Erste Hilfe bei Kindern: Wie behandle ich eine Kopfverletzung?

Dr. med. Nadine Hess

Eine Kopfverletzung ist beim Spielen schnell passiert. Doch wie können Eltern eine leichte Platzwunde von einer schwerwiegenden Verletzung ihres Kindes unterscheiden? Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wie Sie am besten reagieren sollten.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
„Eine Kopfverletzung ist für Laien schwierig einzuschätzen. Wählen Sie deshalb wenn Sie sich unsicher sind lieber immer den Notruf.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Ähnlich wie bei einer Bauchverletzungen kann eine Kopfverletzung für Laien schwierig einzuschätzen sein. Eine Gehirnerschütterung in Folge eines Sturzes ist bei Kindern auch nicht ungewöhnlich. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern wissen, wie sie in einem solchen Fall vorgehen sollten. Grundsätzlich gilt: Bei Bewusstlosigkeit rufen Sie so schnell wie möglich den Notarzt! Befinden sich andere Personen in der Nähe, bitten Sie diese, den Anruf zu tätigen. Wenn eine Wirbelsäulenverletzung möglich ist, bewegen Sie das Kind nicht, bis Sie Anweisungen von der Notdienstleitstelle bekommen haben – es droht sonst möglicherweise eine weitere Verletzung des Rückenmarkes. Der Notarzt sollte zur Einschätzung der Lage außerdem darüber informiert werden, wie lange das Kind bereits bewusstlos ist. Blicken Sie deshalb kurz auf die Uhr: Gerade in einer panischen Situation kommen uns Sekunden manchmal wie Stunden vor.

Kind mit Kopfverband
Mit einer Kopfverletzung ist nicht zu spaßen: Achten Sie auf typische Zeichen einer Gehirnerschütterung und lassen Sie die Wunde unbedingt ärztlich untersuchen© Fotolia
 

Kopfverletzung: Was, wenn das Kind bei Bewusstsein ist?

Ist das Kind nach einem Sturz wach, hat aber eine Kopfverletzung davongetragen, sollten Sie sein Verhalten genau beobachten. Achten Sie vor allem darauf, ob das Kind schläfrig ist und vor sich hin dämmert. In diesem Fall sollten Sie sofort den Notruf alarmieren. Dasselbe gilt, wenn sich die Blutung am Kopf nicht stillen lässt.

Ist keines von beidem der Fall, lagern Sie den Kopf etwas erhöht und stellen Sie dem kleinen Patienten einfache Fragen, die dem Alter angemessen sind. Beispielsweise ob das Kind Sie erkennt oder ob es weiß, wie seine Geschwister heißen. Beobachten Sie Ihren Nachwuchs genau, während er antwortet: Reagiert das Kind wie immer oder ist sein Verhalten ungewöhnlich? Kontrollieren Sie außerdem seine Augen: Bei einer Gehirnverletzung sind die Pupillen häufig unterschiedlich groß. Ebenfalls ein Zeichen für eine schwerwiegendere Kopfverletzung ist plötzliches Erbrechen. Versuchen Sie nicht, das zu verhindern (man kann es auch gar nicht); Sorgen Sie stattdessen dafür, dass die Atemwege frei bleiben. Fahren Sie so schnell es geht in ein Kinderkrankenhaus, am besten mit einer dritten Person, damit Sie sich weiter um den kleinen Patienten kümmern können. Sorgen Sie dafür, dass das Kind wach bleibt und lenken Sie es beispielsweise mit seiner Lieblingsgeschichte ab.

 

Der Unterschied zwischen einer Gehirnerschütterung und einem Schädelbruch

Bei einer Gehirnerschütterung ist das Kind normalerweise nur kurz bewusstlos, maximal wenige Minuten. Nach dem Aufwachen wirkt es desorientiert und benommen, innerhalb der nächsten 30 Minuten kommt es häufig zu mehrmaligem Erbrechen. Um einen Schädelbruch zu erkennen, sollten Sie die Kopfverletzung genauer untersuchen: Lässt sich eine „schwappende“ Beule ertasten (sie fühlt sich weich an, wie ein Gelkissen), könnte ein Schädelbruch vorliegen. Bewegen Sie das Kind in diesem Fall so wenig wie möglich und verständigen Sie den Notarzt oder fahren Sie direkt in ein nahegelegenes Krankenhaus.

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