führt die Herzmassage durch und die andere die Beatmung. Platzieren Sie einen oder beide Handballen aufeinander auf der Mitte des Brustkorbs. Drücken Sie ihn mit gestreckten Armen nach nach unten. Anschließend lösen Sie den Druck vollständig, lassen die Hände aber in Position liegen. Drücken Sie 30 Mal auf den Brustkorb, dann muss die zweite Person zweimal beatmen. Sind Sie allein, drücken Sie 15 Mal auf den Brustkorb und beatmen dann ebenfalls zweimal.

Sofern das Kind bei Bewusstsein ist, bringen Sie es in die stabile Seitenlage und warten dann auf die Rettungskräfte. Versuchen Sie auf keinen Fall, beispielsweise durch Schütteln Wasser aus den Lungen oder dem Magen zu entfernen, denn das funktioniert ohnehin nicht.

 

Wenn das Kind ertrinkt: Gefahren zuhause

Nicht nur ein Schwimmbad oder das Meer können für Kinder gefährlich sein – sie können auch in einer Badewanne, dem Gartenteich oder gar einem Planschbecken ertrinken, selbst wenn das Wasser nicht tief ist. Das Tückische: Ein Kind ertrinkt leise – in der Regel wird sich besonders ein Kleinkind nicht gegen das Ertrinken wehren. Denn die Kleinen verlieren viel schneller als Erwachsene die Orientierung, sobald ihr Kopf unter Wasser ist. Deshalb sollten Sie Ihren Nachwuchs beim Baden und Spielen im Garten möglichst immer beaufsichtigen. Sichern Sie Regentonnen außerdem mit einem Deckel.

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