Erste Gen-Babys geboren?

Dr. Justus Meyer

HIV-resistente Gen-Babies angeblich in China zur Welt gekommen: Einige Experten bezweifeln die Ergebnisse, ein US-Wissenschaftler muss sich womöglich vor Gericht verantworten. PraxisVITA hat die Fakten.

Chinesischer Wissenschaftler
Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui behauptet in seiner Ankündigung, dass erstmals Babys nach einer Genmanipulation zur Welt gekommen sind © tagesschau.de/dpa

Es sind zwei Mädchen mit den (Deck-)Namen Lulu und Nana. Das hört sich irgendwie nach Teletubbies an – und tatsächlich ist etwas künstlich an ihnen: eine angebliche Resistenz gegen den AIDS-Erreger durch eine menschengemachte genetische Veränderung. Mithilfe der sogenannten Gen-Schere CRISPR/CAS9 hat der chinesisch-stämmige US-Wissenschaftler He Jiankui nach eigenen Aussagen die Embroys von sieben Paaren im Rahmen einer Fruchtbarkeitsbehandlung einer Erbgutveränderung unterzogen.

Damit Viren und Bakterien nicht ungehindert zum Gehirn gelangen, werden sie von der Blut-Hirn-Schranke abgeblockt
News  

Der wichtigste Türsteher meines Körpers

Zwei der Embroys, die Zwillinge Lulu und Nana, sind im November laut He gesund zur Welt gekommen.

Berechtigte Zweifel

Die Tatsache, dass He Jiankui seine Forschungen am vergangenen Sonntag in einem YouTube-Video erstmals der Weltöffentlichkeit präsentierte, macht viele seriöse Wissenschaftler skeptisch. Üblicherweise werden Forschungsergebnisse zunächst bei einem Fachjournal eingerichtet, wo sie vor der Veröffentlichung einer sogenannten Peer-Review durch andere Experten unterzogen werden. Auch der Umstand, dass die wahre Identität von Eltern und Kindern nicht bekannt ist, lässt Zweifel aufkommen.

Illegale Forschungen?

In den meisten westlichen Nationen, unter anderem in Deutschland, Großbritannien aber eben auch in den USA, sind die entsprechenden Eingriffe in das menschliche Erbgut streng verboten. Daher hat He Jiankui seine Versuche in China durchgeführt. Da er sich offenbar weiterhin in China aufhält – hat er fürs Erste wohl keine Strafverfolgung zu befürchten. Allerdings untersucht die US-amerikanische Rice University die Verwicklung von Dr. Michael Deem, der dort als Professor für biochemical and genetic engineering tätig ist. Dr. Deem hat bereits zugegeben, sich zum Zeitpunkt des Versuchsbeginns – als die Teilnehmer ihre Zustimmung gaben – bei He Jiankui in China aufgehalten zu haben.

Kommt jetzt das Zeitalter der Gen-Babys?

Es ist laut Experten schwer abzuschätzen, welchen Einfluss die Forschungen von He und Dr. Deem kurz- und mittelfristig haben werden. Sie öffnen zwar die Tür zu völlig neuen Therapie-Möglichkeiten und gleichzeitig zur „Züchtung“ von Designer-Babys – die rechtlichen Hürden sind allerdings in den meisten Ländern so hoch gebaut, dass sich zunächst nichts ändern wird. Auch die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit, Lebensfähigkeit und Alterung der Gen-Babys sind noch völlig unbekannt. Ebenso – ob der angestrebte HIV-Schutz wirklich funktioniert.

Experten gehen davon aus, dass in Ländern, in denen Gen-Manipulationen an Embryos legal sind, die entsprechenden Forschungen zunehmen. Bis Gen-Babys zum Alltag gehören sei es aber – glücklicherweise, nach Auffassung vieler – noch ein weiter Weg.

 

 

 

 

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.