Hodenschwellung: Symptome, Ursachen und Behandlung

Michelle Kröger

Hodenschwellungen sind nicht nur schmerzhaft, sondern auch extrem belastend. Doch wie deutet sich das an und wie werde ich die Schmerzen wieder los?

Mann guckt in seine Hose
Eine Hodenschwellung kann unterschiedliche Ursachen und Symptome haben Foto:  istock/michellegibson
Inhalt
  1. Mögliche Ursachen einer Hodenschwellung
  2. Symptome im Zusammenhang mit einer Hodenschwellung
  3. Behandlung der Hodenschwellung
  4. Erste-Hilfe-Tipps bei einer plötzlichen Hodenschwellung

Eine Hodenschwellung kann auf unterschiedliche Erkrankungen des betroffenen Mannes hinweisen. Sie kann entweder ohne Schmerzen oder mit geringen bis starken Schmerzen auftreten; sie kann einen Hoden oder beide Hoden betreffen. 

 

Mögliche Ursachen einer Hodenschwellung

Die Skrotalschwellung, wie die Hodenschwellung auch genannt wird, ist in der Regel ein Symptom einer Erkrankung. „Neben der Schwellung durch einen Hodenbruch kann die Schwellung auch durch Entzündungen – meist im Bereich des Nebenhodens – oder auch durch Hodentumore bedingt sein”, sagt Dr. med. Tobias Jäger, Facharzt für Urologie der Urologischen Praxisklinik Essen. Die folgenden Erkrankungen sind als Ursache möglich:

  • Verdrehung eines Hodens (Hodentorsion): Medizinischer Notfall unter großen Schmerzen, der sofort in einem Krankenhaus behandelt werden muss. Mit der Verdrehung des Hodens, geht auch eine Verdrehung des Samenstrangs einher und die Blutzufuhr wird unterbrochen.
  • Hodenentzündung (Orchitis): hat meistens eine virale Ursache durch, ensteht durch Infektionen wie z.B. Harnwegsinfektion, Mumps, Windpocken oder Pfeiffersches Drüsenfieber. Oft tritt gleichzeitig eine Nebenhodenentzündung auf.
  • Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis): Durch Bakterien und Viren verursachte, meist einseitige Entzündung der Nebenhoden. Die Nebenhoden liegen auf der Rückseite des Hodens und speichern die Samen.
  • Zyste am Nebenhoden (Spermatozele): Neben der Hodenschwellung meistens ohne zusätzliche Beschwerden. Sollten sich weitere Symptome zeigen, kann die Zyste operativ entfernt werden.
  • Traumata: Es kann durchaus passieren, dass nach Unfällen, Verletzungen und Operationen (z. B. Leistenbruch, Prostata-OP) eine Schwellung eines oder beider Hoden auftritt. 
  • Wasseransammlung (Hydrozele): Häufig auch als Wasserbruch bezeichnet, kommt es dabei zu einer Ansammlung seröser Flüssigkeit in einem oder zweier Hoden. Meistens erfolgt eine operative Behandlung.
  • Tumoröse Veränderungen: Seltener steht eine Hodenschwellung mit einer Hodenkrebs-Diagnose zusammen. Am häufigsten betroffen sind Männer im Alter zwischen 25 und 45 Jahren.

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Symptome im Zusammenhang mit einer Hodenschwellung

Abhängig von der Ursache können sich verschiedene Beschwerden beim Betroffenen bemerkbar machen. Dazu gehören:

Hodenverdrehung 

  • geschwollener, roter, druckempfindlicher Hoden
  • plötzlich eintretende, massive Schmerzen im Hodensack
  • Übelkeit, Erbrechen

Hodenentzündung 

  • Rotfärbung des Hodensacks
  • druckempfindlicher Hoden
  • Fieber und Schwächegefühl

Nebenhodenentzündung

  • Örtliche, starke Schmerz im Nebenhoden mit möglicher Ausstrahlung in die Leiste
  • Fieber
  • Rötung und Schwellung des Hodensacks
  • häufig: Brennen beim Wasserlassen

Leistenbruch (Hernie)

  • Vorwölbung in der Leiste (z. B. kann sich der Darm durch die Bauchwand stülpen)
  • Bauchschmerzen

Verletzung des Hodens (Traumata)

  • Schmerzen
  • Schwellung
  • ggf. Bluterguss

Wasserbruch

  • Hodenschwellung (schmerzlos)
  • ggf. Druck- und Spannungsgefühl

Hodentumor

  • Meist schmerzlose, allmähliche Vergrößerung des Hodens
  • Verhärtung des Hodens
  • Schweregefühl
  • ggf. Blut im Sperma
 

Behandlung der Hodenschwellung

Die Therapie einer Hodenschwellung ist abhängig von der diagnostizierten Erkrankung. Deshalb ist es wichtig, sich bei einem Facharzt untersuchen zu lassen, der eine Diagnose aufstellen kann. „Zunächst muss die Ursache geklärt sein”, sagt Dr. Jäger. Dies gelinge in den allermeisten Fällen aber schnell anhand der klinischen Symptomatik und mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung. „Im Falle einer Nebenhodenentzündung geht die Schwellung meist mit dem Abklingen der Infektion zügig zurück. Zur Behandlung muss allerdings in vielen Fällen auf Antibiotika in Kombination mit Antiphlogistika, wie Ibuprofen oder Diclofenac zurückgegriffen werden.”

In seltenen Fällen kommt es im Rahmen der Infektion zur Abszessbildung. In einem solchen Fall muss auch bei der Infektion eine operative Sanierung zur Entlastung des Abszesses erfolgen.

 

Erste-Hilfe-Tipps bei einer plötzlichen Hodenschwellung

Bei einer plötzlich auftretenden Hodenschwellung unter heftigen Schmerzen, kann es sich um eine Hodentorsion (Hodenverdrehung) handeln – ein medizinischer Notfall, bei dem sofort gehandelt werden muss. Als Ersthelfer sollten folgende Punkte beachtet werden:

  1. Rettungswagen anrufen (Notruf 112): Der Betroffene sollte schnellstens in ein Krankenhaus gebracht werden.
  2. Betroffenen Hoden leicht abpolstern, etwa durch das Einbringen von Mullbinden unter den Hodensack (in der Unterhose).
  3. Zu starken Druck vermeiden.
  4. Der Betroffene mit der Hodenschwellung sollte in einer bequemen Lage liegen.

 

Unser Experte

Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Jäger, Facharzt für Urologie der Urologischen Praxisklinik Essen (Andrologie mit genetischer Beratung und Männergesundheit, medikamentöse Tumortherapie, Röntgendiagnostik, Palliativmedizin und psychosomatische Grundversorgung) sowie Präventionsarzt (AGeP) und Diplom-Gesundheitsökonom.

Quellen:

Experten-Interview
Schneevoigt, B.-S. et al.: Notfall akuter Hodenschmerz - Hodentorsion, Hydatidentorsion oder Epididymitis? UroNews 2011; 7-8, 20-22
Sökeland, J; Schulze, H.; Rübben, H: Taschenlehrbuch Urologie. 14., vollständig überarbeitete Aufl. Stuttgart: Thieme, 2008
Schwellung des Hodensacks, in: msdmanuals.com
Hodenschwellung – Verlauf und Prognose, in: gesundheits-lexikon.com

 

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